Getting Stuck in the Desert

22.08.2011

Weil wir heute zum Kings Canyon wollten standen wir bereits um 6 Uhr morgens auf und bereiteten uns für die Fahrt vor. An diesem Tag checkte ich, wie ungefähr alle 1000 Kilometer, das Öl und den Flüssigkeitsstand meines treuen Begleiters. Ich füllte ein wenig Öl nach, klappte die Sitzbank wieder nach unten und startete den Motor um ihn ein bisschen warmlaufen zu lassen. Während ich hinten die Stühle einräumte ging der Motor plötzlich aus und im ersten Moment dachte ich mir nicht viel dabei. Wenn es kalt ist und der Joker nicht weit genug herausgezogen ist, kann es schon mal passieren, dass der Motor abstirbt.

Wenige Minuten später als wir bereit waren abzufahren, versuchte ich das Ding erneut in Bewegung zu setzen. Der Starter funktionierte, die Batterie und der Tank waren voll, aber CeeJay wollte einfach nicht mehr anspringen. Egal wie oft ich es versuchte, ich hatte keinen Erfolg. Wer mich kennt weiß sehr genau, dass ich von Autos überhaupt keine Ahnung habe und es höchstens noch schaffen würde, einen Reifen zu wechseln. Hilflos blickte ich in den Motorraum um die Fehlerquelle festzustellen. Nach einiger Zeit kamen die Nachbaren aufgrund meiner unaufhörlichen Startversuche angelaufen und boten ihre Hilfe an.

Gemeinsam mit zwei älteren Australiern versuchte ich das Problem zu lokalisieren. Wir checkten das Zündsystem und die Zündkerzen, wo alles in Ordnung zu sein schien. An einem bestimmten Punkt waren wir uns einig, dass das Problem an der Spritzufuhr zum Motor liegen muss. Unter größten Anstrengungen entfernten wir den Benzinfilter und einer meiner Helfer blies sogar die Leitung hoch zum Tank, um eine eventuelle Verstopfung zu beseitigen. Leider brachte der ganze Aufwand nichts weiter als einen Mund voller Benzin. Auch die Zufuhr aus dem Tank schien also in Ordnung zu sein. Als wir Benzin direkt in den Motor schütteten sprang er tadellos an, bevor er mangels Sprit sogleich wieder abstarb. Ein klarer Fall – es muss sich um eine defekte Benzinpumpe handeln. Alles andere hatten wir jetzt überprüft.

Die Lage schien hoffnungslos, denn wir befanden uns mitten im Nirgendwo, ungefähr 200km entfernt von der kleinen Ortschaft Yulara beim Ayers Rock. Das Handy hatte keinen Empfang, es stand uns auch kein Langstreckenfunkgerät zur Verfügung und so war meine einzige Chance mit den Nachbaren mitzufahren und vom nächsten Roadhouse aus den Pannendienst anzurufen. Ich ließ also Veronika und Hicham zusammen mit CeeJay zurück und stieg in das Auto der freundlichen Helfer, die mich zum Mechaniker beim Kings Canyon bringen wollten.

Nach wenigen Minuten Fahrt hörten wir plötzlich einen Knall und fuhren an die Seite. Unglaublich aber wahr, einer der Reifen hatte ein großes Loch und war beinahe platt. Was ist das bloß für ein Tag? Glücklicherweise hatten die beiden ein Reserverad dabei und wenig später waren wir wieder unterwegs. Schließlich luden sie mich beim 120km entfernten Kings Canyon Resort ab, wo ich sogleich mit dem Mechaniker sprach. Er meinte alleine um dorthin zu fahren und es vor Ort anzuschauen, würde er rund 300 Dollar verlangen müssen. Des Weiteren hätte er keine Abschlepplizenz und könne den Van nicht zur Werkstatt bringen, falls er es nicht vor Ort reparieren könne. Ok. 300 Dollar für die geringe Chance, dass er die Benzinpumpe per Handauflegen zum Funktionieren bringen kann, waren mir definitiv zu viel.

Ich erinnerte mich an die tolle Pannenversicherung die ich bei meiner Ankunft in Australien abgeschlossen hatte und rief sogleich deren Hotline an. Nachdem ich rund 40 Minuten lang sämtliche Details angegeben und der hilflos wirkenden Dame am anderen Ende der Leitung erklärt hatte, wo ich und das Auto sich befanden, bekam ich eine weitere tolle Nachricht. Die nächste Vertragswerkstatt befand sich mehr als 200km entfernt vom Standort des Autos und meine Versicherung bezahlt nur für 100km Abschleppkosten. Wenn ich abgeschleppt werden wollte, musste ich 250 Dollar dazuzahlen. Egal, es war die einzige Möglichkeit. Und was ist übrigens so schwer daran zu verstehen, wenn ich sage ich bin „in the middle of the fucking desert about 200km north of Yulara“? Die wollte immer eine Stadt und einen Straßennamen wissen…was aber wenn da keine Stadt ist??? Egal…

Die inkompetente Dame verband mich schließlich direkt mit dem Mechaniker in Yulara, der nach 20 Sekunden exakt wusste wo ich mich befand und versprach um ca. 4 Uhr bei meinem Auto zu sein. Die nächsten zwei Stunden verbrachte ich an der Tankstelle im Resort, wo ich hundert Leute fragte in welche Richtung sie unterwegs waren. Die meisten von ihnen waren unterwegs zum Canyon und demnach keine Hilfe, aber schlussendlich traf ich einen älteren Australier mit einem Wohnmobil, der auf dem Rückweg Richtung Ayers Rock war. Freundlicherweise nahm er mich die 120km mit und setzte mich beim der Rest Area ab, wo CeeJay samt Begleitung auf mich wartete. Es war ungefähr 3 Uhr nachmittags als ich dort ankam.

Um 4 Uhr war noch weit und breit kein Abschleppwagen in Sicht. Als es 5 Uhr war dachte ich mir nicht viel dabei. Um 6 Uhr begann ich zu überlegen, ob er vielleicht gemeint hätte er würde um 4 Uhr losfahren. Doch sogar dann hätte er längst hier sein müssen. In totaler Verzweiflung holte ich erneut das Handbuch aus dem Handschuhfach und begann damit, auf eigene Faust zu schrauben. Ich schraubte und rüttelte an sämtlichen Dingen im Motorraum, ohne die geringste Ahnung zu haben, was ich da eigentlich tat. Das Auto lief früher einmal mit Erdgas und überall waren noch Überreste und nicht mehr verwendete Kabel, Relais und Schläuche. Langsam begann es mir zu dämmern. Wenn der Antrieb von Benzin auf Erdgas umgeschaltet wurde, müsste logischerweise die Benzinpumpe abgeschaltet werden. Das ist ja exakt das Problem das ich vermutete. Ich steckte sämtliche Stecker aus und ein, verkabelte alles neu und versuchte erneut zu starten.

Zehn Sekunden später war der glücklichste Augenblick seit ich nach Australien gekommen war. Das Auto sprang an, schwarze Rauchwolken qualmen aus dem Auspuff und vernebelten den Parkplatz. Nach einigen Sekunden lief dann alles normal und ich machte eine kurze Probefahrt. Ich versuchte dann wieder und wieder zu starten und jedes Mal sprang der Motor tadellos an. Ich konnte es nicht glauben, aber ich hatte soeben EIN AUTO REPARIERT!!! Was für ein Hit! Ich reparierte täglich Computer, doch das war mein allererstes Auto 🙂

Die schlechte Nachricht ist allerdings, das ich keine Ahnung hatte woran es schlussendlich lag und deshalb der ganzen Situation nicht so ganz traute. Da es bereits dunkel war blieb uns dann auch keine andere Wahl, als noch eine Nacht auf dem Parkplatz zu übernachten. Glücklicherweise hatten wir genug Essen und Trinkwasser dabei und bereiteten uns auf eine weitere Nacht vor.

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2 Antworten

  1. Hey Super ! 🙂
    Also manch PC-Reparatur (natürlich nicht von dir) wird auch so ablaufen, abstecken, anstecken, herumwackeln und niemand weiß warum, aber das Ding läuft wieder. Beim Händy ist´s ähnlich, einfach in die Ecke schmeißen und fluchen und schon geht es wieder … toll, dass die Leute in der Wildnis zusammen halten.

    • Simon sagt:

      Ja genau….leider konnte der Mechaniker heute morgen auf die schnelle auch nicht sagen was da los war. Also werde ich weiterfahren und hoffen das es nicht mehr passiert…

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