Neues von der Baustelle: Die Flucht vor dem Regen

Es ist Mitte Juni und die Regenzeit ist zurück. Waren es im Mai noch 1-2 Regentage pro Woche, regnet es mittlerweile fast jeden Tag. Die Regenschauer sind oft nur kurz, manchmal auch den ganzen Nachmittag. Bis Mittag können wir meistens noch problemlos arbeiten, doch die ohnehin schon kurzen Panama-Arbeitstage, wollen und können wir uns durch das Wasser von oben nicht noch mehr verkürzen lassen.

Neben den Arbeiten an der Stromtrasse und dem Verlegen und Verbinden der ganzen Kabel, haben wir uns deshalb außerdem auf das Lagerhaus konzentriert. In diesem 4×8 Meter großen Raum, herrscht ein unbeschreibliches Chaos. Überall Plastiktüten und Kisten mit irgendwelchen Sachen, Werkzeuge, Maschinen und Materialien liegen wild verstreut und durcheinander gewürfelt auf dem Boden. Aus gutem Grund existiert davon kein Foto…

Zu allem Überfluss, verwandelt sich der ehemals trockene Rasen hinter dem Gebäude, wo die Küche, Werkstatt und Gärtnerei entstehen, langsam aber sicher in eine große Matschpfütze. Höchste Zeit also etwas gegen all das Chaos zu unternehmen. Natürlich hätten wir auf der Hostel Baustelle genügend wichtige Arbeiten zu erledigen. Wenn wir dabei allerdings im Chaos und Dreck versinken, ist auch niemandem geholfen.

Also fingen wir erst mal damit an, die Umrisse für ein 40m² großes Schleppdach abzustecken. Als erstes betonierten wir die Stützen ein und begannen dann, die Rahmenkonstruktion zu verschweißen. Selbst für die Sparversion mussten wir dafür stolze 47 Meter Metallprofile verbauen. Beim Dach selber machten wir ein Experiment.

Aufgrund hoher Hitzeabstrahlung und starkem Lärm bei Regen, wollten wir nämlich kein Wellblechdach verbauen. Das Wellbetondach, welches wir bei den Hostelgebäude verwenden, ist allerdings zu teuer und zu schwer. Als Alternative habe ich ein preiswertes Kunststoffdach aus Polypropylen gefunden. Das Zeug kommt mit einer 5 Jahre Garantie und ist sehr biegsam und leicht. Für unseren Einsatzzweck geradezu ideal.

Das Verlegen und Festschrauben dieser Plastikdinger war dann allerdings der pure Horror. Bei einem normalen Dach steigt man während des Festschraubens einfach auf das Dach und kann bequem und effizient von oben herab arbeiten. Beim Kunststoffdach war das natürlich nicht möglich und zusätzlich mussten auch noch die Löcher in die Metallprofile vorgebohrt werden.

Was wir normalerweise an einem schönen Vormittag geschafft hätten, hat sich so über fast drei Tage gezogen. Mühsam und zäh, und freilich musste noch das ein oder andere Loch gestopft werden, aber im Endeffekt waren wir mit unserer Arbeit zufrieden. Um später nicht im Dunkeln zu stehen und auch in der Mitte des Dachs Strom zu haben, montierte ich noch zwei Lampenfassungen und eine Steckdose.

Den krönenden Abschluss bildete ein 3“ Plastikrohr, das ich der Länge nach aufschnitt und als Regenrinne unter der Dachkante befestigte. Auch das Brunnenhaus bekam eine solche Regenrinne spendiert, denn das vom Dach fließende Wasser führte auch dort zu Schlamm und Dreck. Lisa hat außerdem einen kleinen Perimeter aus Flusssteinen angelegt, da das Häuschen ansonsten mehr oder weniger Mitten im Sumpf steht. Auf diese Art wollen wir auch das Lagerhaus einfassen und Fußwege anlegen.

Nachdem draußen das gröbste erledigt war, musste auch im Haus selber für Ordnung gesorgt werden. Das mittlerweile fertige Schleppdach änderte nämlich nix am Chaos innendrin. Die Zeit war gekommen, um die vor Monaten gekauften Stahlprofile unter einem halben Meter Stroh und Gras auszugraben, und endlich mit dem Bau der Regale zu beginnen.

Aufgrund des sehr unebenen Bodens, ging es auch hier wieder zäh voran und Sven war mehr als zwei Tage beschäftigt. Die Einrichtung wie Tische und eben Regale selber zu bauen, ist zwar sehr kostengünstig und extrem flexibel, aber verschlingt halt auch einen Haufen Zeit. Jedenfalls konnte ich dann endlich die lang ersehnten Regalfächer einräumen und ein kleines bisschen Ordnung schaffen. Meine kleine Extrawurst kam wie immer zum Schluss, und diesmal in Form eines selbstgebauten Werkzeugständers mit extra Macheten Fach.

Die stolzen Erbauer des Werkzeugständers

Schön! Genauso hatte ich mir das vorgestellt. Oder so ungefähr. Egal. Für den Moment ist es schon mal ein großer Fortschritt und optimieren kann man in Zukunft ja immer noch. Das Chaos halbwegs im Griff, können wir uns jetzt wieder auf die eigentliche Arbeit konzentrieren. Und da ist die Auswahl recht groß. Ganz offensichtlich sollten wir an der Hostelbaustelle weitermachen. Neben dem Innenausbau vom Hauptgebäude und den Badezimmern sowie dem Bau der Küche, sollten wir auch eine aus 4 Tanks bestehende Kläranlage aufbauen.

Die Wassertanks am Hügel funktionieren zwar, haben aber noch immer kein Dach und keine Verkleidung. Nebenbei gesagt werden in einigen Tagen auch wieder Bagger und Bulldozer aufrollen, denn der nächste Abschnitt der Straße soll gebaut werden.

Ihr seht schon wohin das führt. Für genügend Schreibstoff ist gesorgt, der nächste Beitrag kommt bestimmt. Bis dann!

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5 Antworten

  1. Martina sagt:

    Simon!!!! Höchster Respekt was ihr da alles leistet – das hätte ich dir gar nicht zugetraut 😛 Freu mich schon auf meine erste Reise zu euch 🙂

  2. Michael Hinterauer sagt:

    Von der vielen körperlichen Arbeit bekommt der junge Mann ja Muskeln ! 🙂
    Vor der Regenzeit hätte ich mir allerdings etwas mehr Bräune bei dir erwartet ? Da kommst du ja käseweiß zu uns in den Sommer ?
    Und das Flugdach – die Felder sind ja ziemlich groß, hoffentlich kippen die Platten nicht seitlich ab von der Hitze und vom tropischen Regen.

  3. Christian sagt:

    Simon, wir sind beeindruckt. Vor allem die von Sven gebauten Regale und natürlich dein selbst gebauter Werkzeugständer – echt cool diese Ordnung. Da findet man auf Anhieb seine benötigten Sachen und sauber sieht es auch aus – das liebe ich…LG Christian, Iris u. Julian

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