Der heilige San Pedro von Santa Fe

Lange Zeit wurde es ganz still um den San Pedro, der wie bestellt und nicht abgeholt monatelang in unserer Werkstatt auf der Finca stand. Beim Vorbeigehen fühlte man sich immer irgendwie beobachtet. Zwischendurch diente er mal als Fotokulisse. Heute steht er endlich an seinem Platz im Dorfzentrum von Santa Fe.

Doch der Weg dahin war lange und das Kapitel ist eigentlich immer noch nicht abgeschlossen. Beginnen wir trotzdem mal von vorne. Im ersten Teil der Geschichte, berichte ich von der Entstehung der Statue des heiligen Simon Petrus. Dazu möchte ich auch noch etwas klarstellen, was damals ein bisschen untergegangen ist.

Unser Künstler Michael hatte dem Bürgermeister ja eine kostenlose Statue angeboten, worauf sich dieser eben die Heiligenfigur gewünscht hat. Es ist aber in keiner Weise so, dass Michael übermäßig heilig wäre oder nur diese Art von Kunst machen würde. Das Spektrum ist da etwas breiter, doch mehr dazu erzähle ich euch gerne in einem anderen Beitrag.

Zurück zum heiligen Simon Petrus. Es war Mitte Dezember und da stand er nun in unserer Werkstatt, noch etwas grau und schroff, sozusagen im Rohbau. Die eigens angefertigten Schlüssel hatte er bereits in der Hand. Doch ein echter Heiliger braucht natürlich auch einen Heiligenschein, welchen Sven aus einem Stück Stahlblech herstellte.

Michael arbeitete dann die zahlreichen Details der Statue heraus. Je nach Detailstufe entweder mit dem Dremel und verschiedenen Aufsätzen oder aber mit der Flex und diversen Schleifscheiben. Eine langwierige und staubige Angelegenheit. Erst das Gesicht, Nase, Augen, Haare, Bart. Es folgte der Umhang und zum Schluss das wichtigste: Die Bibel in der anderen Hand. Oben drauf dann noch ein bisschen Farbe.

Nebenbei lief seit geraumer Zeit die Koordinierung mit der Gemeindeverwaltung bzw. dem Bürgermeister und dem Priester. Erst sollte die Statue auf einen bereits bestehenden Betonsockel vor der Kirche montiert werden. Da der San Pedro dann aber ein Stück abseits der Hauptstraße stehen würde, wählte der Bürgermeister kurzerhand einen anderen Ort.

Im kleinen Park direkt an der Hauptstraße gegenüber dem prominenten Santa Fe Schriftzug, sollte der Heilige zukünftig über den Ort wachen. Doch der Abreisetermin unseres Künstlers kam immer näher und wie die Panamesen halt sind, verlief das alles irgendwie im Sand. Michael wollte sich dann auch nicht mehr stressen und flog im Februar zurück nach Deutschland.

Zwischenzeitlich baute die Gemeinde einen Betonsockel an die gewünschte Stelle, der dann erstmal ein paar Monate Zeit zum Aushärten hatte. Im Juni war Michael auch schon zurück und wir überlegten, wie wir die Übergabe der Statue abwickeln sollten. Erst wollte Michael ein eigenes Fest veranstalten, entschied sich dann aber doch für eine andere Variante.

Ende August feierte Santa Fe nämlich sein 465-jähriges Bestehen. Dazu war ein großes Fest mit Parade und allerhand kultureller Aktivitäten geplant. Kurzerhand entschloss Michael, sich da einfach mitdranzuhängen. Ja und somit war nicht nur der Aufstellungsort, sondern auch das Übergabedatum klar. Lediglich den Betonsockel musste Michael noch ein wenig vorbereiten.

Und dann hieß es warten. Das wichtigste fehlte nämlich noch, und das war der Transport der Statue von der Finca ins Dorf. Rund zwei Wochen vor dem großen Tag luden wir den Bürgermeister samt Familie dann noch zum Abendessen in unsere Hostelküche ein. Markus zauberte ein 3-Gänge-Menü auf den Tisch, welches nicht nur unseren panamesischen Gästen vorzüglich schmeckte.

Aller Bestechung zum Trotz, vergingen die folgenden Tage dann wieder irgendwie ohne Fortschritte. Die Statue musste immer noch an ihren Platz transportiert werden, wo dann auch noch abschließende Arbeiten zu machen waren. Der Tag kam immer näher und der San Pedro bewegte sich keinen Millimeter.

Und dann ging alles ganz schnell. Am Nachmittag vor dem Tag der großen Feier, tauchte plötzlich ein ganzer Fahrzeugkonvoi auf der Finca auf. Unter anderem ein Radbagger und ein kleiner LKW. Das sollte genügen um den Heiligen an sein Ziel zu kriegen. Doch wie genau das sollte sich noch herausstellen. Sven hatte bereits eine Art Transportkorb um die Statue geschweißt, damit diese hoffentlich schadlos transportiert werden kann.

Der einfache Teil war, das Ding erstmal mit dem Bagger unter dem Dach rauszuziehen. Doch unkompliziert wie die Panamesen sind, war auch das aufladen auf die Ladefläche des LKW im Handumdrehen erledigt. Kran, Ketten, Sicherung? Wozu? Am späten Nachmittag war der San Pedro schließlich im Dorfzentrum angekommen und wurde auf dem Sockel befestigt.

Bis in die Nacht arbeitete Michael noch an den letzten Details. Und am 30. August war es soweit, das große Fest begann. Bunt geschmückte Wagen fuhren durch das Dorf, es gab Süßigkeiten für die Kinder und fermentierter Mais für die Erwachsenen. Bunte Kleider, Pferdereiten, Tanz, Musik und Feuerwerk. Ja, ein ganz typisches panamesisches Fest halt.

Wie immer an solchen Tagen begann es dann zu regnen. Doch auch das gehört dazu und der zweite Teil der Party wäre ja nur halb so schön, wenn zwischen den Bergen leerer Bierdosen nicht auch jede Menge Matsch und Schlamm wäre. Bei all dem Trubel waren wir nicht sicher, ob irgendjemandem überhaupt die neue Statue aufgefallen ist.

Doch da steht er nun in all seiner Pracht, der heilige San Pedro von Santa Fe. Bis er im Regen erodiert werden wohl noch ein paar Jahre ins Land ziehen. Möge er so lange über den Ort wachen und als Symbol stehen für gegenseitigen Respekt und die Freundschaft zwischen den Panamesen und uns Ausländern. Danke Michael!

1 Antwort

  1. Michael sagt:

    Gut Ding braucht Weile !!

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