Glück & Unglück in Panama City: Teil 2

Willkommen zurück in Panama City bei der Jagd nach dem perfekten Suzuki Jimny. Im Hintergrund dazu muss man unseren mehr oder weniger uralten und abgerittenen Nissan Pickup sehen, der uns mittlerweile ein Vermögen gekostet hat. Das Zweitauto sollte höchstens ein paar Jahre alt sein, weniger als 100.000 Kilometer auf dem Buckel haben, in Top Zustand sein und natürlich fast nichts kosten.

Nach dem erfolglosen Besuch beim gefühlten hundertsten Autohändler, versuchte sich Sven bereits daran, meine Ansprüche herunterzuschrauben. Doch weit gefehlt. Über ein Kleinanzeigenportal fand ich schließlich einen Jimny der genau meinen Vorstellungen entsprach, kontaktierte den Verkäufer und vereinbarte einen Treffpunkt. Das Auto entsprach der Beschreibung, war Baujahr 2014, hatte knapp 80.000 Kilometer und war in tollem Zustand.

Der perfekte Jimny? Es wird sich zeigen!

Doch wo war der Haken? Der Verkäufer war eine Privatperson, versprach sich um alle Formalitäten zu kümmern und mir dabei zu helfen, das Auto auf meinen Namen umzumelden. Garantie gibt ein Privater zwar nicht, aber seien wir uns ehrlich: Autohändler gehören wohl in jedem Land der Welt zur selben Gattung Parasit. Die Garantie wäre 350km entfernt im Dschungel sowieso wertlos, also haben wir uns für den nächsten Morgen in der Nähe einer Bank verabredet.

Gesagt, getan. Am nächsten Morgen, diesmal ein wenig außerhalb der Stadt, konnte ich auch eine Probefahrt unternehmen. Das Ding fuhr sich lustig, irgendwie wie ein großes Gokart. Der Zustand war wie gesagt top, der Bluetooth Radio mit Touchscreen und der große Lautsprecher im Kofferraum taten ihr übriges. Als er mir dann noch mit dem Preis entgegenkam war die Sache fix.

Auf ging es zum Amt, wo Kopien meiner Ausweise angefertigt und das Auto sogleich auf meinen Namen umgemeldet wurde. Ratzfatz war alles erledigt, bezahlt habe ich mit einem Barscheck, den die Bank direkt ausstellen und zertifizieren konnte. Keine zwei Stunden später fuhr ich mit meinem Jimny vom Parkplatz und zurück zum Hotel, wo ich Sven, Lisa und Louis traf.

Nebenbei stand ja auch wieder mal die Verlängerung einiger Visas an, weshalb wir auch den mittlerweile schon gewohnten Ausflug zum Migrationsamt gemeinsam unternahmen. Keine Frage, meine neue Errungenschaft musste getestet werden. Es war verblüffend wie klein und wendig der Jimny doch ist. Auf der Fläche wo der Nissan einfach nur parkt, kann ich mit dem Jimny 8er drehen.

Im Stau und beim Spurwechseln im dichten Verkehr ist das natürlich top. So fuhr ich gleich voller Motivation weiter zum Tribunal Electoral, wo ich auf eigene Faust versuchen wollte, mein Carné de Extranjería zu beantragen. Dabei handelt es sich um einen staatlichen Ausweis für Ausländer, den man sechs Monate nach positivem Entscheid der dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung beantragen kann.

Das Migrationsamt schickt dazu nach Ablauf der Frist einen Brief an das Standesamt, wo ich mich melden und den Ausweis persönlich beantragen musste. Nach einer halben Stunde in dem riesigen Komplex, fand ich schließlich das richtige Büro, quatschte den erstbesten Typ an und es geschah ein Wunder. Er verstand sofort was ich wollte, ging zu einem winzigen Aktenschrank, suchte nach meinem Namen und fand sofort das richtige Dokument.

Das Tribunal Electoral Gebäude

Den Rest kannte ich schon. Zettel ausfüllen, warten, Geld einzahlen, warten, Fotos machen, warten. Dann hieß es ja ab Mitte Februar ist meine Karte fertig und zur Abholung bereit. Toll. Mal sehen wann ich sie holen kommen werde. Erstmal ging es weiter und zurück zum Hotel, denn ich war mit Sven zum Sushi essen verabredet. Bisher war dieser Beitrag ja erfüllt von Glück, die Frage ist woher kommt das Pech im Titel?

Tja, seit Monaten habe ich es mir vorgenommen, dann war es tatsächlich Realität: Ich saß mit Sven im besten Sushi Restaurant von ganz Panama City. Vor mir am Teller leckeres Sushi im Wert von einer Woche normalem Essen, doch mir war kotzschlecht. Köstliche Maki mit Avocado und Frischkäse, daneben fein säuberlich geschnittener Lachs. Und mir war immer noch kotzschlecht. Ich hatte wohl die ganze Hitze und das viele rumlaufen nicht so gut vertragen.

Der ansprechend dekorierte Reis in der Seegrastüte besserte die Situation genauso wenig wie das eiskalte Bier. Blöd gelaufen. Ich musste mir das beste Essen der letzten sechs Monate doch wirklich in der Tüte mit ins Hotel nehmen, wo ich es mit Svens rührender Unterstützung kaltstellen und bis zum nächsten morgen verwahren konnte. Na wenn das mal kein Pech ist!

Das eiskalte Sushi war mit ein paar Schluck Cola jedenfalls noch immer megalecker, als ich es am nächsten Morgen zum Frühstück verspeiste. Ja und dann ging das nächste Abenteuer los, denn die große Reise mit dem kleinen Jimny stand bevor. Und ganz nebenbei musste Sven noch 1,2 Tonnen Stromkabel mit einem illegalen Hänger über die Autobahn nach Hause schleppen.

Wie und was dabei alles schief- und kaputtging, bis die Stromkabel endlich auf der Finca lagen, werdet ihr im dritten und letzten Beitrag erfahren!

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5 Antworten

  1. Gerhard Huber sagt:

    Hi Simon viel Spaß mit deinem Jimmy, mein Vater hatte auch so ein Vehikel, dieses gab
    erst nach 14 Jahre seinen Geist auf, als der Rost die Karosserie fraß. Wäre nicht der Rost gewesen,
    hätte er heute noch eine Gaudi damit.

    Gute Fahrt 🙂

  2. Michael Hinterauer sagt:

    „Ich musste mir das beste Essen der letzten sechs Monate doch wirklich in der Tüte mit ins Hotel nehmen“ … das klingt zweideutig, ich hatte mir erst gedacht „Oh Mann, der schleppt sein Ko…. in der Tüte herum ?“. 🙂 🙂 😉
    So ist das wenn die Seefahrer zur Weltumseglung aufbrechen, neue Länder und Welten entdecken, da erlebt man was. Auch wenn es nur eine Sushi-Bar mit Reis und Bier in einer Großstadt in Panama ist und man sich seinen Jimny mit Ledersitz, Soundsystem und Touch-Screen abholt.
    Kolumbus wäre stolz auf dich. Ich auch.

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