Glück & Unglück in Panama City: Teil 3

Ein schöner Morgen in meinem Hotelzimmer in Panama City, es war 7 Uhr und man konnte das Fenster noch gefahrlos öffnen. Um diese Zeit war es weder unerträglich heiß noch laut. Doch damit sollte noch früh genug Schluss sein. Und obwohl nicht genügend Sojasoße mit eingepackt wurde, schmeckten die Reste von meinem auf Eis gelegten Sushi vorzüglich. Ein guter Start in den Tag.

Ja es war schließlich der letzte Tag in Panama City, denn nahezu alles hatten wir erledigt. Stapelweise Angebote für Baumaterial hatte ich schon auf dem Tisch liegen, mein neuer gebrauchter Jimny stand in der Garage und die nötigen Verlängerungen der Visas hatten wir auch erfolgreich erledigt. Was stand also noch an, wofür wir noch nach Panama City gekommen waren? Ach ja, ein paar Meter Kabel sollten noch nach Santa Fe gebracht werden.

Also auf nach Perejil, wo drei riesige Kabeltrommeln und unser Hänger im Lager von Bob darauf warteten, angekuppelt und verladen zu werden. Zuerst mussten die Trommeln mal raus aus dem engen Lager und dann bestand die Herausforderung darin, die über 400 Kilogramm schweren Rollen auf den Hänger zu laden, ohne diesen im gleichen Atemzug zu zerstören.

Bobs Fahrkünste mit dem Gabelstapler waren ausreichend, um die zwei großen Rollen sicher und in einem Stück auf den Anhänger zu kriegen. Mehr Platz für die dritte, etwas kleinere Rolle, war allerdings nicht mehr vorhanden. Die Dinger zu stapeln wäre wohl mehr als fahrlässig gewesen, und so war ich schon kurz davor, eine Spedition mit dem Transport nach Santiago zu beauftragen.

Doch für die rund 300kg schwere „kleine“ Kabeltrommel, schien die Ladefläche des Pickups geradezu perfekt zu sein. Wenig später hatten wir sie mit dem Gabelstapler genau dorthin befördert. Tja, das Gespann mit insgesamt 1,2 Tonnen bzw. 6.600 Metern Aluminiumkabel, sah schon recht beeindruckend aus.

Unser Gespann mit insgesamt 1,2 Tonnen bzw. 6.600 Metern Aluminiumkabel

Wer nun auf eine Fortsetzung der spannenden Geschichte mit den Hilfssheriffs hoffte, den muss ich leider enttäuschen. Für den Rückweg hatten wir uns nämlich einen besonders schlauen Trick einfallen lassen. Einfach und simpel wurde die Heckklappe am Hänger offengelassen. So konnte man das selbstverständlich vorhandene Kennzeichen leider nicht sehen, was aber absolut kein Grund war, uns aufzuhalten.

Während ich mit Lisa und Louis im Jimny über die Straßen düste, kam so auch Sven ungehindert bis nach Santa Fe. Den Hänger samt zwei Kabeltrommeln hat er gleich an der Finca stehenlassen, doch die dritte Rolle war noch auf der Ladefläche des Pickups und würde da von alleine auch nicht wieder weggehen. Also was tun?

Wie es aussah mussten wir erst mal ein Werkzeug erfinden, um die Trommel schadensfrei vom Auto abzuladen. Und dann erinnerte ich mich. Keine 12 Stunden vor unserer Abfahrt nach Panama City, hat Sven nämlich noch beinahe den kompletten Stromkasten des Miethauses abgefackelt. Das stundenlange schweißen und wiederholte reinmachen einer ständig rausfliegenden Sicherung, hat dem Ding einfach nicht gutgetan.

So konnten wir erstmal nur im Dunkeln sitzen, anstatt irgendwas zu basteln. Nachdem der Stromkasten grade so wieder funktionierte, und wir in allen Zimmern des Hauses erneut Strom und Licht hatten, wollten wir aber ungern erneut das Schweißgerät anschließen. Die Benzinkosten sowie der Lärm machten den Generator zu einer schlechten Wahl, also musste eine kreative Lösung her.

Um den Stromkasten und die Leitungen des Miethauses nicht weiter zu belasten, das Schweißgerät aber trotzdem mit Netzstrom betreiben zu können, zapften wir kurzerhand die Hauptleitung zwischen Stromzähler und Sicherungskasten an. Nur blöd, dass man diese Leitung nicht totstellen konnte, sie hängt nämlich quasi direkt am Trafo. Mit zwei Zangen und Todesmut klappte aber auch das. MacGyver hätte es nicht besser machen können.

Und so konnten wir auch das eigentliche Problem angehen, nämlich ein improvisiertes Gestell für eine Winde zu bauen, mit welcher wir die 300kg schwere Kabelrolle vom Auto hieven konnten. Gesagt, getan. Nur zwei Tage später waren wir mit der fertigen Konstruktion und dem Kabel am Grundstück, stellten alles auf und spannten das Seil.

Dann ging alles sehr schnell. Während ich Belastung auf das Seil gab und sich die Rolle langsam von der Ladefläche hob, fuhr Sven mit dem Auto weg und im selben Moment krachte der „Kran“ zusammen. Gehalten hat er nicht lange, seinen Zweck aber auf jeden Fall erfüllt. Die beiden anderen Rollen vom Hänger konnten wir mittels langen Holzlatten und der Hebelwirkung ganz einfach abladen.

Tja, das Kabel welches ich vor Monaten über Skype bei einer Person mit Decknamen Eva bestellt hatte, fand tatsächlich seinen Weg von Zhengzhou bis nach Santa Fe auf unsere Finca. Ein bisschen stolz bin ich darauf schon. Ja und nun geht es daran, diese Kabel zu verlegen und vor allem unter Strom zu setzen.

Aber das wird wieder eine andere Geschichte. Ich freu mich schon drauf!

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2 Antworten

  1. Michael Hinterauer sagt:

    Ja, ja, AliExpress macht’s möglich. 🙂
    Immer wieder schön wie erfrischend und positiv du über eure Heldentaten berichtest, weit weg von uns, im Urwald.

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