Der lange Weg zur Finca Bayano

Mai 2016

Nach fünf Tagen alleine in Panama City, menschlicher Kontakt durch mangelnde Sprachkenntnisse reduziert auf das Mindestmaß, war es soweit. Stefan, der Besitzer der Finca Bayano, musste zufällig einige Dinge in der Stadt erledigen und erklärte sich bereit, mich auf dem Rückweg mit auf die Finca zu nehmen. Tja, die Finca Bayano ist ein Schlüsselelement meiner Panamareise, sozusagen der ausschlaggebende Grund warum es mich überhaupt in diese Ecke der Welt verschlagen hat.

Lasst euch nicht von den düsteren Aussichten auf Stefans Webseite erschrecken. Im Grunde stimme ich ihm ja in vielen Dingen zu, aber man kann die Sachen auch pessimistisch sehen. Im Prinzip bin und war ich aber schon immer ein Optimist. Interessant finde ich Stefans Projekt offensichtlich trotzdem. Aber bevor wir aufs Land fuhren sind wir erst mal einen Tag kreuz und quer durch die Stadt gefahren.

Zündkerzen für eine Maschine haben wir gesucht. Nach fünf oder sechs Geschäften gaben wir schließlich auf. Tja, die Nachteile von Panama sind schon ziemlich offensichtlich. Die schlechte Ersatzteilverfügbarkeit gehört da auf jeden Fall dazu. Einen staatlichen Tür-zu-Tür Post- oder Paketservice gibt es übrigens nicht wirklich. Viele Häuser haben ja nicht mal eine Postadresse mit Hausnummer und so. Sowas brauchen die Leute hier offensichtlich nicht. Tja, E-Commerce scheint noch nicht angekommen zu sein. Deshalb muss man sich auch alles irgendwie zusammen suchen anstatt es gemütlich online zu bestellen.

Okay der nächste Tag war gekommen, es war der Anfang eines langen Wochenendes und bald würde das ganze Land unterwegs sein. Deshalb haben wir uns noch vor 6 Uhr morgens auf den Weg gemacht und folgten dem Panamerican Highway für rund 300km nach Westen bis nach Santiago de Veraguas. In der 50.000 Einwohner Stadt ging es ab in einen Baumarkt, noch schnell ein bisschen Holz und Werkzeug für ein anstehendes Projekt gekauft. Woanders holten wir noch einige Teile für Stefans Bagger und dann ging es ab in die Provinz.

Nochmal 50km später waren wir in Soná angekommen, ein kleines Städtchen und das letzte Stück Zivilisation vor der Ankunft auf der Finca. Hier besorgten wir säckeweise Lebensmittel, stopften das Auto voll und freuten uns, nur noch rund 40km vor uns zu haben. Die Straßen wurden immer kleiner und kurviger, die Landschaft hügelig, grün und irgendwie idyllisch. Die letzten paar Kilometer ging es über eine holprige unbefestigte Straße. Schließlich waren wir in Garnadera angekommen.

In diesem abgelegenen Dorf leben ungefähr 300 Menschen. Hier hat Stefan vor einigen Jahren ein 30 Hektar großes Grundstück gekauft und ist seitdem damit beschäftigt, es zu seiner Finca Bayano umzuwandeln. Mangels Strom- und Wasserversorgung konnte dort bisher kein Haus gebaut werden. Um seine Gäste unterzubringen hat er deshalb nur wenige hundert Meter vom Eingang zur Finca ein ehemaliges Schulheim gekauft. In diesem großen Haus gibt es viele leere Zimmer und reichlich Platz.

Und den Platz haben wir auch gebraucht, denn neben Stefan, seinem Sohn Marlon und mir, wurden noch weitere Gäste erwartet. Kurz nach unserer Ankunft beim Haus trafen Inge und Hugo ein. Ein älteres Ehepärchen aus Deutschland, ebenfalls interessiert an der Finca Bayano. Als es bereits dunkel wurde tauchten dann noch Sven, Lisa und klein Louis mit ihrem Mietwagen auf.

Die insgesamt sechs Gäste überforderten die Gastgeber spürbar, es war ein ziemliches Chaos beim Kochen und Essen. Augenscheinlich war die einzige Person die sich in der Küche auskannte Stefans Putzfrau, denn er selber wusste nicht mal wo die Gabeln zu finden sind. Da die gute Frau nicht da war, organisierte Sohn Marlon ein Abendessen auf den Stufen vor dem Haus. Die Stimmung war ziemlich gereizt, Stefan zeigte sich nicht unbedingt von einer guten Seite.

Dazu kam eine Insektenplage ungekannten Ausmaßes. Und das sage ich nicht nur so, denn es erinnerte beinahe an eine biblische Plage. Schwarze Käfer in der Größe eines Golfballes flogen zu dutzenden durch die Zimmer, angezogen durch das Licht außerdem tausende winzig kleine Käfer einfach überall. Der Boden war stellenweise schwarz vor lauter Insekten. An den Fenstern war kein Insektenschutz angebracht, die bereitgestellten Betten und Zimmer waren dementsprechend abenteuerlich.

Abgehärtet von meinen vielen Reisen machte mir das nicht viel aus, einige der anderen Abenteurer wollten aber zeitweise in ihrem Auto übernachten. Am Ende wurde doch noch alles gut, und als wir feststellten, dass die vielen Flecken auf dem Bettzeug nicht frisch waren, sondern sich mit dem kalten Wasser in der Waschmaschine einfach nicht so leicht entfernen ließen, schien auch das kein Problem mehr zu sein.

In dem Sinne, gute Nacht und bis zum nächsten Beitrag!

 

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