Lokalaugenschein auf der Finca Bayano

Es war ein schöner Tag im Mai 2016,  ich saß in Garnadera auf der Terrasse von Stefan Mudry. Schließlich war die Zeit gekommen, um mit Stefan die Finca Bayano zu besichtigen. Wir drehten einige Runden mit dem Jeep durch das hügelige Gelände, stiegen hier und da aus, um uns ein bisschen umzusehen. Auf der Website der Finca Bayano sieht man den Grundstücksplan, ein großer Teil der Grundstücke ist bereits verkauft. Dazu kann ein wenig Historie nicht schaden: Ich glaube Stefan startete das Projekt 2010 zusammen mit einer Hand voll anderer Abenteurer, unter einem anderen Namen. Damals ursprünglich mit dem Ziel, das Projekt bis Ende 2012 fertigzustellen. 

Aus unterschiedlichen Gründen mussten aber alle ehemaligen Partner wieder die Heimkehr antreten. Nun ist Stefan hier alleine mit Sohn Marlon und versucht alles irgendwie auf die Beine zu stellen. Das über 30 Hektar große Gelände diente früher als Rinderfarm, wurde fast vollständig abgeholzt und ist bzw. war in dementsprechend schlechtem Zustand. Seit Jahren versucht Stefan mit großem Aufwand den Boden wieder fruchtbar zu machen. Aufgrund des sehr steinigen Geländes, wird es für den großflächigen Anbau von Obst und Gemüse aber noch ein weiter Weg sein. Die großen Steine müssen mit dem Bagger bewegt werden, kleinere können von Arbeitern händisch entfernt werden.

Ein paar Steinchen

Steiniges Gelände

Die Gegend ist ziemlich hübsch, das Klima gut erträglich, also im Grunde eigentlich ein toller Ort. Das ländliche Panama bietet eine schöne Natur, aber nicht viele Annehmlichkeiten. Die nächste Bank oder Tankstelle, einen Supermarkt oder ein Krankenhaus, findet man erst im 40km entferten Sona. Die nächste größere Stadt ist Santiago und liegt rund 90km entfernt. Das ist alles okay und im üblichen Rahmen, so richtig stören tut hier eigentlich nur die fehlende Wasser- und Stromanbindung auf den einzelnen Grundstücken.

finca-panorama

Panorama

Dass bis heute keine Infrastruktur verlegt ist, hat natürlich seine Gründe. Diverse Verzögerungen und Schwierigkeiten mit den behördlichen Eintragungen, haben eine Erschließung der Grundstücke bisher verhindert. Aus demselben Grund konnten bis dato auch noch keine Grundbucheinträge gemacht werden. In Panama kann man aber auch ohne Grundbucheintrag Land kaufen und verkaufen, grundsätzlich ist das also kein Problem. Laut meinen Informationen ist die Finca mittlerweile auch komplett im Register eingetragen, und die ersten Grundbucheinträge für die Käufer sollen Mitte 2017 fertig werden.

Ein oft gehörter Kritikpunkt an der Finca Bayano, ist der mit $35 pro Quadratmeter doch recht hohe Preis, für die Baugrundstücke. Dabei muss man viel bedenken. Auf den ersten Blick ist das fortgeschrittene Alter des Projekts, in Kombination mit den wenig bis gar nicht sichtbaren Erfolgen, auch durchaus problematisch. Was man nicht sieht, ist die jahrelange und mühevolle Arbeit, für die Verbesserung des Bodens, die Bepflanzung des Landes, das Anlegen der Straßen, und so weiter. Viele Werkzeuge und Maschinen wurden gekauft, ja sogar ein eigener Bagger angeschafft. Mehr als ein Dutzend Arbeiter werden seit Jahren bezahlt. Das läppert sich dann schon ordentlich zusammen. Und ganz so einfach und schnell funktioniert das alles eben auch nicht. Richtig gut sehen kann man die Veränderungen übrigens auf Google Earth. Einfach mal zur Finca navigieren und die Zeit ein paar Jahre zurückdrehen.

Es gibt auch schöne Ecken auf der Finca Bayano

Eine schöne Ecke auf der Finca Bayano

 

Was noch ein wenig stört, ist die mangelnde Transparenz, wenn es um die endgültige Fertigstellung der Infrastruktur geht. Beim persönlichen Gespräch mit Stefan erfährt man zwar alle nötigen Details, ich denke auch nicht das er irgendwas verheimlicht, aber er könnte das auch offen und für alle sichtbar auf seiner Seite veröffentlichen. Wäre vielleicht einfacher? Ich weiß es nicht. 

Um es mal ganz klar zu sagen: Ich halte Stefan nicht für einen Betrüger. Das was er da macht, macht er wirklich aus vollem Herzen und mit hohem Einsatz. So hoch, dass er sich seit Jahren eigentlich permanent nur um die Finca Bayano, anstatt um seinen 16-jährigen Sohn Marlon, kümmert. Die Besucher bzw. Interessenten der Finca, dürfen während ihres Aufenthalts in Panama, gemeinsam mit Stefan und Marlon im großen, ehemaligen Schulheim, wohnen. Das Haus ist übrigens kein Hotel, es gibt keinen Swimming Pool und auch keine Zimmermädchen! Dass es dort hin und wieder familiäre Probleme gibt, sollte eigentlich auch für niemanden eine Überraschung sein. So sind sie halt die Teenaager.

Was mich dabei gewaltig stört, sind eben die vielen Kommentare im Netz, die private Details und familiäre Probleme in den Mittelpunkt stellen. Auch hier wurden schon solche Kommentare hinterlassen, die ich natürlich gleich wieder entfernt habe. Man sollte schon so fair bleiben und wenigstens über die Finca schreiben, anstatt über das Privatleben anderer Leute. Falls jemand weitere Informationen, Meinungen oder Erfahrungsberichte über die Finca Bayano veröffentlichen will: Bitte her damit! Wilde Behauptungen und Drohungen hingegen, könnt ihr auf Facebook posten, aber nicht hier!

Finde den Müll

Finde den Müll

Vielleicht noch ein paar Worte zum Dorf Garnadera, in dem sich die Finca befindet. Panama ist grundsätzlich dreckiger als man das von zu Hause kennt, es ist auch nicht alles so schön ordentlich, aber was dort so abgeht, fällt wohl auch in Panama aus der Norm. Überall liegt Müll herum, ich habe glaub ich kein einziges müll-freies Bild von diesem Dorf. 

Die Menschen selber sehen auch nicht unbedingt besser aus. Als wir eines frühen Nachmittags zum „Laden“ spaziert sind, haben wir auf dem Weg dorthin eine Alkoholleiche im Graben neben der Straße liegen sehen. Bei einem Grillfest mit den Nachbaren wo wir eingeladen wurden, ich aber in weiser Voraussicht nicht dabei war, zündete der Gastgeber wohl mit Plastikmüll und Benzin den Grill an. Mahlzeit.

Ich denke das alles liegt mehr oder weniger an fehlender Bildung. Die Menschen verstehen einfach nicht den Unterschied zwischen den traditionellen Verpackungen wie Bananenblättern, Bambus und Co., und modernen Kunststoffverpackungen. Irgendwann werden sie in einem riesigen Müllberg aufwachen…

Die Gesellschaft der anderen Gäste auf der Finca war hingegen wirklich angenehm, eine willkommene Überraschung so viele Freidenker an einem Ort versammelt zu haben. Das muss man dem Stefan sehr zugutehalten, er schafft es durchaus die richtigen Leute für sein Vorhaben anzuziehen. Von daher stehen die Chancen gar nicht schlecht, dass es eines Tages alles fertig wird. 

 

Nachtrag Februar 2017: Ich ziehe nach Panama!
Aus diversen Gründen habe ich mich gemeinsam mit Sven und Lisa dafür entschieden, eine andere Gegend von Panama als neue Heimat zu wählen. Den detaillierten Bericht dazu gibt es hier: Überraschung, ich ziehe nach Panama! 

Nachtrag Oktober 2017: Grundstücke zu verkaufen!
Wie es der Zufall will haben wir ein zu großes Grundstück gekauft, mittlerweile viele Interessante Leute kennengelernt, und sind mehr oder weniger dabei, eine Auswanderergemeinschaft in Santa Fe zu gründen. Noch gibt es freie Plätze!

 

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5 Antworten

  1. wessi1111 sagt:

    Hallo Simon,
    mit deiner aktuellen Überarbeitung hast du schon ein paar der Gedanken, die ich jetzt hier geschrieben hätte, mit eingearbeitet. So entspricht das sehr viel mehr dem Bild, dass ich von der Finca Bayano kenne.
    Du schreibst, das Klima ist gut erträglich. Das kann ich nur bestätigen. Im von den Amerikanern so beliebten Boquete ist in der Trockenzeit zeitweise total windig und damit gefühlt zu kalt. Wer am Ende der Trockenzeit mal in Las Lajas / Chiriqui war, weiß, was Hitze ist. Und auch in Santa Fe, was etwa auf der gleichen Höhe wie Boquete liegt, war es letztes Jahr zum Ende der Trockenzeit trotz der Hochlage erstaunlich heiß. Auf der Finca Bayano hat man da eher „Mittelmaß“.
    Der nächste Supermarkt ist im 7 km entfernten Las Palmas, der Rest wie von dir beschrieben, in Soná. Die Grundstückspreise beinhalten Infrastruktur und Erschließungskosten, dadurch kann man sie nicht ohne weiteres mit einem „nackten“ Grundstück vergleichen. Danke übrigens für den Hinweis, dass man sich auf Google Earth das Gebiet zu unterschiedlichen Zeitpunkten anschauen kann, da sieht man wirklich die Fortschritte.
    Das mit dem Müll ist mir so gar nicht aufgefallen, da in Panama von wenigen Ausnahmen abgesehen, überall Müll rumliegt. Ein positive Ausnahme ist El Valle de Anton, die andere: in Las Lajas wird seit einiger Zeit nach dem Wochenende der Müll am Strand zusammengesucht. Ich hatte mal das zweifelhafte Vergnügen, in der Nähe von Chitré an einer Müllhalde vorbeizufahren, so weit man schauen kann herumfliegende Plastetüten.Es wird noch sehr lange dauern, bis die Leute sowas wie Umweltbewusstsein entwickeln, aber zumindest in der Schule ist das ein Thema des Lehrplans. Es ist auch nicht gerade hilfreich, dass einem im Supermarkt jede noch so kleine Kleinigkeit in eine Tüte eingepackt wird. Das ist in Europa eine der wenigen sinnvollen Vorteile der Brüsseler Regulierungswut, wenn ich auch den Eindruck habe, dass die Läden das als willkommene Gelegenheit zum zusätzlichen Abkassieren für die kostenpflichtigen Tüten sieht. Aber es ist wie so oft, wer zu faul ist, Stoffbeutel von zu Hause mitzunehmen, muss blechen. Und da solche Leute meistens auch zu faul sind, die Kosten für solche kostenpflichtigen Tüten mal aufs Jahr hochzurechnen, merken sie auch nicht, wieviel Geld sie da zum Fenster rausschmeißen.
    Ich wünsche dir alles Gute in der neuen Heimat
    Wessi

  2. Der Anwalt sagt:

    Wieso wurde der krasse Erfahrungsbericht gelöscht!?
    Veröffentlichen! Damit die Leute wissen was sie erwartet..

    • Simon sagt:

      Hallo Mr. Inkognito! Deinen Beitrag musste ich leider entfernen, da er voller wilder Behauptungen und Drohungen war, und in keiner Weise irgendwas konstruktives beigetragen hat. LG Simon

  3. Nori sagt:

    Hallo Simon,
    danke für deinen Bericht und das Panoramafoto im Hintergrund.

    ich habe mir in den vergangenen Jahren einige Luftschlösser angeschaut.
    Bspwse.besuchte ich vor einem Jahr Martin Woodtlis Alzheimerzentrum in der Nähe von Chiang Mai
    sowie ein Schweizer Ehepaar die dort ein Ressort für Senioren am aufbauen sind.
    Auf den Philippinen konnte ich ein Nursing Home für Alzheimer Patienten auf selbsternanntem „Weltklasseniveau“ besichtigen.

    Personen die ernsthaft in einem anderen Land Leben und Arbeiten wollen,habe ich bislang keine getroffen.Spätestens bei der Finanzierung eines Projektes und allerspätestens bei einer
    sich ankündigenden fünfundsechzig Stunden Woche wurde der „Traum“ begraben.

    Mein persönliches Fazit: Ich bin in Deutschland sozialisiert und bleibe voraussichtlich,
    trotz größer werdenden Widrigkeiten,hier.

  4. Michael sagt:

    Eine ähnliche Konklusio hatte auch ein Reporter der vor Ort war:
    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama_die_reporter/Raus-aus-Deutschland,sendung574688.html

    Ab und an sind auch Berichte im Fernsehen glaubwürdig, nicht für Alle, aber für Manche. 😉

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