Die fantastische Tetebatu Reisfeld Tour

11.10.2015
Gegen 5 Uhr morgens wurden die Grillen und Frösche vom Muezzin abgelöst. Es war Sonntag und das heutige Gebet fiel wohl extra lang aus. Mindestens eine halbe Stunde lang schallten Koranverse durch die Reisfelder. Als es dann vorbei war hatte ich keinerlei Probleme, ein paar Stunden weiterzuschlafen. Gegen 9 Uhr ging es zum Frühstück. Banana Pancakes. Lecker!

Mr. Abul erzählte mir von der Reisfeld Tour, und es kostete ihn keine zwei Minuten mich davon zu überzeugen. Wenig später ging es los. Ein Stückchen die Straße runter, dann hoch in den Dschungel. Augenblicke später waren wir umgeben von durch die Bäume hüpfenden schwarzen Affen. Leider versteckten sie sich sobald sie von unserer Anwesenheit Wind bekamen.

Ein paar hundert Meter weiter landeten wir schließlich mitten zwischen den Reisterrassen. Grün, grüner, Tetebatu! Es war nicht unbedingt einfach auf den schmalen Pfaden zwischen den Feldern und Kanalsystemen entlang zu laufen. Reis in sämtlichen Anbaustadien. Menschen bei der Ernte. Es war Sonntag und so waren auch zahlreiche Kinder auf den Feldern anzutreffen. Bemerkenswert war dass die Kinder hier nach Stiften fragten und nicht etwa nach Geld oder Süßigkeiten. Für einen später geplanten Trip hatte ich extra hunderte Bunt- und Filzstifte mitgebracht. Eine Schande dass ich keine in meinen Rucksack gepackt hatte.

Tetebatu-Reisernte

Es ging hoch hinauf auf einen Hügel, die Sonne brannte vom Himmel. Mega anstrengend aber eine super Aussicht. Noch hundert Meter weiter bergauf und wir waren bei einem kleinen Geschäft angekommen, wo es Kaffee und einen Snack gab. Chili, Pfeffer, Vanille, Muskatnüsse, Kaffee, Kakao und vieles mehr stand zum Verkauf. Ich entschied mich für einen Lombok Kaffee. Die gemahlenen Kaffeebohnen werden direkt mit heißem Wasser aufgegossen und getrunken. Sehr lecker. Abul ging zum Beten, ich rastete und schmökerte ein wenig Rousseau.

Eine halbe Stunde später ging es weiter, vorbei an endlosen Tabakfeldern. Die Blüten der Tabakpflanzen waren mir bis dahin völlig unbekannt. Die desaströsen Auswirkungen unseres heutigen Turbo-Kapitalismus allerdings weniger. Abul erzählte mir wie Philipp Morris unzählige lokale Bauern zum Tabak anpflanzen gebrachte hatte. Nach 4 oder 5 Ernten wurde der Tabakpreis dann auf einen Bruchteil zusammengestutzt – viele Menschen verloren alles. Eine durchaus übliche Geschäftspraktik. Die Leute erst abhängig machen und dann verhungern lassen.

Tabakpflanzen

Abgesehen von solch traurigen Geschichten scheint die Zeit hier aber stillzustehen. Große Monokulturen gibt es so gut wie keine, auf den Feldern werden das ganze Jahr über unterschiedliche Pflanzen angebaut. Mais, Süßkartoffeln und Bohnen in Harmonie mit Reis, Chilis, Papaya, Mangos, Bananen und unzähligen anderen. Künstlicher Dünger ist ein Fremdwort. Die Überbleibsel der Reisernte werden verbrannt und die Asche dient sodann als Dünger für die nächste Pflanzengeneration. So sieht nachhaltige Landwirtschaft aus. Und glaubt mir, den Unterschied schmeckt man.

Tetebatu-WasserfallNoch einer weiteren Stunde auf und ab, ich war schon wieder völlig verschwitzt und erschöpft, machten wir Pause in einem Restaurant in der Nähe der „Air Terjun Tibu Topat“ Wasserfälle. Mr. Abul genoss ein Gemüse Curry zum Mittagessen. Bei der Hitze war mir allerdings nicht nach Essen zu Mute und ich begnügte mich mit einer kalten Cola und einem Lombok Kaffee. Plötzlich kam ein großer Reisebus voller Holländer vorgefahren und die Idylle wurde überrannt von 30 Pauschaltouristen.

Doch so schnell sie gekommen waren verschwanden sie auch wieder. Tja, mit einem engen Zeitplan hat man halt keine Zeit die Atmosphäre zu genießen und mit den Einwohnern zu reden. Diese bemerkten meine Gelassenheit und meinten, dies sei der einzig wirkliche Weg hier die Gegend kennenzulernen. Big bus, big group, no good. Und wie sehr sie Recht hatten damit. Als der zweite Kaffee leer war und Mr. Abul mit seinem Essen fertig, stiegen wir hinab Richtung Wasserfall. Eine Bambustreppe führte hinunter ins Flussbett, die Felswände waren dicht bewachsen mit Moos, weiter vorne plätscherte der Wasserfall. Ein paar Kinder waren beim Baden.

Nach ein paar (verwackelten) Bildern stiegen wir die andere Seite hoch, Mr. Abul hatte irgendwie mitbekommen, dass in einem kleinen Dorf namens Tebatu-Utara eine Hochzeit stattfand. Wenig später waren wir dort angekommen. Er meinte hier würde er normalerweise nicht hingehen, die Menschen dort würden sehr selten Touristen zu Gesicht bekommen. Dementsprechend groß war der Andrang um den weißen Riesen, auch genannt Simon. Rund 25 Leute, Jung und Alt, folgten uns auf Schritt und Tritt. 50 Augen beobachteten interessiert jede meiner Bewegungen.

Tetebatu-HochzeitObwohl ich mich mit keinem einzigen Wort verständigen konnte waren die Menschen unglaublich freundlich. Kaum ein Gesicht ohne lächeln. Die Kleinsten waren ein wenig verängstigt, kein Wunder mein Anblick muss ziemlich ungewöhnlich gewesen sein. Viele Leute trugen ihre besten Kleider, bunt verzierte Stickereien, es wurde eifrig kistenweise Essen durch die Gegend getragen. Alle versammelten sich vor dem Haus des Bräutigams. Ein kleines Fotoshooting des Brautpaars folgte.

Dann ging es vor zur Dorfstraße, wenig später begann die Parade. Angeführt vom Brautpaar, gefolgt von Trommlern und einer mobilen Disco samt Stromgenerator. Abul erzählte sie würden jetzt rund zwei Stunden lang bis zu den Eltern der Braut laufen, wo anschließend die Zeremonie und Hochzeitsfeier stattfinden würde. Im Dorf kehrte Ruhe ein. Noch ein paar letzte Bilder und wir marschierten entlang der Dorfstraße. Vor jedem Haus saßen lächelnde Menschen, winkten und begrüßten uns.

In einem kleinen Laden kaufte ich eine Flasche Wasser. Ein bildhübsches Mädel arbeitete dort. Das Wort „Gagah“ hatte ich in den letzten Stunden öfter gehört. Schließlich übersetzte Abul für mich. Es bedeutet so viel wie gutaussehend. Oh wie schmeichelhaft. Ich hätte wohl keine Probleme hier eine Frau zu finden. Oder zehn. Die Szenen wiederholten sich eine halbe Stunde lang, bis wir schließlich auf der großen Hauptstraße ankamen. Es ging durch Tetebatu, ich kaufte ein paar Chips und Zigaretten. Der Sonnenuntergang war schon nahe.

Tetebatu-Sonnenuntergang

Rechtzeitig um noch bei Tageslicht eine Dusche zu nehmen war ich dann in meiner Hütte zurück. Satay Pusut, eine Art Fleischspieße mit Salat und Reis genoss ich zum Abendessen. Ein überaus ereignisreicher und schöner Tag ging langsam zu Ende. Auf das der Nächste auch so schön werde.

 

 

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3 Antworten

  1. Michael sagt:

    Gagah ? Hm – und das soll ich glauben ? Lt. Google-Translate heißt das „männlich“, gut, wenn man schon schön ist nur weil man ein Hahn ist, dann ich es schön.
    Mal sehen wie oft du noch in diesen Laden bist um „Wasser“ zu holen … .;)

    „Die Überbleibsel der Reisernte werden verbrannt und die Asche dient sodann als Dünger für die nächste Pflanzengeneration. So sieht nachhaltige Landwirtschaft aus.“

    Besser wäre es aus den Pflanzenresten lebendigen Kompost herzustellen und diesen oberflächlich einzuarbeiten als die Asche zu verstreuen. Das wäre „modern“ nachhaltig.

    • Simon sagt:

      kann viele bedeutungen haben, unter anderem: strong; brawny, muscular; handsome, dashing; heroic, brave, dauntless

      muss sagen keine davon find ich jetzt beleidigend. mein übersetzer war wohl der meinung handsome passt am besten 😉

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