La Buena Vida en Santa Fe: Die Entstehung und Geschichte von Santa Fe

Nachdem ich zufällig auf ein ausgesprochen detailliertes Dokument über Santa Fe gestolpert bin, werde ich euch in nächster Zeit immer mal wieder mit wissenswerten Zahlen und Fakten zu unserer Heimat überraschen. In diesem Beitrag beginne ich mal direkt mit dem Offensichtlichen, nämlich mit einem historischen Rückblick über die Entstehung und Geschichte von Santa Fe.

Historischer Rückblick

Gegründet wurde die Ortschaft 1557 von dem Spanier General Francisco Vásquez, dessen Hauptziel die Ausbeutung der Goldvorkommen im Norden von Veraguas war. In der Region gab es zu dieser Zeit viele Goldminen und Santa Fe sollte die Hauptstadt der Provinz sein. Ihre administrative Grundlage beruhte darauf sicherzustellen, dass die Kolonisten ihren Lebensunterhalt ausschließlich mit der Aufzucht und dem Verkauf von Vieh für die Minen bestritten.

Mit einem stetigen Rückgang an Bodenbearbeitung und fallenden Erträgen der Minen, verlegte die Lokalregierung knapp 30 Jahre später ihren Hauptsitz in die Stadt La Concepción. Darauf zogen im 17. Jahrhundert viele Einwohner nach El Naranjal, dem heutigen Distrikt von San Francisco. Andere wiederum schlossen sich mit den Einwohnern von Montijo zusammen und gründeten eine Siedlung, aus der die heutige Stadt Santiago hervorging.

Um ungefähr 1805 fiel Santa Fe schließlich den Mesquito Indianern zum Opfer, die es plünderten und bis auf die Grundmauern niederbrannten. Unter diesen Bedingungen entschlossen sich die verbliebenen Einwohner, die Ortschaft an die Ufer des Flusses Bulabá zu verlegen, wo sie sich noch heute befindet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als Panama noch Teil von Kolumbien war, zogen viele Kolumbianer nach Santa Fe, die den Anbau von Kaffee und Zuckerrohr einführten und eine wichtige und bedeutende Produktion für die Wirtschaft der Region hervorbrachten.

Im bald darauffolgenden kolumbianischen Bürgerkrieg, dem Krieg der tausend Tage, wurde auch im Gebiet von Santa Fe die ein oder andere Schlacht ausgetragen.

Héctor Gallego und die Cooperativa

Die jüngere Geschichte von Santa Fe dagegen, ist geprägt von scharfen Klassenkonflikten. Auch ist es beinahe unmöglich, irgendwas über Santa Fe zu erzählen, ohne dabei Héctor Gallego zu erwähnen. Als die katholische Kirche in den frühen 60er Jahren begann, ihre Aktivitäten in der Provinz Veraguas zu verstärken, war Santa Fe eine der ärmsten Regionen Panamas. Zu dieser Zeit gab es rund 90% Analphabetismus und weitverbreiteten Hunger.

Héctor Gallego

Die Region war nur über eine unbefestigte Straße mit Santiago verbunden, die während der Regenzeit kaum befahren werden konnte. Eine kleine Gruppe von Familien kontrollierte die meisten Ressourcen in der Gegend und besaß die einzigen Geschäfte der Ortschaft. Diese Gruppe konnte billige Produkte von den Bauern kaufen und ihnen Trockenware zu exorbitanten Preisen verkaufen, da die Erzeuger keine Möglichkeit hatten, externe Märkte zu erreichen. Diese Elite verlieh ebenfalls Geld, was die Abhängigkeit weiter vertiefte. Ihre Mitglieder fungierten außerdem als Stadtrichter, Bürgermeister und Repräsentanten in der nationalen Politik.

Die Situation änderte sich dramatisch, kurz nachdem ein junger Priester namens Jesús Héctor Gallego Herrera 1967 zum ersten Priester von Santa Fe ernannt wurde. Gallego begann, beeinflusst von frühen Texten der Befreiungstheologie, mit den Bauern auf den Feldern zu arbeiten und sich über deren Situation zu informieren. Er organisierte sie bald zu „Gesprächskreisen“, in denen sie die Bibel lasen und die Situation der Bauern im Lichte des heiligen Textes analysierten.

Bald entstand eine Bewegung, die nach praktischen Lösungen für die Bedürfnisse der Armen suchte. Die Bewegung eröffnete zuerst eine Konsumgenossenschaft, dann begann sie, Produkte direkt auf den Provinzmärkten zu verkaufen, wodurch die Handelselite abgeschnitten wurde. Im Jahr 1971 begann sich Santa Fe zu verändern, als die Bauernbewegung von Tag zu Tag stärker wurde und sich nach Allianzen auf Provinz- und nationaler Ebene umsah.

Gedenkfeier für Héctor Gallego in Santa Fe

Panama war seit 1968 unter der Kontrolle der Nationalgarde und Gallego war sich der Herausforderung bewusst, die seine Bewegung für Omar Torrijos, den von den USA installierten Diktator des Landes, mit sich brachte. Da Torrijos selbst um Unterstützung in ländlichen Gebieten wetteiferte, stellte die Bewegung eine Alternative zur Führung der Garde dar.

Erst ein Jahrzehnt zuvor hatte Torrijos persönlich einen bewaffneten Aufstand am Cerro Tute in Santa Fe niedergeschlagen. Obwohl Gallego entschieden gegen jede Form von Gewalt war, hatte das Regime wohl befürchtet, dass sich seine Bewegung radikalisieren würde. Als ob dies noch nicht ausreichte, war Alavaro Vernaza Herrera, der mächtigste Caudillo von Santa Fe, ein Cousin des Diktators – und so konnte die Herausforderung der Bewegung als eine persönliche Herausforderung für Torrijos angesehen werden.

Nach einer allmählichen Eskalation der Spannungen zwischen den beiden Lagern, wurde Gallegos Blechhütte in Brand gesteckt. Der Priester weigerte sich jedoch, den Kurs zu ändern. Am 9. Juni 1971 wurde er nachts von Agenten der Nationalgarde entführt und ermordet. In Erwartung seines Verschwindens, ermahnte Héctor Gallego seine Anhänger: „Wenn ich verschwinde, sucht mich nicht. Kämpft weiter.“

Das Ereignis markierte die erste schwere Krise des Regimes, als die Kirche landesweit massive Proteste organisierte. Durch eine Kombination aus Desinformation, Einschüchterung und Verhandlungen gelang es Torrijos jedoch, die Opposition auszumanövrieren und seine Führung weiter auszubauen. Heute ist die politische Ökonomie der Region in der Tat verändert. Teilweise als Reaktion auf den Druck der Bewegung wurde eine Straße nach Santa Fe asphaltiert, was die Integration der Region in die Volkswirtschaft weiter erleichterte und mehr Ressourcen in die Stadt flossen.

Statue von Héctor Gallego

Die Cooperativa hat seitdem Höhen und Tiefen erlebt, aber es ist ihr gelungen, ihre Wirtschaftstätigkeit zu diversifizieren. Sie verfügt heute über eine Kaffeerösterei und verschiedene landwirtschaftliche Aktivitäten. Die „Fundación Héctor Gallego“ vertritt die Interessen der Bauern und versucht, ihre technischen Fähigkeiten zu verbessern. Ebenso wichtig ist, dass die Region in jüngster Zeit einen bescheidenen Touristenstrom und einen Anstieg der Immobilienverkäufe verzeichnen konnte.

All dies hat zum Aufstieg einer kleinen Mittelschicht beigetragen, die lokale Machtstruktur weiter diversifiziert und möglicherweise zum Wohl der Bevölkerung beigetragen. Da ist es kein Wunder, dass die Menschen bis heute Héctor Gallego verehren und jedes Jahr zu seinem Todestag eine Gedenkfeier veranstalten. Am Ortseingang vor einem der Cooperativa Gebäude, gibt es außerdem eine Statue von Héctor zu bewundern.

So, und nach diesem kleinen Ausflug in die Vergangenheit, werde ich euch im nächsten Beitrag so einiges über die Bevölkerung Santa Fes erzählen. Bis dann!

8 Antworten

  1. Piero sagt:

    Ein chinesisches Sprichwort sagt ja „willlst du reich werden dann baue eine Strasse“. Insofern
    war Herrera auf dem richtigen Weg! Und danke für den kurzen Ausflug in die Geschichte.

    • Simon sagt:

      Ja, Geschichte ist immer spannend. Sie könnte uns soviel über die Zukunft lehren, weil sie sich eben leider immer zu wiederholen scheint…also im großen Kontext jetzt 🙂

      • Piero sagt:

        Stimmt. Ich bereite auch meinen Absprung vor. A weil ich das denke was
        Du wohl auch denkst und B weil mir dieser Leistungsdruck hier noch nie
        gepasst hat. Handle und lebe in Ruhe und du kommst doch genauso ans Ziel.
        Wie ist das denn aktuell in Panama? In der Region? Und die Rechtssicherheit?

        • Simon sagt:

          Ja und was hältst du von Santa Fe? Noch gibt es ja Platz bei uns 🙂

          • Piero sagt:

            Ich hab mir die Karte mit der Sicherheit angesehen. Der Süden
            von Veraguas und Cocle gelten als sicher (Morde je 100`000
            Einwohner gemäss FBI CIA Gov.uk und anderen) Nebst den Tropenkrankheiten die mich abschrecken (Dengue, Malaria,
            Ziika, Chikungunya Virus) und der vorhandenen Kleinkriminalität
            ist alles andere hörensagen. Und das ganze giftige Zeugs dass
            da noch rum kriecht. Man muss sich also die Situation
            vor Ort selber ansehen. Gibt es gutes Bier wie Miller Löwenbräu
            Pilsner (CZ) und Grimbergen? Du hast meine mailadresse, schick
            mir mal Deine „Unterlagen“.
            https://auswandern-info.com/wp-content/uploads/Panama-Karte.png

          • Simon sagt:

            Ja, zu befürchten gibt es hier eigentlich nicht viel. Ich bin kein Biertrinker aber es gibt hier einen Haufen verschiedene, da wird dir schon eines schmecken. E-Mail kommt…LG

  2. Dietmar Jäger sagt:

    Auf zur Goldsuche auf dem Grundstück. Papa

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