La Vida Loca: Kuriositäten aus Panama

Es sind nur noch wenige Wochen, bis mein erstes ganzes Jahr in Panama vorbei ist. Auf kluge Sprüche habe ich diesmal keine Lust, aber es ist mal an der Zeit, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern. Zu viele Geschichtchen sind bisher unerwähnt geblieben und mittlerweile haben sich schon so einige Kuriositäten angesammelt. Und damit es nicht allzu langweilig wird, fangen wir am besten gleich mit dem Paarungsverhalten an.

Die Panamesen sind in dieser Hinsicht ein ziemlich schizophrenes Volk. Während sich in der Öffentlichkeit jeder immer schön brav religiös und enthaltsam gibt, findet man in der Realität kaum eine 20-Jährige, die nicht schon drei Kinder von ebenso vielen Männern hat. Die für Latinos typische, sehr offensive Art zu flirten, bzw. sexuelles Interesse kundzutun, hat aber durchaus auch ungekannte Seiten.

Wenn man eine Frau toll findet, aber nicht will das gleich die ganze Bar oder Disco Bescheid weiß, gibt es dafür eine sehr diskrete Lösung. Man begrüßt die Dame mit einem Handschlag, und kitzelt sie währenddessen mit dem Zeigefinger an der Innenseite ihrer Handfläche. Die Verehrte ist somit informiert über die Paarungswilligkeit ihres Gegenübers, und kann sich bei Interesse diskret in Verbindung setzen. Ausprobiert habe ich das noch nicht, doch die Zeit dafür kommt bestimmt noch.

o.b.-Tampons sind übrigens böse, denn sie berauben ihre Trägerin um deren Jungfräulichkeit. String-Tangas oder andere Reizwäsche sind auch ein Tabu, und finden höchstens zu speziellen Anlässen Verwendung. Da die durchschnittliche panamesische Familie im besten Fall sowieso alle gemeinsam in einem Raum schlafen, ist das aber auch nicht so wichtig. Wenn Mama und Papa mal ungestört sein wollen, gibt es dafür spezielle Örtlichkeiten, nämlich sogenannte Push Button Motels, mit wohlklingenden Namen wie Campo Amor oder Paraíso.

Diese speziellen Stundenhotels sind üblicherweise versteckt hintern hohen Mauern, und bieten oft dutzende einzelne Garagen, über die man direkt ein Zimmer erreichen kann. Bei der Ankunft reicht ein Druck auf den Knopf, daher auch der Name. Dass man im Auto mit getönten Scheiben dabei völlig anonym und diskret ein- und ausfahren kann (ja, im doppelten Sinne), ist dabei ein zusätzlicher Nutzen. Denn wie uns (und besonders Lisa) immer wieder mitgeteilt wird, ist ein monogames Liebesleben selbst in einer Ehe eher unüblich.

So, und um jetzt noch irgendwie die Kurve zu kriegen und wegzukommen von den schlüpfrigen Themen, gehen wir am besten direkt über zum Lächerlichen. Wenn man in Panama Schluckauf hat, legt man ein Streichholz hinters Ohr. Dann geht er weg. Wenn Bobby abends wieder mal Amok läuft und in die Nacht hinaus bellt, dann sind das Hexen, die aus den Bergen kommen. Bevorzugt natürlich bei Vollmond.

Im Regen sollte man nicht im Fluss schwimmen gehen, das leuchtet sogar uns Gringos ein. Und wenn es bewölkt ist, besteht ja immerhin die Möglichkeit eines baldigen Niederschlags. Nach einem Tag harter Arbeit bei prallem Sonnenschein, ist schwimmen auch böse, denn zu viel Abkühlung ist wohl ungesund. Die Frage bleibt, wann genau es denn sicher ist, in den kühlen Rio Santa Maria zu hüpfen.

Beim Thema Gesundheit angekommen, muss auf jeden Fall die auffällig hohe Affinität zu Antibiotika, Cortison und anderen starken Medikamenten erwähnt sein. Bei Rotznase und Husten: Antibiotika. Bei einer (zuzugeben etwas größeren) Schürfwunde: Antibiotika. Bei Ausschlag: Cortison. Alles natürlich rezeptfrei verkäuflich. Die Liste könnte noch weitergehen, doch ich denke ihr versteht was ich meine.

Als ich mal Halsschmerzen und Schnupfen hatte, sollte ich gleich sofort irgendwelche Medikamente nehmen. Dass Zitronensaft mit Salz und Pfeffer die Entzündung im Hals auch abtöten kann, sollten eigentlich insbesondere diese Leute hier wissen. Aber wenn man ihre Ratschläge ablehnt ist es immer dasselbe: Sie sind für mehr oder weniger lange Zeit beleidigt und total eingeschnappt. Irgendwie süß, wie ein dreijähriges Kind.

Auch die Streitkultur ist hier ein wenig anders. In der Öffentlichkeit ist es schon ein No-Go, überhaupt die Stimme zu erheben. Schimpfen tun die Panamesen untereinander nur zu Hause bei geschlossener Türe. Dass die Nachbarschaft im Umkreis von 50 Meter jedes Wort hören kann, ist dabei nebensächlich, denn schließlich ist man zu Hause. Und wehe wehe ich habe schlechte Laune und man nervt mich zum hundertsten Mal mit einer dämlichen Frage, und ich wage es mal ein wenig anzugasen…unvorstellbar.

Doch wie habe ich schon beim letzten Mal gesagt: Die Panamesen haben sich mittlerweile recht gut an mich gewöhnt. Und das ist auch ratsam, denn so schnell werde ich mich hier wohl nicht verabschieden. In diesem Sinne, bis zum nächsten Beitrag!

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1 Antwort

  1. Michael Hinterauer sagt:

    Wohl auf, pack die Badehose ein, bald hast du selbst viele Räume frei und kannst sie mit 20jährigen und ihren 4. Kindern füllen. Du wirst einen wertvollen Beitrag zum Wachstum der durchschnittlichen Körpergröße der Panamesen leisten.

    Allerdings hättest du besser einen Wohnwagenpark geplant, dann könntest du bei Bedarf einfacher weiterziehen.

    🙂

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