Hidden Jakarta Tour: Batavia und die Höhle

21.10.2015

Mittlerweile ist es dunkel, ich bin im 31. Stock des Best Western Mangga Dua Hotels in Jakarta, eines der höchsten Gebäude in der Gegend. Eine ziemlich untypische Unterkunft für mich, doch der Kontrast zum morgigen Tagesprogramm wird dadurch umso gigantischer.

Es wird mein letzter Tag in Indonesien sein, mein einziger Tag in der Megastadt. Jakarta ist die zweitgrößte Ballungsregion der Erde und beherbergt mit 30 Millionen (offiziellen) Einwohnern mehr als 3 ½ Mal so viele Menschen wie ganz Österreich. Die Bevölkerung ist sehr vielfältig, in Jakarta leben Menschen malaiischer, arabischer, indischer, niederländischer und chinesischer Abstammung.

Im Prinzip ist Jakarta aber ein mehr als 7000km² großes, stinkendes, verseuchtes, in Smog gehülltes und betonverschandeltes Stückchen Erde. Soll jetzt nicht böse klingen, ist eben mein subjektiver Eindruck hier. Dass es keine touristische Tour buchen werde war mir von Anfang an klar, deshalb war die Hidden Jakarta Tour eine der wenigen Aktivitäten, die ich bereits vor Monaten zu Hause gebucht und fixiert hatte.

Ich werde mir morgen also eine Seite von Jakarta ansehen, die man als normaler Tourist nicht zu Gesicht bekommt. Außerdem seid gewarnt: ich werde nicht Drumherum kommen in den folgenden Zeilen auch ein wenig politisch zu werden.

 

22.10.2015

Am späten Vormittag machte ich mich auf den Weg in den alten Stadtkern von Jakarta, der im 17. Jahrhundert von den Holländern unter dem Namen Batavia errichtet wurde. Im bekannten Cafe Batavia, mitten in einem 200 Jahre alten Gebäude direkt am ehemaligen Batavia Stadtplatz, traf ich dann meinen Gruppenleiter Ronny Poluan. Gruppe ist gut gesagt, denn ich habe die Tour mangels anderer Interessenten für mich alleine gebucht.

Ronny und ich am Batavia Platz

Ronny und ich am Batavia Platz

Bei einer Tasse Tee lernten wir uns gemütlich kennen. Ich muss sagen ein bewundernswerter Mensch. Seit vielen Jahren arbeitet er zusammen mit seiner Frau und wenigen Helfern daran, die Lebensbedingungen der Menschen in Jakarta abseits von großen Einkaufszentren und Apartmentgebäuden aufzuzeigen und zu verbessern. Bereits 2009 schaffte er es in die Schlagzeilen bei CNN. Zum Guten geändert hat sich seitdem aber recht wenig.

Weil es Ende September grade aktuell war, als die Vereinten Nationen ihre großen und tollen Erfolge und neuen Ziele für eine bessere Welt präsentierten, machte ich gleich mal die offizielle Definition von Armut zum Thema. Nach Maßgaben der Weltbank gilt man nämlich nur als arm, wenn man weniger als 1,25 Dollar am Tag zum Leben zur Verfügung hat.

Gleichermaßen waren wir entsetzt von dieser Augenwischerei, dem dreisten Versuch uns darüber hinwegzutäuschen, das sich auf diesem Gebiet seit Jahren rein gar nichts zum Guten geändert hat. Aber hey Staaten und Banken sind systemrelevant, doch nicht die Menschen. Man könnte sagen wir waren politisch auf derselben Linie.

Aussicht vom Museum auf den Batavia Platz

Aussicht vom Museum auf den Batavia Platz

Nach dem Tee ging es schließlich raus zum Batavia Stadtplatz, wo alle Zugänge vom Militär kontrolliert wurden. Anscheinend wird heute irgendein Prinz erwartet, weshalb die Sicherheitsmaßnahmen erhöht wurden. Wir konnten allerdings ungehindert das Batavia Museum besuchen, welches sich der Geschichte des alten Jakartas widmet. Sammlungen von alten Waffen, Möbeln, Stadtkarten und anderen Relikten der Kolonialzeit konnte ich dort bestaunen.

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Die Höhle

Eine prunkvolle Einleitung für den nun unmittelbar bevorstehenden Besuch in den Slums. Wir verließen den Batavia Platz Richtung Norden und legten einige hundert Meter mit einem der kleinen Minibusse zurück. Unweit der Kreuzung zur Hauptstraße, wo die vollbeladenen Touristenbusse Richtung Hafen vorbeifahren, krochen wir in ein dunkles Loch. Die Bewohner dieser illegalen Siedlung nennen es auch liebevoll „die Höhle“.

Es ist ein dunkler, enger und stinkender Tunnel zwischen den Häuserschluchten, links und rechts befinden sich Räume. In vielen sieht man kleine Fernsehgeräte, Wassertanks, Ventilatoren, Matratzen. In der Mitte des Tunnels ein mit Holzbrettern abgedecktes Rinnsal, zahlreiche Löcher dienen als Toilette oder Mülleimer. Zwei Meter daneben der Brunnen. Das Wasser ist natürlich ungenießbar und kann nur zum Waschen verwendet werden.

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Ein Leben an den Gleisen

Überall führen Leitern und Treppen in die oberen Räume, eine davon brachte uns wenig später direkt aufs Gleisbett. Alle paar Minuten donnert hier ein Zug vorbei. Keine zwei Meter von den Hütten der Menschen entfernt, so nah, dass die Wände vibrieren. Hochspannungsleitungen elektrisieren die Luft. Ich bin mir nicht sicher ob der Lärm oder der Gestank schlimmer ist. Ach ja, illegal heißt in diesem Fall übrigens nicht kostenlos. Um die 20 Euro im Monat kostet ein Zimmer in der Höhle Hölle.

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Ist das mein Versuch nicht traurig auszusehen?…

Eine Handvoll Kinder, vielleicht grade mal ein bisschen älter als meine Nichte, hüpften und spielten rund um das Gleisbett. Als sie mich mit meinem Rucksack voller Malstifte daher kommen sahen, war die Freude natürlich groß. Wir setzten uns an den – ich nenn es mal – Gleis Kiosk und ich hatte die Gelegenheit einige der Bewohner kennenzulernen.

Von da an geht’s dann weiter im nächsten Beitrag, bis dann 🙂

 

 

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