Zu Besuch in der Inneren Mongolei

26.04.2015

Nach einer recht abenteuerlichen Nacht im Zug kamen wir pünktlich um kurz nach 7 Uhr in der Früh in Baotou an. Wir trafen unseren lokalen Führer Chaolu, der uns auch sogleich erklärte, warum wir ihn brauchten. Denn eigentlich hatten wir ja Andy als unseren Reiseleiter dabei. Die Mongolen sind aber ein Minderheitenvolk in China und vertrauen sich deshalb anscheinend nur untereinander. Okay, auch gut.

Die Gegend um Baotou ist bekannt als eine der weltweit größten Lagerstätten für Seltene Erden. Diese werden in vielen Gegenständen unseres modernen Lebens benötigt, vom Plasmabildschirm über Leuchtstoffröhren bis hin zu Akkus. Außerdem sind hier der industrielle Kohleabbau und die Stahlproduktion wichtige Teile der Wirtschaft.

Mauer-bei-Guyang

Ein wenig außerhalb der Stadt machten wir dann einen kurzen Stopp bei der Qinzeitlichen Großen Mauer von Guyang. Dieser Mauerabschnitt ist wesentlich älter, niedriger und schmaler als das Stück, welches wir gestern Nähe Peking besucht hatten. Wir waren einsam und alleine, er herrschte eine herrliche Ruhe. Chaolu erzählte uns ein paar Geschichten rund um die Mauer und die Kriege, die hier damals geführt wurden.

Es ging dann noch ein paar Kilometer weiter und für eine Mittagspause hielten wir in einer kleinen Ortschaft. Ihr könnt euch nicht vorstellen was für eine Attraktion ich dort war. Es war einer der Momente wo ich mich fragte: Schaue ich nun China an oder schaut China mich an? Naja, gefiel mir ganz gut. Zu Hause bekomme ich nicht ansatzweise so viel Aufmerksamkeit von den Ladies 🙂

windmuehlen

Frisch gestärkt ging es dann weiter Richtung Norden. Nach kurzer Zeit waren wir umringt von Windrädern und es ging auf einer unbefestigten Straße quer durch die Steppe. Es war eine seltsame Atmosphäre dort. Schafe, Ziegen, Pferde und wohl tausende Windräder 360° soweit das Auge reichte. Nach einer Stunde querfeldein erreichten wir schließlich unsere heutige Unterkunft. Mitten im nirgendwo, im Schatten des „Black Mountain“ (eher ein steiniger Hügel) befanden sich ein paar Jurten und die Ställe unserer Gastgeber. Heute Nacht werden wir hausen wie echte Mongolen.

So ganz traditionell sieht es ehrlich gesagt nicht aus, denn die Jurten haben Beton Fundamente und sogar Strom. Ein richtiges Klo und fließend Wasser gibt es dagegen nicht. Die ehemaligen Nomaden haben sich hier mittlerweile an feste Siedlungen gewöhnt. Wie ich erfahren habe geschah das auf Wunsch der chinesischen Zentralregierung. Die Menschen bekamen Land zugeteilt und außerdem einen Haufen Geld, um sich entsprechend einzurichten.

mongolen-zelt

Das ganze kann seltsame Auswüchse bilden, denn wenig später besuchten wir eine ziemlich große Ansammlung von Häusern und Jurten mit jeder Menge Infrastruktur. Dort leben lt. Chaolu aber nur 7 Familien. Der Rest wird vermietet, und das in der nur zwei Monate dauernden Hochsaison. Über Geisterstädte in China habe ich schon einiges gehört, dass es dieses Phänomen auch in der Mongolei gibt hätte ich dagegen nicht erwartet.

Zurück beim Homestay erfuhren wir ein bisschen mehr über die Menschen hier. Die Mongolen sind ein sehr naturverbundenes Volk. Die Farben der Jurten (blau und weiß) repräsentieren den Himmel und die Wolken. Das Zeichen auf dem Dach symbolisiert die Waffe Dschingis Khan’s. Außerdem essen die Menschen hier fast ausschließlich Fleisch. Etwas später spazierte ich dann auf den Hügel um mir ein besseres Bild von der Umgebung zu machen. Faszinierend. Grasland soweit das Auge reicht, am Horizont ein Wald aus Windrädern. Na wenigstens haben die Mongolen hier Ökostrom. Aber nicht nur sie, denn ein Großteil des Stroms geht an die energiehungrigen Städte im Süden.

Kurz vor Sonnenuntergang war dann Zeit fürs Abendessen. Reis, Paprika, Kartoffelstreifen und jede Menge Schaffleisch standen auf dem Programm. Dazu ein kühles Bierchen. Im Gegensatz zu den Chinesen trinken die Mongolen nämlich immer, überall und jeden Tag Alkohol. Chaolu meinte es würde ihm helfen besser zu schlafen. Und als ich den Betonboden meiner Jurte so inspizierte, fand ich die Idee gar nicht schlecht. Nach der Nacht im Zug werde ich aber vermutlich auch ohne einen Rausch kein Problem haben hier einzuschlafen.

Jurte-bei-Nacht

So, morgen ist wieder volles Programm und ich werde versuchen ein wenig Schlaf nachzuholen. Bis dann!
gadventures
Dieser Beitrag beschreibt Teile der G Adventures Tour
Hidden China & Inner Mongolia

 

 

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1 Antwort

  1. Wieso ist das Grasland so „braun“, ist das immer so ? Essen sie auch Hundefleisch ?

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