Die Große Mauer bei Mutianyu

25.04.2015

Nach der ersten Nacht war bereits meine halbe Reiseapotheke verbraucht. Der chinesische Wein den wir gestern zum Abendessen hatten war wohl der Auslöser meiner fürchterlichen Kopfschmerzen. Nach ein paar Stunden Schlaf und einem großen Frühstück ging es dann in einen Minibus und raus aus der Stadt. Es war Samstag und wir waren nicht die Einzigen mit diesem Plan. Die Straßen waren recht verstopft, die 70 Kilometer bis nach Mutianyu kosteten uns mehr als 2 Stunden.

Dort angekommen war es wie eine Watsche, aus dem klimatisierten Minivan auszusteigen und in der brennenden Sonne Richtung Lift zu laufen. Man hätte natürlich auch den kompletten Weg bis zur Großen Mauer hochlaufen können, diese Herausforderung nahm aber keiner aus unserer Gruppe an. Mit einem Sessellift der mich ein wenig an unsere Skigebiete erinnerte, ging es hoch zum knapp 2 Kilometer langen Abschnitt der Großen Mauer.

Der Mutianyu-Abschnitt, dessen Bau ungefähr zur Mitte des 6. Jahrhunderts begann, ist bis heute zu großen Teilen gut erhalten. Er sticht aufgrund des großen Maßstabs und der Bauqualität hervor. Großteils aus Granit errichtet, hat die Mauer hier eine Höhe von 7-8m und eine Breite von 4-5m. Ein besonderes Merkmal dieses Abschnitts sind außerdem die vielen Wachtürme.

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Und genau diese Wachtürme waren an diesem schönen Tag der einzige Zufluchtsort vor der brennenden Sonne. Durch die vielen Lücken in der Mauer wehte eine kühle Brise, die unendlichen Stufen hoch- und runterzulaufen war aber trotzdem eine Herausforderung. Besonders blöd war die Tatsache, dass ich noch extra für diese Reise neue Schuhe gekauft hatte, die mir bereits gestern nach nur einer Stunde durch die Stadt marschieren, Blasen an die Füße zauberten. Tolle Sache.

Die Atmosphäre war trotzdem interessant. Man konnte sich richtig in die alten Zeiten zurückversetzen. Natürlich waren wir bei weitem nicht alleine, ein Großteil der Touristen schien aber aus China oder anderen asiatischen Ländern zu stammen. Ein paar Deutsche hörte ich aber trotzdem. Nachdem wir mehr als 3 Stunden die Mauer auf- und abgelaufen waren, ging es wieder zurück ins Tal.

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Als Touristenattraktion wurde noch so etwas wie eine Sommerrodelbahn eingerichtet, wo man auf kleinen Schlitten mit Rädern eine kurvige Metallbahn hinabfahren konnte. Leider war vor mir eine Chinesin die vor jeder Kurve fast eine Vollbremsung hinlegte. Zu Fuß wäre ich definitiv schneller gewesen, Spaß machte es trotzdem. Unterm Strich muss ich sagen war ich weder enttäuscht noch begeistert, die Große Mauer kann ich nun jedenfalls auf meiner Liste abhaken.

Wir genossen noch ein ausgiebiges Mittagessen und machten uns dann auf den Weg zurück in die Stadt. Schließlich mussten wir noch unseren Zug erwischen. Angekommen beim riesigen Hauptbahnhof in Peking stürzten wir uns mitten ins Getümmel. Die Sicherheitskontrollen dort waren vergleichbar mit einem Flughafen, die aufpolierten Läden darin ebenfalls. Noch ein bisschen Proviant besorgt und schon ging es ab in den Nachtzug. In unserer Klasse, der sogenannten Hard Sleeper Klasse, gab es in einem Wagon unzählige, quer zur Fahrtrichtung angeordnete und 3 Betten Hohe Schlafabteile. Wobei der Ausdruck Abteil etwas irreführend ist, denn es gab nicht einmal einen Vorhang als Abtrennung oder Sichtschutz. Der schmale Gang der dabei übrig blieb war ausgestattet mit winzigen Tischchen und Klappstühlen.

China-Nachtzug

Zusammengefaltet wie eine Ziehharmonika werde ich hier jetzt wohl die Nacht verbringen müssen. Der Zug wird uns übrigens nach Baotou bringen, von wo aus wir uns dann auf den Weg in die Steppen der Inneren Mongolei machen werden. Ich freue mich schon, bis bald!

 

gadventures
Dieser Beitrag beschreibt Teile der G Adventures Tour
Hidden China & Inner Mongolia

 

 

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3 Antworten

  1. Gerhard Huber sagt:

    Hi Simon,
    durch deine spannenden Reiseberichte habe ich den zu meiner Schulzeit versäumten Geographie- und Geschichtsunterricht zum großen Teil wieder „wettgemacht“ ………… 🙂
    Take care, Gerhard

  2. Ja. schön, dann kann ich meinen Besuch an der großen Mauer auch abhaken … 😉

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