Neues von der Baustelle: Was war und was wird im Oktober 2017

In meinen mehr als 250 Reiseberichten war alles so einfach. Ich mache etwas und wenn ich damit fertig bin, schreibe ich in der Retroperspektive darüber. Unsere Projekte in Santa Fe werden sich allerdings über viele Jahre ziehen. Momentan machen wir eine Menge Dinge gleichzeitig und doch ist nichts davon auch nur annähernd fertig. Also Zeit für einen kurzen unvollständigen Zwischenbericht.

Fangen wir an mit der Baustelle. Unsere Straße macht im Detail doch eine ganze Menge mehr Arbeit, als ich mir das so gedacht hatte. Um Erosion zur verhindern, haben wir als erstes eine Reihe von Quergräben angelegt. Mit den vielen Steinen im Boden war das alles andere als einfach. Da kann es schon vorkommen, dass wir uns mal zwei Tage mit Generator, Flex und Bohrhammer auf einen kleinen Basaltfelsen konzentrieren. Die Vulkansteine sind leichter kaputtzukriegen.

Doch auch das betonieren ist nach wie vor mühsam. Ein oder zwei Säcke Zement anzuschleppen ist noch im Rahmen, doch auch den Sand müssen wir regelmäßig vom Fluss abtransportieren und zur Finca bringen. Wasser besorgen wir uns mittlerweile in der Nachbarschaft. Angemischt wird das Zeug sowieso von Hand in der Bütt oder der Schubkarre.

Um in Zukunft schneller, effizienter und mit gleichbleibender Qualität produzieren zu können, haben wir uns allerdings schon ein kleines Spielzeug angeschafft. Ich finde den kleinen Betonmischer niedlich. Mit 6,5 PS und rund 250 Litern Fassungsvermögen werden wir für das Fundament eines Hauses zwar immer noch mehrere hundert Ladungen benötigen, kommen damit aber auf jeden Fall schneller voran als von Hand.

Ich finde den kleinen Betonmischer niedlich

Neben den Quergräben benötigen wir auch noch knapp 200 Meter Straßengräben, um das seitlich auf die Straße fließende Wasser abzufangen. Eine Menge hacken, graben und betonieren. Damit die Gräben nicht sofort wieder von Schlamm und Geröll verstopft werden, müssen sie nicht nur mit Beton ausgekleidet, sondern auch seitlich befestigt und geschützt werden. An dieser Stelle komme dann ich zum Einsatz. Ein paar Steine einzubetonieren gehört nämlich grade noch zu meinen Fähigkeiten.

Hier vermischt sich Nötiges mit Unnötigem…

Und da sind wir auch schon am Punkt angelangt, wo sich Nötiges mit Unnötigem vermischt. Die Barriere ist zwar nötig, so schön machen müsste man sie aber eigentlich nicht. Wie lange das hält wird sich sowieso herausstellen müssen. Vermutlich ist alles längst wieder kaputt, sobald Ende nächsten Jahres die ersten Gäste das Hostel besuchen. Die Straßenarbeiten werden jetzt wahrscheinlich noch 1-2 Wochen dauern. Für danach haben wir schon zahlreiche weitere Projekte am Start.

Eine Menge Gräben müssen gemacht werden

Grundsätzlich haben wir entschieden, zukünftig mit zwei Teams gleichzeitig zu arbeiten, zwei Sachen gleichzeitig zu machen und hoffentlich auch doppelt so schnell voranzukommen. Ich werde mich mit Nestor und Rica der Infrastruktur widmen. Die Planung ist noch nicht ganz abgeschlossen, doch werden wir in der ersten Ausbaustufe eine mindestens 300 Meter lange Trasse bauen. Daran sollen dann die Wasser- und Stromleitungen entlanggeführt werden.

Sven hingegen wird sich bald einige Helfer suchen und mit dem Bau unseres Lagerhauses beginnen. Es soll das erste Gebäude werden und die Werkzeuge, Maschinen und Baumaterialien für die zukünftigen Baustellen beherbergen. Ja und in dem Moment wo dieses Häuschen steht, wird vieles für uns viel einfacher werden. Mit einer festen Basis wo wir die Sachen lagern können und vielleicht sogar das ein oder andere Mittagessen kochen.

Mit dem Wetter haben wir in den letzten Wochen eine Menge Glück. Meist ist es bewölkt, windig aber regnet nicht oder nur wenig. Der Oktober sollte eigentlich mehr als 400mm Niederschlag bringen. Wir fürchten nun einen umso regnerischen November. Nur gut, dass wir die Straße jetzt bald ordentlich befestigt haben.

Durch den wenigen Regen mutieren die Flüsse auch seltener zu braunen Strömen, weshalb wir in letzter Zeit auch sehr oft baden waren. Badestellen gibt es ja im Überfluss und wir haben noch lange nicht alle davon entdeckt. Die schönste aber, und das muss man jetzt einfach mal sagen, ist sowieso direkt auf unserer Finca.

Die beste Badestelle ist auf unserer Finca

Der Regen ist es eben auch, der hier die natürlichen Zyklen vorgibt. In knapp zwei Monaten wird es kaum noch Niederschläge geben und neue Pflanzen können dann bis April oder Mai nicht oder nur schwer angepflanzt werden. Deshalb müssten wir in den nächsten Wochen theoretisch nicht nur ein Lagerhaus bauen und mit der Infrastruktur beginnen, sondern auch noch jede Menge Setzlinge einpflanzen.

Zu allem Überfluss ist kürzlich unser billiges Gartenzelt zusammengeklappt und sämtliche Pflanzen stehen seitdem ungeschützt im Regen. Ein guter Härtetest eigentlich für den bevorstehenden Freilandanbau, für den wir allerdings noch nicht einmal einen vorbereiteten Bereich auf der Finca haben. Kurzum: Es gibt sehr viel zu tun und uns wird so schnell nicht langweilig werden. 

Wer also demnächst seinen Urlaub sowieso in Mittelamerika plant, ist herzlich eingeladen uns zu besuchen. Hilfe und Unterstützung können wir sehr wohl gebrauchen. Wenn du also handwerklich begabt bist oder einen grünen Daumen hast – ab nach Panama! Flüge gibt es schon für weniger als €500 und ein freies Zimmer haben wir sowieso. Bis Bald vielleicht in Santa Fe? 🙂

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9 Antworten

  1. Michael Hinterauer sagt:

    Ah ja, „etwas“ Eisen im Beton, würde das Brechen verhindern und wenn es darunter absackt hängt der Randstein & Co. wenigstens noch in der Luft und kann unten wieder aufgefüllt werden. Da genügen irgendwelche Eisenteile von 30-40 cm (aber auch länger) die parallel gelegt werden in die 1. Schicht vom Beton, darüber dann die 2. oder weitere Schichten.
    Beton ohne Eisen ist wie poröser Stein, da haust du mal drauf und es kracht. Noch leichter bricht der Beton je größer die Steine sind die damit zusammen“betoniert“ werden, sofern es keine Betonsteine sind, aber auch in den Fugen von Betonsteinen wird (dünnes) Eisen gelegt, dafür haben diese eine extra Ausnehmung, also für Mauern (nicht unbedingt für Hauswände, denn die stehen ja nicht „alleine“ da und haben üblicherweise Druck von oben).

    • Simon sagt:

      Klar, mit Eisen wird das stabiler. Die Frage ist aber ob wir Wolkenkratzer bauen oder Regenrinnen. Für letztere ist hoffentlich kein Stahlbeton notwendig 🙂

      • Michael Hinterauer sagt:

        Eine (=1) Eisenstange versetzt BERGE, glaube mir.

        • JoZa sagt:

          Da hat der Michael recht!

          • Simon sagt:

            Natürlich hat er da recht. Und an den Stellen wo wir das für nötig halten, werden wir auch Eisen einlegen 🙂

          • Michael Hinterauer sagt:

            Stimmt da habe ich Recht … 🙂 … oder sonst sollte man zumindest eine „Trennung an den Soll-Bruchstellen“ machen, denn ein Brocken Beton mit Steinen drin ohne in der Basis wenigstens 1 Stück Eisen drin hält so gut wie nix aus. Immerhin gibt es in Panama keinen Frost, aber dafür eine Regenzeit in der die Erde sich vollsäuft, ausdehnt und so das ganze Beton-Teil hebt und senkt bis es eben bricht … oder man fährt 1x oder ein paar Mal drauf mit Auto oder was auch immer da herumkurvt.

            Aber ich versteh’s, wenn die Arbeitszeit nix kostet, dann kann man es ja alle paar Jahre einfach neu machen oder flicken, das ist dort so üblich.
            Andere Länder, andere Sitten.

          • Simon sagt:

            Hey, langsam verstehst du 🙂

          • Michael Hinterauer sagt:

            Klaro, aber der „Brocken“ lt. Foto ist schon mal zu lang, ohne Eisen, ohne Trennfuge. 😉

  2. Michael Hinterauer sagt:

    Tja, das wahre Leben lässt grüßen, schön wie sich hier was tut !

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