Kuppeln mit Hürden

Juli 2017

Ich liege in der Hängematte, das Notebook auf dem Schoß, der Himmel ist bewölkt, die Temperatur recht angenehm. In den Ohren stecken meine langbewährten Hansaplast Ohrstöpsel. So kann ich auch bei größtem Lärm noch klare Gedanken fassen und ein wenig davon niederschreiben. Einzig der Duft von Metall in der Luft irritiert ein bisschen.

Sven hat wieder mal die Flex angemacht und ist damit beschäftigt, diverse Metallteile zurechtzuschneiden. Der ehemals grüne Rasen ist voller kahler Stellen, Brandspuren und Metallresten. Grade eben fängt es wieder an zu regnen. Die Flex geht aus. Schließlich haben wir keine Werkstatt und sämtliche Arbeiten müssen auf der Terrasse und im Garten vor dem Haus erledigt werden. Nachteile hat das viele. Das Arbeiten auf dem unebenen Betonboden ist weder bequem noch sonderlich effizient. Der matschige Rasen eigentlich auch nicht. Eine andere Wahl haben wir derzeit nicht.

Das Stromnetz hier in Panama ist ebenfalls äußerst dürftig. Amerikanische Technik halt. Für den Betrieb einer normalen Bohrmaschine oder kleinen Flex reicht die standardmäßige 15 Ampere Sicherung bei 120V grade mal so. Alles was größer ist braucht spezielle Steckdosen oder eben gleich einen speziellen Stromanschluss. Steckdosen und Adapter geschmolzen haben wir trotzdem schon so einige. Nichts geht über den Duft von verschmortem Plastik.

Vom letzten Besuch in Panama Stadt haben wir ein spezielles und sauteures Schweißgerät mitgebracht. Irgendwas mit TIG und Schutzgas. Ich versteh davon nicht viel, anscheinend braucht Sven das Ding halt für alles Mögliche. Je nachdem was man damit schweißen will, zieht die Maschine aber mehr Strom als der Stromkasten am Mietshaus hergeben kann.

Da wir auf dem Grundstück noch gar keinen Strom haben, auf der Baustelle aber eine Menge davon brauchen werden, haben wir uns schon vor ein paar Wochen einen 6kW Generator auf Lager gelegt. Für das Schweißgerät eigentlich ausreichend, doch einen passenden Stecker hatten wir trotz Adapter-Sammlung nicht im Sortiment. Mit zum tollen amerikanischen Stromnetz gehören hier nämlich die zahlreichen NEMA-Steckertypen. Blöd sowas. Das passiert wohl, wenn man mit Technologie des 19. Jahrhunderts versucht, moderne Geräte zu betreiben.

Ein passender Adapter war nicht verfügbar, also mussten wir in Eigenregie eine Lösung finden. Mit einer gekauften Dose und einem Stecker, sowie drei zu einem langen Zopf verflochtenen 8mm² Kabel, bastelten Lisa und ich einen improvisierten Verlängerungsadapter. Sieht witzig aus und funktioniert sogar einwandfrei.

Okay, die Maschinen hätten wir also, den Strom nun auch. Fehlt nur noch das Material. Und das muss man hier kaufen, bei Geschäften in Panama und bei Leuten die in der Regel nur Spanisch sprechen. Mit überschaubaren Sprachkenntnissen ist das eh schon abenteuerlich. Dazu kommt, dass wir die Geschäfte nicht kennen und eigentlich Stück für Stück rausfinden müssen, bei wem wir was, in welchen Mengen und zu welchen Preisen bekommen können. Die Distanzen sind teilweise enorm.

Nach Santa Fe sind es wenige Kilometer. Die Lebensmittel sind hier oft günstiger, doch Materialien und Werkzeuge gibt es nur wenige und zu tendenziell höheren Preisen als im 60km entfernten Santiago. Die Fahrt dorthin dauert bei guten Bedingungen etwas über eine Stunde. Selbst wenn man nur eine Schraube kaufen will, ist der halbe Tag eigentlich schon verloren. Wenn man, wie wir, seitenlange Listen mit Materialien und Werkzeugen abzuarbeiten hat, kann das viele Tage dauern.

Zahlreiche Geschäfte sind auch nicht direkt in Santiago, sondern nochmal 30km oder 60km außerhalb. Kürzlich waren wir auch bei einem Metallgroßhändler. Es dauerte zwei Stunden ehe wir ein Angebot mit drei Positionen auf dem Tisch hatten. Sehr zäh das alles. Und dann auch noch der Transport bis nach Santa Fe. Mit 6 Meter Stahl auf dem Dach braucht man für die Strecke gut und gerne doppelt so lange. Eine Lieferung durch den Verkäufer ist teuer oder oft gar nicht möglich.

Tja ihr seht schon, so einfach ist das alles nicht. Es war eine Menge messen, planen, suchen, verhandeln, ärgern, einkaufen, flexen, fluchen, schweißen und lackieren. Doch jetzt hängt sie da, die wahrscheinlich schönste Anhängerkupplung von Panama.

Die Kupplung hat Sven wohlgemerkt mit vier dicken Schrauben an den Rahmen geschraubt. Ganz im Gegensatz zu den Panamesen, die mit Vorliebe alles Mögliche an ihr Auto schweißen. Aber das ist ein anderes Thema. Vom bereits im Bau befindlichen Anhänger werde ich euch in einem weiteren Beitrag berichten. Bis dann!

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