Neues von der Baustelle: Von Unterspannung bis UV-Strahlung

Die Infrastruktur auf der Finca haben wir über die vergangenen 48 Monate Stück für Stück entwickelt und in Betrieb genommen. Doch noch nicht alles was in der Vergangenheit geplant und vorbereitet wurde, ist bisher zu 100% umgesetzt. Um hier zu Leben ist es aber zum Beispiel auch nicht so relevant, ob in den Wassertanks nun ein Schwimmschalter sitzt und die Pumpe automatisch anwirft, oder ob wir das alle paar Tage manuell machen müssen.

Andere Themen waren da schon drückender, wie zum Beispiel die starken Schwankungen im Stromnetz. Bemerkbar machte sich das in erster Linie durch die extreme Wärmeentwicklung an den Kabeln der Brunnenpumpe, wo eine spezielle Sicherungsbox die Pumpe steuert. Im Prinzip ist der Kasten aber nur ein großer Kondensator mit Ein-/Ausschalter.

Die geschmolzene Steuerbox der Brunnenpumpe

Die Kabel waren für die Leistung der Pumpe korrekt ausgelegt und sollten eigentlich nur handwarm werden, doch die Hitzeentwicklung ging so weit, dass die Isolierung einzelner Drähte in der Steuerungsbox wegschmolz und sich die Kabel sozusagen zusammenschweißten. Der draus resultierende Kurzschluss war dabei noch unser kleinstes Problem.

Ohne irgendeine Ahnung warum die Kabel überhaupt so heiß wurden, besorgten wir uns von einem Bekannten eine Stromzange, um die Spannung und den Stromfluss durch die verbauten Kabel zu messen. Und da wurde das Problem offensichtlich. Anstatt bei 120V zu bleiben, fiel die Spannung bei Betrieb der Pumpe auf unter 80V, was wiederum dazu führte, dass die Stromstärke extrem zunahm.

Bei 30A statt 12A haben die Kabel dann auch allen Grund dazu, ganz unmotiviert wegzuschmilzen. So erklärte sich dann alles, doch das Problem lag offensichtlich am Transformator der Stromfirma und nicht in unserem System. Der Nachbar litt nämlich unter ähnlichen Problemen und nach einem kurzen Anruf bei der Stromfirma, war der Fehler am Trafo wenig später auch schon gefunden und behoben. Es sieht so aus als ob die Brunnenpumpe keinen unmittelbaren Schaden durch den Betrieb mit Unterspannung erlitten hat, denn sie pumpt jetzt mehr Wasser als jemals zuvor.

Auch an den Wassertanks, welche am höchsten Punkt der Finca installiert sind, waren noch einige Details fertigzustellen. Als erstes installierte ich das längst vorbereitete Infrastruktur-Paket, bestehend aus Sicherungskasten, Steckdosen und einem Schaltschrank für die Netzwerktechnik. Die Netzwerkanschlüsse für das Lagerhaus sowie die Hostelgebäude laufen dort zusammen und werden über die Infrastruktur Trasse mit dem Rest der Finca verbunden.

Die Elektroinstallationen am Wassertank

Den Wassertanks selber fehlte es auch noch an essentieller Technik, denn das dort lagernde Wasser sollte in irgendeiner Form behandelt werden. Von der Idee, permanent Chlor zuzugeben, wie es in Panama eigentlich üblich ist, waren wir aber nicht begeistert. Der ekelhafte Schwimmbadgeruch hat in unserer Küche und in unserem Badezimmer nichts zu suchen. Ganz zu schweigen davon, dass wir in erster Linie natürlich das Brunnenwasser trinken.

Bisher behelfen wir uns mit einem kleinen Wasserfilter in der Küche, der eventuelle Bakterien und Schwebstoffe aus dem Trinkwasser filtert. Lösung für den Tank ist das aber keine, denn das Wasser sollte eigentlich dort schon behandelt und gereinigt werden. Was tun? Nach ein wenig recherchieren bin ich auf eine interessante Lampe gestoßen, die sowohl UV-Strahlen als auch Ozon produziert.

Während die UV-Strahlen eine keimtötende Wirkung haben und mehrere Meter tief ins Wasser vordringen können, desinfiziert die Ozonierung der Luft effektiv alle Oberflächen. Das Verfahren entspricht dem aktuellen Stand der Technik, wird auch in Österreich weitestgehend verwendet und sollte demnach auch für uns hier in Panama gut genug sein. Die in den USA bestellten Lampen kamen dann mit einigen Verzögerungen an, doch schienen sie für unseren Einsatzzweck geradezu ideal.

Kabel zu löten ist eleganter als Schraubklemmen zu verwenden

Das erste Mal in meinem Leben, verwendete ich dann einen Lötkolben so, wie man ihn eigentlich verwendet. Dunkel erinnere ich mich noch an die elterliche Werkstatt, wo ich den Lötkolben damals missbrauchte um lustige Muster in Styropor zu brennen, Holz zu verkoken oder sonst irgendeinen Blödsinn zu machen. Wofür wir diesen Lötkolben überhaupt besessen haben weiß ich bis heute nicht, denn meinen Vater habe ich damit nie arbeiten sehen.

Naja, jedenfalls montierte ich jeweils eine Lampe pro Tank und verkabelte alles mit einer Zeitschaltuhr, die von nun an unsere Wasserreinigung steuern wird. Ein paar Minuten Bestrahlung pro Tag sollten ausreichen, um die Tanks und das darin befindliche Wasser effektiv sauber zu halten. Um auch das Leitungsnetz zu reinigen, werden wir das System aber zusätzlich alle paar Monate mit Chlor durchspülen müssen.

UV-Lampe in einem der Wassertanks

Um die Funktion der Lampe sicherzustellen, werden wir nun mehrere Wasserproben des gereinigten bzw. ungereinigten Brunnenwassers, in einem Labor untersuchen lassen. Für den Brunnen selber fehlt uns genau genommen auch noch die Konzession, die wir nach positivem Abschluss einer hydrologischen Studie, welche bereits seit einigen Monaten in Arbeit ist, erhalten werden.

Während es für den reinen Privatgebrauch weder eine Studie noch eine Konzession für einen Brunnen braucht, sind bei kommerzieller Nutzung eben diese Papiere vorgeschrieben. Da wir neben dem Hostel die Wasserinfrastruktur ja auch gemeinschaftlich mit den anderen Parteien nutzen werden, sie sozusagen gemeinsam finanzieren und betreiben wollen, gab es da keinen Weg dran vorbei.

Doch wir sind es gewohnt durch brennende Reifen zu hüpfen und werden auch dieses Papier noch einholen. An der eigentlichen Funktion der Infrastruktur ändert das natürlich nichts, zumal wir hier zurzeit sowieso rein Privat wohnen. Ja, und bis auf den anfangs erwähnten Schwimmschalter, ist unsere Wasserversorgung nun so ziemlich fertig. Wäre da nicht noch die geplante Überdachung der Wassertanks, die wir momentan noch ein wenig vor uns herschieben.

Zu viele andere Arbeiten stehen noch an, von denen ich euch gerne im nächsten Beitrag berichten werde. Bis dann!

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