Neues von der Baustelle: Die Straße des Grauens

Willkommen zurück beim Projekt Straßenbau, wo wir aufgrund eines Platten am Bagger, einige Tage Verzögerung hinnehmen mussten. Die Reparatur wurde aber immerhin binnen 72 Stunden ausgeführt, sodass man hier durchaus schon von Express Service sprechen kann. Wie dem auch sei, am Mittwochmorgen war der am Samstag demolierte Bagger wieder einsatzbereit.

Und mit ihm – so dachte ich – auch der Bulldozer, welcher noch Dienstagabend angeliefert wurde. Wobei das Wort Bulldozer jetzt wahrscheinlich ein falsches Bild in euren Kopf setzen würde. Es ist eher ein Bulldozerlein, aber für diesen Job wird er wohl ausreichend sein. Jedenfalls stand das kack Ding zwar auf der Finca, hatte aber wohl irgendein größeres technisches Problem. Gegen Mittag war Sven von oben bis unten mit Getriebeöl und Diesel verschmiert, doch die Kiste lief immer noch nicht.

Wobei laufen tat sie schon, doch verfehlte dabei ihre Funktion. Anstatt Erde und Geröll durch die Gegend zu schieben, spritzte sie nämlich nur munter Diesel durch die Luft. Am Donnerstag wurden dann schließlich Ersatzteile für die Dieselpumpe gekauft, welche am Montag repariert und am Dienstag wieder eingebaut wurde. Mittwoch und Donnerstag waren Ruhetage, und es war schließlich mehr als zwei Wochen später, bis endlich beide Maschinen und deren Fahrer einsatzbereit waren.

Und endlich konnten sie damit weitermachen, wofür sie eigentlich gekommen waren. Nämlich unsere Straße zu verlängern. Da wir große Teile davon quer zum abfallenden Terrain bauen, wirkt sie in der Landschaft wie ein Damm, und muss entsprechend entschärft werden. Besonders kritisch ist die Lage in der Kurve zum Parkplatz. Aufgrund der Topografie mussten in diesem Bereich umfangreiche Vorkehrungen für das Wassermanagement getroffen werden.

Denn was man in Panama Regen nennt, würde in Österreich wahrscheinlich als Sturmflut durchgehen. Die 50cm dicken und 6 Meter langen Kunststoffröhren, welche wir bereits an anderen Stellen in der Straße verbaut haben, werden auch hier wieder Verwendung finden, um das Wasser unter der Fahrbahn durchzuleiten.

Links und rechts der eigentlichen Fahrbahn, sollen Straßengräben entstehen, die wir diesmal nicht von Hand, sondern von den Maschinen machen lassen wollen. Aufgrund großflächiger Wasser Einsickerungen aus dem Boden, können wir den Straßenbelag auch nicht direkt auf die Erde kippen, sondern müssen an sensiblen Stellen erst eine Schicht Flusssteine auftragen. Das Wasser kann so unter dem Straßenbelag durchfließen, ohne ihn zu beschädigen. Doch die Panamesen tun selten was man ihnen sagt, ob nun wegen fehlenden Sprachkenntnissen oder Gewinnoptimierung, sei dahingestellt.

Und so hat es sich ergeben, dass der Bauunternehmer und sein Baggerfahrer es sehr gut mit uns gemeint haben, und eine riesige 10 Meter Breite Spur durch die Landschaft gezogen haben. Links und rechts ist sie nun umgeben von großen Geröllhaufen, es sieht mehr oder weniger aus wie ein Schlachtfeld. Und es ist das exakte Gegenteil von dem, was wir eigentlich haben wollten. Immer wieder kuckten Felsspitzen aus dem Boden, was den Baggerfahrer oftmals dazu veranlasste, ein fünf Meter großes Loch darum zu graben, den Felsen rauszuziehen und auf die Seite zu schieben.

Die Verwüstung ist groß, doch bald wird sich zeigen wie es aussieht, wenn der Straßenbelag draufkommt. In die Mitte der Spur wird erst eine Schicht Flusssteine und dann Ton Bruchstein aufgeschüttet. Links und rechts entstehen so die Straßengräben, welche wiederum von der Geröllwand eingefasst sind. Eigentlich ein gängiges Konzept für größere unbefestigte Straßen, für die Zufahrt zu unseren Häusern hätte es das jetzt nicht wirklich gebraucht.

Doch wir sind ja flexibel und ich habe bereits Pläne geschmiedet für einen grünen Dschungeltunnel, in welchen wir die Straße verwandeln können. Die seitlichen Geröllhaufen können nämlich schön bepflanzt und mit Netzen überspannt werden, wo später Maracujas und Kiwis darüber wachsen können. Eine schöne Vorstellung, doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Der Bagger hat mittlerweile einen großen Riss in seiner Schaufel, beim Bulldozer ist der Kettenspanner kaputt. Nur gut, dass wir soweit fertig sind. In der nächsten Bauphase, werden wir rund 30 LKW Ladungen Schüttgut ankarren lassen, um den Straßenbelag fertigzustellen. Danach wird es noch eine Menge Handarbeit geben, um all die Kleinigkeiten drumherum fertigzustellen.

Und auch an anderen Fronten wie dem Garten und dem Lagerhaus, gibt es reichlich Neues zu berichten. Ich freue mich drauf, bis zum nächsten Beitrag!

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1 Antwort

  1. Michael Hinterauer sagt:

    So schlimm sieht’s gar nicht aus, Straßenbau heißt immer zerstören und wiederherstellen. Ihr habt ja genug Platz.

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