Allein in Chong Wen Men

05.05.2015

Nach fast zwei Wochen Gruppenreise war es mehr als Zeit für mich, mal wieder alleine zu sein. Das Chong Wen Men Hotel mitten im Zentrum der Stadt erschien mir als dafür geeignet. Versteht mich nicht falsch, die Gruppe war die beste Reisegruppe die ich jemals hatte, aber irgendwann braucht man halt einfach seine Ruhe. So teilte ich mir mit Wayne, der auf dem Weg zum Flughafen war, noch ein Taxi in die Stadt. Schließlich registrierte ich mich gegen Mittag im Hotel, karrte mein Gepäck in den 7. Stock und schloss die Zimmertür. Allein in einem Raum. Nur ich. Endlich.

chong-wen-men-hotel

Wobei genau genommen waren es drei Räume. Andy hatte mir dieses Hotel empfohlen und auch versucht einen Deal für mich rauszuholen. Reserviert hatte ich das Deluxe Zimmer, bekam jetzt aber zum gleichen Preis die riesige Business Suite. Ein Besprechungszimmer mit Sofas, TV, Kühlschrank und Teekocher sowie ein getrenntes Schlafzimmer mit gigantischem (für chinesische Verhältnisse) Doppelbett und einem zweiten Fernseher. Abgerundet wurde das Angebot von einem sauberen Badezimmer mit Regenwalddusche.

Leider konnte ich das Zimmer und insbesondere den Teekocher gut gebrauchen, denn eine über die letzten Tage stärker werdende Erkältung hatte nun voll eingeschlagen. Den restlichen Tag verbrachte ich mit Tee trinken, Fernsehschauen und Faulenzen. Auch der Blick auf die Straße war ganz witzig, denn um zu verhindern dass die Leute hier auf der falschen Straßenseite oder dem Gehsteig fahren, hat man überall kleine Zäune aufgebaut.

 

06.05.2015

Meine Erkältung wird mit jedem Tag schlimmer statt besser. Heute früh direkt zur Apotheke um die Ecke und der guten Dame meinen Wunsch nach einem geeigneten Medikament mittels Zeichensprache erklärt. Englisch spricht hier sowieso niemand. Bekommen habe ich eine Packung mit giftgrünen Kräutertabletten. Drei Mal täglich 4 Stück. Bin mal gespannt ob das was ändert.

kraeutertabletten

Nach ein paar Tassen Tee, Suppe und einer Ladung Kräutertabletten bin ich dann am Nachmittag ein wenig raus und hab die Umgebung erkundet. Ich wohne hier mitten im Stadtzentrum in einer großen Einkaufsstraße, umgeben von Konsumtempeln und Fast Food Ketten. Die Bäckerei um die Ecke ist definitiv mein Lieblingsladen. Da war ich mittlerweile schon drei Mal essen holen.

busfahrplanWirklich sehenswertes gab’s in näherer Umgebung kaum, Englisch verstand immer noch niemand, und da auch die Fahrpläne der öffentlichen Verkehrsmittel ausschließlich in Chinesisch waren, hielt sich meine Motivation Peking zu entdecken in Grenzen. Die Leute glotzten übrigens immer noch als ob ich der Glöckner von Notre-Dame wäre, ihre Manieren waren auch nicht besser geworden. So kam es auch dass ich mitten in der belebten Einkaufsstraße eine braune Wurst entdeckte, die eindeutig zu groß für einen Hund war. Prost Mahlzeit.

Mein erster Eindruck von Peking war ja eigentlich sehr gut, denn die furchtbaren Manieren und ekelhaften Angewohnheiten der lieblichen Bewohner werden bestens kaschiert. Mittlerweile bin ich auch draufgekommen wie. Es scheint als ob jeder zweite Chinese bei der Stadtreinigung arbeiten würde, denn alle zwei Meter sieht man eine kümmerliche Gestalt mit Besen.

Schließlich hab ich ein paar Bier und Zigaretten besorgt und bin zurück ins Hotel. Ist vielleicht nicht unbedingt förderlich für meine Genesung aber was soll‘s. Für morgen hab ich – Motivation hin oder her – eine geführte Tagestour gebucht und werde mir noch ein paar Highlights in Beijing anschauen gehen.

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1 Antwort

  1. Was soll man sagen – alles hat seine Zeit, auch die Ruhe … 🙂

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