Die alte Kaiserstadt Hue

15.03.2014

Heute hatten wir mit nur drei Stunden eine vergleichsweise kurze Busfahrt ins nahe gelegene Hue, wo wir uns gegen Mittag im brandneuen Canary Hotel niederließen. Während meine Gruppe noch den Kater von gestern auskurierte bzw. sich auf die Party heute Abend vorbereitete, ging es für mich wieder – na ihr habt es schon geahnt – auf eine Motorrad Tour.

Unter der Nguyen-Dynastie von 1802 bis 1945 war Hue die Kaiserstadt Vietnams und genau dieser antiken Vergangenheit wollen wir uns heute widmen. Mr. Ku, mein heutiger Motorradfahrer und Führer brachte mich als erstes zur Zitadelle mit der verbotenen Stadt, die nach dem Vorbild in Peking entstand. Sie wurde im Zeitraum von 1803 bis 1832 geplant und gebaut und ist ein tolles Beispiel für die Architektur des feudalen Vietnam.

Imperial City, Hue

Leider wurden viele Gebäude während diverser Kriege und bewaffneten Auseinandersetzungen beschädigt, und müssen dementsprechend restauriert werden. Zu den wichtigsten Gebäuden der Zitadelle zählen neben den Gräbern der Kaiserdynastie auch zahlreiche Paläste, Tempel und Schreine. Die UNESCO-Weltkulturerbestätte war zwar gut besucht, was aufgrund ihrer Weitläufigkeit aber kein Problem darstellte.

Trotz der vielen Wolken am Himmel machten mir die Hitze und vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit ziemlich zu schaffen. Als ich meine Runde fertig gelaufen war, brachte mich Mr. Ku zur nahe gelegenen Thien Mu-Pagode. Sie liegt an einer Anhöhe am Ufer des Parfüm-Flusses und ist mit dem siebenstöckigen Turm die höchste Pagode Vietnams. Dahinter erstreckten sich eine Klosteranlage mit mehreren Hallen und ein Garten mit witzigen Bonsaibäumchen.

Thien Mu Pagoda, Hue

Ich gönnte mir noch drei „echte“ Bananen als Mittagessen und hüpfte dann wieder aufs Motorrad von Mr. Hu, der mich auf eine Anhöhe beim Parfum-Fluss brachte. Dort gab es Überreste einer amerikanischen Bunkeranlage zu sehen. Die Aussicht auf den Fluss war toll, während des Krieges eine denkbar wichtige Position. Von hier aus hielten die Amerikaner Ausschau auf Nordvietnam und in der Ferne konnte man auch Berggipfel sehen, die bereits zu Laos gehören. Schließlich ist Vietnam an seiner schmalsten Stelle nur 50km Breit.

Nach einer kleinen Pause bei den Bunkern und einem interessanten Gespräch mit Mr. Ku ging es weiter zur nächsten Station: dem Grabmal von Tu Duc. In der inneren Anlage, die etwa 12 ha misst, gab es etwa 50 Tore, Gebäude, Terrassen, und Pavillons. Zu viele um sie wirklich alle anzusehen und einige davon waren beschädigt oder wurden grade renoviert. Mittlerweile war es auch um einiges kühler geworden und ein leichter Nieselregen durchzog die Luft. Eine willkommene Abkühlung!

Perfume River, Hue

Es gäbe viel zu erzählen über diese Anlage, die interessanteste Kuriosität ist jedoch die Tatsache, dass der Kaiser Tu Duc trotz dieses schönen Ortes der für ihn erbaut wurde, an einer anderen, geheim gehaltenen Stelle irgendwo in Hue begraben liegt. Selbst heute beschäftigt das noch die Geschichtsforscher. Da es schon langsam dunkel wurde machten wir uns nach einem Bierchen auf den Weg zur letzten Sehenswürdigkeit für heute: die Thanh Toan Brücke.

Es handelt sich um eine über 200 Jahre alte Holzbogenbrücke, die 17m lang und 4m Breit ist. Es gibt übrigens auch eine solche Brücke ähnlicher Bauart in Hoi An. Wie an fast jedem Stopp genossen Mr. Hu und ich auch hier ein Tässchen Tee, bevor es wieder rauf aufs Motorrad ging. Der gute Mann ist Hauptberuflich Lehrer und nutzt seine Freizeit um ein wenig dazuzuverdienen und Leuten wie mir seine schöne Stadt zu zeigen. Gerne hätte ich noch länger mit ihm geplaudert, es war nun aber schon fast dunkel und höchste Zeit um nach Hause zu fahren.

Mr. Ku trink Tee

Beim Hotel angekommen gab ich ihm noch ein dickes Trinkgeld und macht mich dann für das Abendessen fertig. Da waren sie wieder, die 13 Großteils unpünktlichen und desinteressierten Leute, mit denen ich unterwegs war. Was sie heute gemacht hätten habe ich gefragt. Nix. Rumliegen im Zimmer. Ok. Warum denn? Ja die Tempel, Wasserfälle, blabla würden eh alle gleich ausschauen usw. und außerdem muss man ja schlaf tanken zum kompensieren der nächste Partynacht.

Unglaublich sowas. Ich möchte nach meinem Vietnam Urlaub jedenfalls mit mehr nach Hause kommen als mit 1.000 Handy Fotos von betrunkenen Teenagern in diversen Bars. Und als ob das nicht auch jedes Mal das gleiche wäre! Egal, jeder wie er meint…

Unsere morgige Reise startet vorsorglich schon mal erst um 11 Uhr. Der Tourleiter meinte schon zu mir die Gruppe sei außer Kontrolle. Ein bisschen ausschlafen kann aber nicht schaden von dem her bin ich damit einverstanden. Die morgige Reise nach Dong Hoi wird uns durch die ehemalige Demilitarisierte Zone führen, wo wir dann auch für zwei Nächte bleiben werden. Bis dann!

 

 

 

 

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