About the People and the Feast

Wie man an der Qualität und Quantität meiner Einträge vielleicht erkennen kann, ist die Lust zum Schreiben bis heute nicht wirklich zurückgekehrt. Was ich in den letzten Artikeln aber vollkommen vernachlässigt habe, nämlich über die vielen tollen Leute hier zu berichten, möchte ich jetzt nachholen.

In dem kleinen Flying Fish Eco Village leben insgesamt vielleicht 20-25 Personen. Einige kommen von der Hauptinsel Viti Levu, dem sogenannten Mainland, aber die meisten sind hartgesottene Inselbewohner. Der Respekt untereinander ist in Fidschi sehr groß und als Zeichen der Anerkennung werden die älteren Leute anders angesprochen. Da wäre zum Beispiel unser Chief, Tai Paul, dessen Name eigentlich Wanissimo Paul ist, das Tai aber aus Respekt vor den Namen gesetzt wird. Auch der Begriff Familie wird hier mehr ausgedehnt als in Europa. Ein Cousin zum Beispiel ist immer auch ein Bruder.

Es ist zweifelsohne ein einfaches Leben hier auf der Insel. Abgeschieden, ohne viele Möglichkeiten etwas einzukaufen, ist es schon Luxus wenn morgens ein Glas Marmelade oder eine kleine Büchse Instant Coffee auf dem Tisch steht. Und wenn das verbraucht ist, gibt es eben so lange nichts neues, bis nicht jemand Nachschub vom Mainland bringt. Ich jedenfalls könnte mich gut daran gewöhnen, weit weg zu wohnen vom Überfluss der Konsumgesellschaft.

Kommen wir nun endlich zu den Leuten 🙂 Der erste der mir einfällt ist Tui, der, sofern er wach ist, ein leidenschaftlicher Koch ist. Er hat auf Turtle Island, dem teuersten Resort in ganz Fidschi, als Koch gearbeitet, sich aber doch entschieden hier bei uns zu leben. Und falls er wieder mal bis morgens um 5 Uhr auf einer Kava Party war, springt Queeny, die jüngste von fünf Geschwistern ein, und steht unermüdlich in der Küche. Man würde es nicht glauben, aber das Kochen hier ist genauso harte Arbeit wie Sand und Lehm zu schaufeln. Auf dem Gasherd funktioniert nur eine von vier Kochplatten, und es gibt nur winzige Pfannen und Kochtöpfe. So etwas wie Küchenmaschinen kennt man höchstens aus der Werbung und gegen Abend wenn es dunkel wird, hängt nur eine winzig kleine LED-Leuchte in der Küche. Unter diesen Umständen für teilweise 10-15 Gäste zu kochen, ist schon grenzwertig.

fidschi-abendessen

Auch die Wäsche wird von den Frauen erledigt und natürlich gibt es keine Waschmaschinen. Die schmutzige Kleidung wird in eine große Schüssel mit Wasser gegeben und von Hand mit Seife und Bürste gereinigt. Danach noch zwei Mal ausgespült und zum Trocknen in die Sonne gehängt. Eine Unterhose oder ein T-Shirt ist kein großes Problem, aber ein Bettlaken auf diese Weise zu waschen ist sicher nicht angenehm.

Noch jemand von dem ich euch berichten möchte ist Pony. Ein Fidschianer, ich denke mal er ist um die 40, der sich auch immer sehr gut um uns kümmert. Er ist ein erfahrener Fischer und fährt auch immer mit uns auf dem Boot, wenn wir einen Schnorchel Ausflug machen. Leider war ich mit der Kamera bisher nie zur richtigen Zeit am richtigen Ort, aber wenn ich Glück habe, kann ich vor meiner Abfahrt noch ein Unterwasser Bild schießen, wie er grade mit einem Stachelrochen oder Oktopus kämpft 🙂

Und ich habe noch eine Schocknachricht! Es ist unglaublich, aber sogar hier, am äußersten Ende von Fidschi, gibt es noch deutsche Urlauber. Boris und Kiri (eigentlich Christiane) haben sich im Dezember in Australien kennengelernt, und leben seit knapp zwei Monaten hier im Dorf. Wenn ich Glück habe, darf ich noch bei der Hochzeit dabei sein, die bald mitten im Paradies stattfinden wird. Ein Engländer, ein Amerikaner, ein französisches Pärchen und noch eine Deutsche sind bzw. waren hier zu Gast.

Letzte Woche ist noch eine Kiwi Familie mit vier Kindern angekommen, die hier eigentlich einen Yoga-Workshop veranstalten sollten. Irgendwie konnten dann aber keine Teilnehmer aufgetrieben werden, was dazu führte, das die hier jetzt gratis Urlaub haben, ohne irgendwas dafür zu tun. Die verwöhnten Kinder sind, wenn überhaupt, nur ganz schlecht erzogen und machen den ganzen Tag Lärm und Dreck. Sie haben es auch geschafft, an einem Frühstück ein ganzes Glas Marmelade zu vernichten. Aber auch die Eltern scheinen nicht begriffen zu haben, dass wir hier mit limitierten Ressourcen leben müssen, und nehmen gerne mal eine 15-minütige Dusche. Natürlich mit Wasser, das zuvor stundenlang vom Brunnen geholt und in den Behälter beim Badezimmer gefüllt wurde.

Gerade eben wurde mein Schreiben durch das schreien eines Schweines unterbrochen. Ein durchaus ungewöhnliches Geräusch hier. Charles, der Amerikaner der bei uns zu Gast ist, hat für heute Abend ein großes Festessen geplant, wollte aber eigentlich ein paar Hühner besorgen. In Vuake waren wohl nicht genügend essfertige Hennen verfügbar, sodass er sich für ein kleines Schwein entschieden hat. In einen Sack gepackt, nur der Kopf hat rausgeschaut, wurde das Tier hergetragen. Als es durch einen Schlag auf den Kopf betäubt war, wurde ein großer Schnitt in den Hals gemacht und die Luftröhre abgedrückt. Nach kurzer Zeit nahm das quieken ein Ende. Das Schwein ist jetzt definitiv im Schweinehimmel, angesichts der vielen Leute die es hier glücklich machen wird.

fidschi-schweinchen

Anschließend wurde das tote Tier gereinigt, in ein Stück Stoff gepackt und mit heißem Wasser übergossen. Dadurch lassen sich die Haare besser entfernen. Momentan werden die Eingeweide entfernt und der Lovo (Erdofen) vorbereitet. Heute Abend wird es auf jeden Fall ein leckeres Essen geben 🙂

Einige Stunden später, als ich wieder nach hinten zum Lovo kam, war die ganze Familie mit den Vorbereitungen für das Festmahl beschäftigt. Cassava und Breadfruit wurden geschält und gereinigt, das Schweinefleisch wurde mariniert und in geflochtene Palmblätter eingepackt. Alles zusammen wurde dann in den Lovo, den traditionellen fidschianischen Erdofen gelegt. Im Prinzip wird ein kleines Loch gebuddelt, in dem ein Feuer entzündet wird, bis ordentlich Glut vorhanden ist. Die größeren Holzreste werden dann entfernt und große Steine auf der Glut erhitzt. Darauf kommt dann das Essen, welches anschließend mit Bananenblättern bedeckt und mit Erde zugeschaufelt wird. Die ganze Prozedur habe ich für euch auf Video festgehalten:

Video 1: Lovo Vorbereitungen

Video 2: Lovo wird mit Essen gefüllt

Nach knappen zwei Stunden Kochzeit wurde der Ofen wieder geöffnet und das lecker duftende Essen in eine Schubkarre gepackt, in die Küche gekarrt und garniert. Alles zusammen wurde dann auf einem kleinen Tisch aufgebaut und unser Festmahl am Strand begann. Es sind schon eidn paar Wochen vergangen seitdem ich das letzte Mal Schweinefleisch gegessen habe und dementsprechend gut hat es geschmeckt. So manche Leute in meiner Familie hätten wahrscheinlich keinen Bissen gegessen, weil das Fleisch schon ziemlich fettig war, aber das war genau das was wir alle gebraucht haben.

Gegen 22 Uhr verzog ich mich dann in mein Zelt und bereitete mich auf eine kurze Nacht vor. Boris und Kiri müssen noch aufs Mainland fahren um Besorgungen für die Hochzeit zu machen und aufgrund der etwas unerwünschten Gäste aus Neuseeland, habe ich beschlossen auch mitzukommen. Unser Paradies ist momentan ein bisschen gestört. Eigentlich wollten wir schon vorgestern los, dann hieß es heute, und momentan sieht es so aus als ob wir morgen früh fahren werden. Das ist eben Fiji-Time 🙂

So, nun ist es 24 Stunden später, ich habe eine wirklich strapazierende Reise hinter mir und werde mich erst mal ins Bett legen. Mehr über die Überfahrt nach Lautoka und meinen Aufenthalt hier werdet ihr im nächsten Beitrag erfahren.

 

 

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3 Antworten

  1. Falsch gedacht, also an der Qualität deiner Beiträge gibt´s nichts zu meckern !! Und dass du nicht immer Lust hast alles zu minutiös zu berichten wird wohl auch mit dem Kava und der Fidschi-Time zu tun haben … *hehehe*.
    In der letzten Woche war irgendwann ein Thementag „Südpazifik“ im Fernsehen, ein paar Sachen konnte ich ansehen – so wurde von der Korallen-Route berichtet, ein alter Flugweg der reichen Leute aus alten Zeiten. Die machten so eine Art Insel-Hopping. Es wurde über die verschiedenen Stationen berichtet. Mach dich mal schlau, wenn du Lust und Zeit hast, da geht´s dann weiter über Cook-Island, Samoa und letztlich natürlich auch Bora-Bora. Für mich ein alt gehegter Traum mal diese Inseln anzusehen, doch wenn ich mir die Kosten und auch die Flugzeiten ansehe, ja dann … drum, wenn du schon dort bist und vielleicht nie wieder diese Gelegenheit hast – hüpf auch mal weiter … !!! Jede Insel hat ihr besonderes Flair und die Leute sind ja quasi alle miteinander verwandt, also sehr ähnlich gestrickt. Es wurde von Aussteigern (auch Insulanern) berichtet die sich auf eine kleine Insel zurückgezogen haben und dort vom Fischen leben und ab und an mal einen Urlauber beherbergen um ein wenig Geld zu verdienen.

    • Simon sagt:

      Für die Korallen-Route habe ich leider zu wenig Zeit und vor allem zu wenig Geld. Mein Weiterflug nach Sydney am 12. Juli steht ja schon und irgendwie freue ich mich gewaltig, wieder mein eigenes Auto und meine Freiheit zurückzuhaben. Ist ist schön hier, alles gut und recht, aber mit der unbeschreiblichen Freiheit, im Campervan durch Australien zu fahren, kann es nicht mithalten 🙂

      • Aha aha ? Na, da bin ich jetzt aber überrascht.
        Ich hab´s mit dir, ich bin auch ein Traveller – nichts tun kann ich auch zu Hause und ewig fischen und am Strand rumliegen … da nützt der schönste Strand nix.
        Leben, heißt etwas tun und nicht nichts tun, womit wir eine Antwort darauf haben, warum in manchen Teilen der Welt alles beim Alten bleiben würde, wenn die Leute nicht Motoren, Radio, Handy und Fernseher haben wollen würden und somit Geld benötigen und dafür mal 1 Stunde am Tag etwas anderes tun als in den letzten 1000 Jahren.

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