Handwerkskunst, Reiswein und der menschliche Vulkan

12.10.2015

In der früh kroch ich aus dem Bett, ein schönes Frühstück mitten im idyllischen Reisfeld war ein toller Start in den Tag. Später schnappte ich mir meinen Laptop und begann damit Fotos zu sortieren und meine gestrigen Erlebnisse niederzuschreiben. Unter dem Strohdach des Restaurants wurde es ganz schön heiß, ein Lüftchen wehte und brachte ein wenig Erfrischung. Einige Gäste verließen uns, einige neue kamen an.

Darunter auch Maggy, eine Schweizerin mit deutschem Pass. Na als ob ich mit so einer nicht schon eine Menge Spaß in Australien hatte. Hihi, was für ein Zufall. Wir unterhielten uns ein wenig und es stellte sich heraus dass wir so ziemlich denselben Reisestil hatten. Weg von den Menschenmengen, weg vom Tourismus und immer auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen. Und an so einem waren wir hier definitiv gelandet.

 

Tetebatu-Hakiki-Inn

Mein Hüttchen ist ganz links 🙂

Gegenüber der Einfahrt zum Hakiki Inn verarbeiteten einige lokale Bauern mit einer Maschine einen Sack voller frisch geerntetem Reis. Plötzlich fingen die Hunde an zu bellen und liefen wie wild durch die Gegend. Es stellte sich gleich heraus warum: ein Pärchen schwarzer Affen hatte sich bis auf die Dächer der Hüttchen vorgewagt. Ein Foto später waren sie aber bereits wieder verschwunden. Zeit für das Mittagessen, diesmal etwas Vegetarisches. Die Gemüsesuppe hier ist echt empfehlenswert. Nur mit den Chilis sollte man aufpassen, da blieb mir kurz mal die Luft weg.

Sarong-Weben

Weberin

Am Nachmittag ging es dann zusammen mit Abul, Ari und Maggy mit zwei Motorrädern auf eine kleine Tour durch die umliegenden Dörfer. Erste Station war der Rinjani Art Shop, wo unzählige lokale Textilerzeugnisse zum Kauf angeboten wurden. Wir bekamen eine Führung durch die nähere Umgebung und konnten die Frauen beim Weben beobachten. Es gibt Stoffe verschiedener Qualitätsklassen, entweder mit chemischen oder natürlichen Farben. Für einen einfachen Sarong ohne viele Muster benötigt eine Weberin ungefähr zwei Wochen. Der Preis liegt bei 20-30 Euro.

Es dauerte nicht lange bis wir beide in traditionelle Hochzeitsgewänder eingepackt wurden. Nicht schlecht. Ein Vorteil war dass ich Maggy dabei hatte. So überließ ich schlussendlich ihr das shoppen und relaxte mit einer Zigarette und einem Eistee. Wofür die bei den tropischen Temperaturen hier einen Schal verkaufen war mit zwar rätselhaft, Maggy kann ihn in der Schweiz aber sicherlich gut gebrauchen. Es ging wieder auf die Motorräder und weiter zum nächsten Shop.

Dort wurden geflochtene Körbe und alle möglichen anderen Sachen aus Holz und Bambus verkauft. Die Verkäuferin flöchte in Sekundenschnelle ein paar Ringe um unsere Finger. Na das war’s jetzt wohl, bin ich also endgültig verheiratet. Mit den Ringen an den Fingern ging es wieder auf die staubigen Straßen, über einen sandigen Trampelpfad bis in den letzten Winkel eines Dorfes. Dort verkauften die Einwohner still und heimlich selbstgebrauten Reiswein.

Motorrad-Indonesia-Style

Motorrad-Indonesia-Style: So machen das auch die Frauen in Lombok

Alkoholkonsum ist hier eigentlich verboten, das wurde mir aber auch erst gesagt als ich mit der 1,5 Liter Flasche zurück im Hakiki Inn war. Zum Abendessen hatte ich Hühnerspieße mit Reis und Gemüse, später einen Ananassaft gemixt mit Reiswein. Zu später Stunde änderte ich das Mischverhältnis zugunsten des Reisweins. Die Nacht war noch angenehm, der nächste morgen dann nicht mehr.

 

13.10.2015

Ich wachte auf und fühlte mich augenblicklich wie ein menschlicher Vulkan. Der Reiswein hatte mir anscheinend nicht gut getan. Oder, je nachdem wie man das sehen will, Allah bestrafte mich für die Missachtung seiner Gesetze. Ich bereute es jedenfalls sehr, selbst zwei Kohletabletten konnten den Vulkan nicht stoppen. Alles was ich in mich reinschüttete erzeugte sofort eine Reaktion. Den Tag verbrachte ich also mehr oder weniger im Bett und auf dem Klo.

tetebatu-hakiki-inn-bei-nacht

Hakiki Inn bei Nacht

Gegen Abend brachte eine Nudelsuppe die sehnlich erwartete Erholung. Dann folgte ein lustiger Zufall. Ich saß mit meinem Buch über Chile am Tisch, als plötzlich ein junger Mann im Safari Outfit an mich heran trat. Er hatte das Buch bemerkt und erkundete sich interessiert darüber. Es stellte sich heraus er und seine Freundin waren aus Chile.

So verbrachte ich den Abend gemeinsam mit Fernando, Josefina und Maggy bei interessanten Gesprächen rund um Chile. Die uns umgebenden Reisfelder wurden tagsüber wohl geflutet, was dutzende Frösche mit einem Quak-Konzert quittierten. Besonders lustig war das als sie im Takt mit dem Muezzin um die Wette quakten.

 

 

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1 Antwort

  1. Michael sagt:

    Also ich muss hier immer wieder lachen, herrlich ! 🙂

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