Das Massaker von My Lai

13.03.2014

Ein weiterer Tag, den wir größtenteils im Bus verbrachten. Dafür sind wir jetzt in Hoi An angekommen, wo wir die nächsten zwei Nächte verbringen werden. Wieder ein wenig Zeit für viele tolle Aktivitäten, die ich bereits für morgen gebucht habe. In diesem Beitrag möchte ich euch aber etwas über das Massaker von My Lai erzählen. Darüber gelesen und einige Bilder gesehen hatte ich schon im Kriegsmuseum in Ho Chi Minh City, doch jetzt waren wir an dem Ort, wo am 16. März 1968 die Hölle auf Erden losbrach.

Am frühen morgen landeten amerikanische Hubschrauber in den angrenzenden Reisfeldern, um im Rahmen einer sogenannten Search & Destroy-Aktion die zur Gemeinde Son My gehörenden Ortsteile des Dorfes My Lai nach Vietcong-Kämpfern zu durchsuchen. Bei ihrem Einsatz machten sie alle Häuser und Hütten dem Erdboden gleich, metzelten alte Menschen nieder, vergewaltigten Frauen und schlachteten Kleinkinder ab wie Tiere. Innerhalb kurzer Zeit wurden so 504 unschuldige Zivilisten, darunter 182 Frauen und 173 Kinder, auf bestialische Weise ermordet.

Ohne den couragierten Einsatz einiger weniger Menschen wäre dieses Verbrechen vermutlich nie ans Tageslicht gekommen. Erst ungefähr eineinhalb Jahre später wurde die Geschichte in westlichen Medien veröffentlicht, und trug entscheidend zur Antikriegsbewegung bei. Heute befindet sich an dieser Stelle ein kleines Museum, in dem man sich über die damaligen Vorgänge informieren kann. Neben dem ehemaligen Dorf befinden sich dort noch zwei Gebäude. Eine Schule und ein Kulturzentrum, errichtet und unterhalten von amerikanischen Vietnamkriegsveteranen.

Massaker von Mỹ Lai

Es war ein komisches Gefühl, dort durch die Überreste und die teils zur Demonstration wiederaufgebauten Hütten zu spazieren. Vor knapp 46 Jahren wäre das mit Sicherheit nicht so lustig gewesen. Es wurde uns im Kulturzentrum eine 30 minütige Dokumentation gezeigt, wo vor einigen Jahren ein amerikanischer Veteran den Ort besuchte, und mit Überlebenden des Massakers konfrontiert wurde.

Viel zu sagen hatte er nicht, außer das er nur Befehle befolgt hätte. Und das ist vielleicht das traurigste an der Sache: die grenzenlose Sinnlosigkeit. Warum das alles geschah weiß bis heute niemand so wirklich. Noch trauriger ist allerdings, dass sie (die Amerikaner) nichts daraus gelernt haben und bis heute noch die gleiche Scheisse abziehen. Und das natürlich mit dem größten Recht. Denn sie sind ja die Weltpolizei. Vielleicht in anderen Ländern, vielleicht mit anderen Mitteln, aber die tausenden Drohnenangriffe in Pakisten, Afghanistan, Jemen und anderen Ländern sprechen für sich selber.

Etwas positivere Stimmung wird hoffentlich mein morgiger Beitrag verbreiten, in dem ich über meine Eco Tour in Hoi An und Umgebung berichten werde. Bis dann!

 

 

 

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