Das war China: Mal so richtig ausgekotzt

Mein Aufenthalt in China ist glücklicherweise vorbei, langsam habe ich mich auch von dem Schock erholt und will versuchen, hier mit möglichst wenigen Schimpfwörtern einen Schlussstrich zu ziehen.

In all den Ländern die ich bisher besucht habe, mit all den Kulturen mit denen ich bisher in Kontakt kam, habe ich eigentlich fast ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. Manchmal glaubte ich schon die rosa Brille anzuhaben, aber es stellt sich heraus ich hatte bisher einfach verdammt viel Glück. Irgendwie bin ich sogar dankbar für diese Erfahrung, denn so ist es noch offensichtlicher, wie viele andere schöne Orte ich bisher zufälligerweise erwischt habe. In China war jedenfalls keiner davon.

Aber okay, es gab auch Positives. So zählte die 12-tägige G-Adventures Tour Hidden China and Inner Mongolia mitsamt der bunt zusammengewürfelten Reisegruppe zu den besten Gruppenreisen die ich bisher gemacht habe. Die Organisation der Tour war nahezu perfekt, der Ablauf stets reibungslos. Es gab nie einen Moment wo wir über Zimmereinteilungen diskutieren mussten, der Fahrer nicht wusste wohin es ging oder man stundenlang auf irgendwas wartete.

Einziger Kritikpunkt war der Feiertag am 1. Mai, an dem sich traditionell Millionen von Inlandstouristen über die Sehenswürdigkeiten hermachen. Später ist man natürlich immer schlauer, aber warum der Veranstalter über so ein Datum eine Tour plant ist nicht nachvollziehbar. Drei eigentlich vielversprechende Tage unserer Reise wurden dadurch mehr oder weniger zur Tortur.

Simon, Andi, Maddy, Gekritzel Lehrer, Patrick, Deanna, Wayne

Simon, Andi, Maddy, Gekritzel Lehrer, Patrick, Deanna, Wayne

Meine vier Mitreisenden aus Australien, Neuseeland und England bildeten jedenfalls zusammen mit Tour Leiter Andi und mir die wohl coolste Reisegruppe die man sich vorstellen kann. Alle interessiert an Land und Leuten, immer mit dabei und voller interessanter Reisegeschichten. Auch wenn das nicht in der Hand des Veranstalters liegt, aber dafür gibt es definitiv einen Pluspunkt für G-Adventures.

Unser Tour Leiter mit dem Decknamen Andi war auch hoch motiviert, immer um unser Wohlergehen bemüht und verbrachte nicht selten seine Freizeit mit uns. Besonders durch viele persönliche Gespräche eröffnete er uns einen Einblick in die Welt der Chinesen, die man als Außenstehender so gar nicht wahrnehmen würde. Der enorme Leistungsdruck, fast schon perverser Materialismus und die hochglanzpolierte Oberflächlichkeit der Menschen machten ihm klar zu schaffen. Und da ist er sicher nicht der Einzige.

Auch über politische Themen konnten wir meistens offen reden. Viele Chinesen sind sich dem Charakter ihres Regimes durchaus bewusst, wissen sich aber auch zu helfen. Selbst in der Inneren Mongolei bei den Schafhirten haben sie VPN Apps auf ihren Smartphones installiert und umgehen so gekonnt die Überwachungs- und Sperrversuche. Allerdings muss ich zugeben dass ich auf einem gewissen Level absolut nachvollziehen kann, warum die chinesische Regierung so ist wie sie ist.

Nirgendwo anders hab ich das so krass erlebt, aber Verbote und Gesetze sind in China ausschließlich dazu da, um auf irgendeine Weise gebrochen oder umgangen zu werden. Ein Rauchverbot Schild in einem öffentlichen Gebäude mit einem randvollen Aschenbecher direkt daneben ist grad ein tolles Beispiel. Naja, rauchen ist zwar verboten aber wir stellen da lieber doch mal einen Aschenbecher hin. Wahrscheinlich eine gute Idee, sonst würden die Stummel eh nur auf dem Teppich landen und zuletzt noch die Bude abfackeln.

Am Straßenverkehr sieht man es auch ganz gut. Zur Ermittlung der Durchschnittsgeschwindigkeit werden die Fahrzeuge an zwei Punkten von Kameras erfasst. Die Tatsache dass am zweiten Checkpoint alle Autos über einen Acker neben der Straße die Messstation passieren, macht das Ganze aber ein wenig sinnlos. Überhaupt, um diese Leute davon abzuhalten querfeldein mit ihren Fahrzeugen alles niederzufahren, müssen in den Stadtzentren regelrechte Zaunwälder aufgebaut werden. Da sind dann mal Gehsteig, Fahrradweg, Nebenstraße und die Spuren der Hauptstraße jeweils von einem kleinen Zaun getrennt. Anders scheint es nicht zu gehen. Oder steckt etwa Planwirtschaft für Zäune dahinter? Wer weiß…

Zaunwald

Ach ja bevor ich es vergesse: Es gibt dieses Vorurteil von wegen Chinesen können nicht Auto fahren. Ich kann bestätigen es handelt sich dabei keineswegs um ein Vorurteil. Nach zwei Wochen China hat es sich als Fakt heraus gestellt. Was die Chinesen allerdings hervorragend können ist kochen. Egal wo, das essen war eigentlich immer lecker und in keiner Weise vergleichbar mit einem China Restaurant in Österreich. Pflaumenwein hab ich übrigens nirgends irgendwo gesehen.

Ein bisschen überrascht hat mich dann der exzessive Fleischkonsum. So hat China mittlerweile mehr Mastschweine wie alle anderen Länder zusammen. Und glaubt mir, die essen sie locker! Andi hat aber auch immer Gemüsevariationen für uns bestellt die echt megalecker waren. Ein großer Vorteil war das Essen in der Gruppe, weil wir so immer 5, 6 oder 7 Gerichte bestellt und geteilt haben. Super Sache. Hab mir eigentlich noch vorgenommen ein paar Rezepte rauszusuchen.

Bevor ich zum nächsten Thema komme bleiben wir mal gedanklich im Restaurant sitzen und stellen uns vor, wie der Typ am Nachbartisch ungeniert und lautstark eine undefinierbare Masse aus seinem Rachen würgt und genüsslich auf den Boden zwischen die hinuntergeworfenen Essensreste und benutzten Servietten spuckt. Ja so ist das in China, und zwar immer und überall.

Gegenseitige Rücksichtnahme oder selbst einen Hauch von Anstand gibt es nicht in dieser Kultur. Bestes Beispiel die zahlreichen Zugfahrten die man mit vielen Menschen auf engstem Raum verbringt. Man stelle sich vor dort warten 5 Leute vor dem Verschlag mit der Kackrinne, man steht seinem Nachfolger also sozusagen Auge in Auge gegenüber wenn man fertig ist und rausgeht. Glaubt ihr jemand würde da seine Hinterlassenschaften entfernen und die Spülung betätigen? Weit gefehlt. Andere Länder, keine Sitten.

Ein weiterer mich persönlich überraschender Punkt war der krasse Rassismus in China. Die Weißen sind überall in der Werbung zu sehen, es gibt eine ganze Industrie die weiße Männer vermittelt um irgendwelche Werbevideos zu drehen, als Dekoration bei Geschäftstreffen anwesend zu sein oder Bändchen bei irgendwelchen Eröffnungen zu zerschneiden. Der Weiße steht für Erfolg und Wohlstand. Gleichzeitig ist aber zu spüren dass die Fremden anders behandelt werden, irgendwie nichts wert sind. Rassismus wird in China im Gegensatz zu Europa übrigens offen ausgelebt.

Nein, gefüttert wird man nicht. Nur angestarrt.

Nein, gefüttert wird man nicht. Nur angestarrt.

Da kommt man sich auch regelmäßig vor wie ein Vieh im Zoo. Aber Achtung, gefüttert wird man nicht sondern nur angestarrt. Ich kucke China an oder China kuckt mich an – diese Frage stand öfters im Raum. Zu allem Überfluss hab ich mir auch noch den Wechselkurs falsch gemerkt und bin später draufgekommen das China eigentlich überhaupt nicht billig ist. Ein Anfängerfehler.

Okay nun hab ich mich über 1000 Wörter ausgekotzt ohne auch nur zu erwähnen was ich eigentlich so gemacht habe. Gut so, denn im Gegensatz zu meinem Frust kann man das alles im Blog nachlesen. Einen positiven Punkt zum Schluss kann ich der Reise trotzdem noch zuschreiben: Sie hat mich in der Statistik der besuchten Länder der Welt von 12% auf 13% gehievt. Vielen Dank dafür und auch danke an Andi und meine kleine Gruppe.

It was a pleasure to travel with you. Cheers.

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2 Antworten

  1. Michael sagt:

    Na, ich hatte mir schlimmeres erwartet … 🙂

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