The Great River Journey

13.11.2011

Um 7:30 Uhr morgens ging es wieder ab in den Bus und wir fuhren stundenlang über steile, kurvige und extrem holprige Bergstraßen. Die Landschaft war umwerfend, wie mir gesagt wurde, denn trotz der Schüttelpartie lag ich quer über 4 Sitze und versuchte ein wenig zu schlafen. In der Nacht und auch den ganzen Vormittag lang war es eisig kalt und ich musste sogar mein einziges verbliebenes Kleidungsstück mit langen Ärmeln auspacken.

Als wir am Mittag in einem kleinen Ort unseren Lunchstopp machten, kam langsam die Sonne zum Vorschein und es wurde ein wenig angenehmer. Mit vollem Magen ging es nochmal zwei Stunden über immer schlechter werdende Straßen, bis wir schließlich in einem kleinen Dorf Halt machten. Wenn ich mich nicht täusche, handelte es sich dabei um Pakmong, wo aus China eingewanderte, sehr arme Leute leben. Unser Lao Guide erzählte uns wieder viele interessante Dinge über deren Lebensweise, wovon ich euch ein paar weitergeben möchte.

Bergdorf in Laos

In diesem speziellen Dorf wird Polygamie gepflegt, was so viel bedeutet wie das jeder Mann drei, vier oder fünf Frauen hat. Und jetzt kommt’s: Während die Frauen den ganzen Tag auf dem Feld verbringen und arbeiten, sitzen die Männer in ihren Hütten und rauchen Opium. Und das ist den Frauen anscheinend sogar recht, denn so bleiben die Männer im Haus und angeln sich nicht noch mehr Frauen. Und das geht hier, wie uns erklärt wurde, auch besonders leicht. Man(n) schnappt sich einfach ein nicht verheiratetes Mädel, nimmt es auf den Arm und rennt davon. Wenn die Eltern nicht schnell genug sind um den Flüchtenden einzuholen, gehört die Frau automatisch ihm. Nun das alles hörte sich ziemlich toll an und ich fand es sehr schade, dass ich absolut keine Zeit mehr übrig hatte, um einige Tage dort zu verbringen 🙂

Und so ging es wenig später weiter zu unserem heutigen Overnight Stopp in Nong Khiaw, das direkt an einem großen Fluss liegt. Weil grade erst die Regenzeit vorüber war, hatte das Wasser aufgrund des vielen mitgeschwemmten Drecks eine braune Farbe und sah fast aus wie Schokolade. Der Bus brachte uns zur nahe gelegenen Pathok Cave, wo wir ein wenig Geschichtsunterricht bekamen. Zu Zeiten des Vietnamkriegs lebten mehr als 300 Leute in dieser Höhle und suchten Zuflucht vor dem Bombenregen.

Pathok Cave, Nong Khiaw

Da auf jede Bewegung am Boden, ob Tier oder Mensch, mit Clusterbomben reagiert wurde, konnten die Menschen nur nachts aus ihrem Versteck kommen und mussten deshalb nahezu alles in der Höhle machen. Neben einer Küche gab es auch eine Schule und einen speziellen Ort, an dem sich die Ältesten berieten. Dieses Leben führten sie für mehr als 4 Jahre, bis der Krieg schließlich ein Ende fand.

Nach diesem interessanten Ausflug ging es zurück in die Stadt, wo ich ein Zimmer in einem kleinen günstigen Gästehaus bezog, während die anderen Reisenden die hübschen und teuren Bungalows direkt am Flussufer bevorzugten. Mittlerweile sind meine Ansprüche an eine Unterkunft extrem niedrig geworden und ich brauche eigentlich nur noch einen Platz zum Schlafen – egal wie, egal wo.
Zum Abendessen gingen wir in ein indisches Restaurant und ich zog mich erneut ziemlich früh ins Bett zurück, da uns morgen ein weiteres Abenteuer erwarten wird!

 

14.11.2011

An diesem Morgen stiegen wir nicht wie sonst üblich in den Bus, sondern deponierten nur unsere großen Rucksäcke darin. Stattdessen hüpften wir auf ein Lao Longboat und begannen damit, den braun gefärbten Ou Fluss entlang zu tuckern. In der Früh war es eisig kalt und der auf dem Boot wehende Wind machte die Sache nicht unbedingt besser. Der Himmel und die Berge waren von dicken Nebelschwaden verdeckt, während wir an einer traumhaften Landschaft vorbeifuhren.

Im Laufe des Vormittags lichtete sich der Nebel und es wurde angenehm warm. Wir machten mehrere Toilettenstopps auf einsamen Inseln im Fluss und kamen gegen Mittag an der Stelle an, wo der Ou Fluss in den mächtigen Mekong mündete und sich auch die Pak Ou Caves befanden. Zum ersten Mal seit ich in Laos bin, sah ich dort einen ganzen Haufen Touristen, die hier anscheinend auf Tagestrips aus der nahe gelegenen Stadt Luang Prabang herkamen.

Wir erkundeten mit unserer kleinen Gruppe die Höhlen, wo natürlich auch wieder eine Art Tempel errichtet wurde. Hunderte kleine und große Buddha Statuen standen in allen Ecken und Winkel und die Luft war erfüllt vom Geruch der brennenden Räucherstäbchen. Mittlerweile war es höllisch heiß geworden und die vielen Stufen zur oberen Höhle waren ziemlich anstrengend.

Anschließend ging es zurück aufs Boot und es dauerte noch eine knappe Stunde bis wir in Luang Prabang ankamen, wo wir unser Gepäck aus dem Bus holten und nach ein wenig hin und her unsere Zimmer in einem Gästehaus bekamen. Ich ging auf Erkundungstour, sah mir die Stadt an und lief gegen 5 Uhr auf den Phousi Hügel, wo sich der Phousi Tempel befand und man laut unserer Reiseführerin eine tolle Aussicht auf den Sonnenuntergang haben soll.

Phousi Temple, Luang Prabang

Leider war ich bei weitem nicht der einzige mit diesem Gedanke und fand mich in einem unglaublichen Gedränge aus hunderten Touristen wieder. Der Sonnenuntergang war zwar wunderschön, das drum herum aber nicht so wirklich und so floh ich wenige Minuten nachdem die Sonne hinter den Bergen verschwunden war. Nach einer schönen Dusche im Gästehaus ging es dann mit den anderen aus meiner Gruppe wieder ab in die Stadt, wo wir den schier unendlichen Nachtmarkt entlang spazierten.

Es gab ein köstliches Dinner sowie jede Menge Beerlao und LaoLao (selbstgebrannten Schnaps), wir spielten eine Runde Karten und nahmen uns auf dem Rückweg zum Gästehaus noch einige Leckereien vom Nachtmarkt mit. Da morgen wieder ein anstrengender Tag ansteht, verzog ich mich dann gegen 23 Uhr in mein Zimmerchen.

 

Laos Bergdorf Panorama:

Luang Prabang, Aussicht vom Phousi Tempel Panorama:

 

 

Share

2 Antworten

  1. Chrissie sagt:

    Hi Simon,
    habe bereits letztes Jahr interessiert deinen Neuseeland Blog gelesen und mich dann schliesslich auch für die Reise mit Stray entschieden und es sehr genossen.
    Nun überlege ich auch Thailand, Laos und Vietnam mit Stray zu bereisen.
    Kannst Du es ebenfalls empfehlen? Und wie ist es dort mit Diebstahl? Lohnt es sich eine Spiegelreflexkamera mitzuschleppen oder muss ich mich die ganze Zeit fürchten sie kommt weg? :/

    • Simon sagt:

      Hey Chrissie!
      Hm also speziell bei dieser Reise mit Stray hatten wir unheimlich viele Leute mit großen und teuren Kameras dabei.
      Ich denke auch deshalb weil in Laos Stray einfach das teuerste ist was es für Backpacker gibt und die Kundschaft dementsprechend Geld hat 🙂
      Also solange du alle „normalen“ Sicherheitsregeln beachtest sehe ich kein Problem. Ich hatte ein Notebook dabei, es überall öffentlich benutzt und jeder wusste das ich es hatte und nie wurde irgendein Versuch unternommen es zu stehlen. Ist wahrscheinlich einfach nur Glückssache! Bei einer wirkliche teuren Kamera würde ich aber sowieso den Abschluss einer entsprechenden Reiseversicherung empfehlen.
      Schöne Grüße
      Simon

Kommentar verfassen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.