Neues von der Baustelle: Wir haben Strom gemacht!

Viele von euch kennen bestimmt den Film „Cast Away“, wo Tom Hanks nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel angespült wird. Nach größten Anstrengungen gelingt es ihm schließlich, Feuer zu machen. Es folgt die legendäre Szene, wo er am Strand ums Feuer hüpft, sich auf die Brust klopft und dabei „ich habe Feuer gemacht“ schreit. Wer die Szene kennt, weiß genau wie wir uns jetzt fühlen.

Nach monatelangen Vorbereitungen und größten Mühen, war es am Montagnachmittag nämlich endlich soweit: Unser erster Stromanschluss wurde angeklemmt! Man könnte also sagen: „Wir haben Strom gemacht!“. Doch beginnen wir von vorne. Und das ist schon ziemlich lange her, wahrscheinlich irgendwann Ende 2016, als ich noch in Österreich damit begonnen hatte, mich über die Spezifikationen und Gegebenheiten in Panama zu informieren.

Mitte 2017, kurz nachdem ich schließlich nach Panama zog, waren die Pläne dann soweit fortgeschritten, dass wir mit der Suche eines Lieferanten für die Stromkabel beginnen konnten. Die Preise in Panama waren zum Fürchten, was dazu führte, dass ich bei der Hongliang Cable Company in Zhengzhou, China, mehr als 2.200 Meter eines 3-aadrigen Aluminiumkabels in verschiedenen Ausführungen bestellte.

Während das Kabel gefertigt wurde und seinen Weg über den Ozean fand, waren wir damit beschäftigt, das Konzept fertig zu entwickeln, hunderte Meter Kabeltrasse zu errichten, und ein knappes dutzend Sicherungs- und Schaltkästen zu installieren. Von den Abenteuern wie wir das Kabel in Panama City abgeholt, abgeladen und schließlich verlegt haben, wurde reichlich berichtet.

Ja, alles was in unserer Macht lag hatten wir dann erledigt. Was noch fehlte war der Papierkrieg mit den Behörden. Die Genehmigung für den Anschluss, die Abnahme durch die Feuerwehr und schlussendlich das anklemmen des Stromzählers durch die Stromfirma. Von Bekannten wurden wir schon vorgewarnt, denn anscheinend sollte das alles länger als ein halbes Jahr dauern.

Nur gut, dass wir für diesen mühsamen und zeitfressenden Prozess, sachkundige Unterstützung organisiert hatten. Durch die großartige Hilfe eines Bekannten der bei der Stromfirma arbeitet, reduzierte sich unser Aufwand auf ein Minimum. Alles was wir tun mussten, war die Papiere zu unterschreiben und ein paar Dollar dazwischen zu verstecken. Nötig gewesen wäre das natürlich nicht, doch so hat es statt 6 Monaten nur ein paar Wochen gedauert.

Es war schließlich am Montagnachmittag, als ich bereits zurück am Miethaus war und per WhatsApp eine Nachricht unseres Bekannten bekam. Die Kollegen von der Stromfirma waren gerade auf der Finca und hätten den Anschluss angeklemmt. So richtig glauben konnte ich es nicht, also stieg ich in den Jimny und fuhr allein zur Finca. Lisa war am Haus beschäftigt und Sven noch irgendwo unterwegs.

Bereits von der Straße aus, konnte ich dann den brandneuen digitalen Stromzähler erspähen, der in unserer Stromwand steckte. Nach einer kurzen Sichtprüfung wagte ich es, den Hebel der Hauptsicherung umzulegen. Er sprang nicht sofort wieder zurück, was ich für ein gutes Zeichen hielt. Weiter ging es zum Hauptverteiler unter dem Hostelgebäude, wo ich die Sicherungen für das Brunnenhaus und das Lagerhaus reinmachte. Auch diese beiden blieben artig stehen. Wieder kein Kurzschluss, sehr gut!

Am Brunnenhaus angekommen, machte ich die Sicherung scharf und aktivierte die Pumpe. Nach wenigen Sekunden sprudelte frisches Brunnenwasser aus dem Boden. Unglaublich. Ganz ohne Generator schleppen, kein Lärm und keine Abgase. Mit großer Spannung ging ich schließlich weiter zum Lagerhaus, wo ich ebenfalls die Sicherungen reinmachte und damit begann, die einzelnen Steckdosen zu prüfen.

Alles war in Ordnung und funktionierte prächtig. Lediglich bei den Lichtschaltern gab es einige Unklarheiten mit den Anschlüssen, und wir mussten tags darauf ein wenig herumprobieren, bis die Lampen schließlich leuchteten. Auch das Schweißgerät funktionierte wunderbar, man kann also davon ausgehen, dass die Leitung auch ein wenig Last verträgt.

All das ist wahrlich gar kein Schritt für die Menschheit, doch ein großer Sprung für unser Dasein in Panama, wo wir nach knapp 13 Monaten harter Arbeit, unsere vier Hektar Wildnis in erschlossenes Bauland verwandelt haben. Ein wenig stolz darauf dürfen wir da schon sein, und haben deshalb eine kleine Fiesta organisiert.

Die Lichterkette blinkte, das Bier floss reichlich und dazu gab es ein leckeres selbstgemachtes Chili. Ja, wir hatten es recht gemütlich unter dem Schleppdach am Lagerhaus; wo wir uns in drei Sprachen mit den verschiedenen Gästen unterhielten. Es war eine kurze Auszeit und wir konnten ein wenig durchatmen, doch der nun vorhandene Strom bedeutet für uns eigentlich nur eines: Mehr Arbeit!

Doch davon werde ich im nächsten Beitrag erzählen. Bis dann!

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6 Antworten

  1. Armin HInterauer sagt:

    Was Strom nicht alles möglicht macht und vieles leichter macht. Gratuliere euch.

  2. Hugo sagt:

    Großartige Leistung, jetzt kann es richtig weitergehen!

  3. Gerhard Huber sagt:

    Super – gratuliere, tolle Leistung 👍

  4. Michael Hinterauer sagt:

    Ja, gratuliere !! 🙂

  5. Heidi sagt:

    Da könnt ihr wirklich stolz drauf sein!! Gratuliere Euch Allen 🍀😊👍!!!!

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