Rotes Meer Tauchsafari #2: Brother Islands

11. März 2013 – Little Brother

In der vergangenen Nacht schipperten wir rund 200km südlich zu den Brother Islands, welche mich beim morgendlichen Briefing gemeinsam mit strahlender Sonne und blauem Himmel begrüßten. Die winzigen Inseln beiden Felsnadeln ragen ca. 70km entfernt vom Festland aus der Wasseroberfläche und gehören aufgrund ihrer exponierten Lage zum Besten, was das Rote Meer zu bieten hat. Aufgrund starker und häufig wechselnder Strömungen, ist hier taucherische Sicherheit gefragt und die Mindestvoraussetzung für eine Taucherlaubnis sind 50 geloggte Tauchgänge.

 

Brother Islands Lage

(c) Eric Gaba – Wikimedia Commons

 

Heute haben wir beim kleinen Bruder festgemacht und über den Tag verteilt drei Tauchgänge durchgeführt. Gleich beim allerersten Tauchgang früh morgens wurden wir mit dem Zodiac zur Nordspitze gebracht und tauchten mit einem negativen Einstieg in das 24° C warme Wasser. Dabei rollt man sich ohne Luft im Jacket vom Schlauchboot ins Wasser und trifft sich in rund 5 Meter Tiefe. Diese Einstiegstechnik soll verhindern, dass die Gruppe aufgrund starker Oberflächenströmung zu weit auseinander driftet.

Kaum im Wasser traute ich meinen Augen nicht, denn nicht unweit von mir schwammen mehrere Haie im Kreis. Natürlich hielt dieser Anblick nur für genau 2 Sekunden und ich war grade noch in der Lage, einen der grauen Hochseehaie (korrigiert mich falls ich falsch liege) dabei zu fotografieren, wie er sich auf Nimmerwiedersehen im Tiefblauen verabschiedete.

hai-little-brother

Den restlichen Tauchgang drifteten wir der östlichen Steilwand entlang Richtung Süden, wo unser Taxi zurück zum Boot wartete. Der kleine Bruder ist von einem hübschen Saumriff umgeben, das von der Riffkante abwärts erst in über 700m Tiefe den Meeresboden erreicht. In den oberen 10-40 Metern erkundeten wir zahlreiche Einschnitte und Überhänge. Die Wände sind mit Hart- und Weichkorallen überzogen und besonders in niedriger Tiefe gibt es viele kleine und große Fische zu sehen. Ganz besonders neugierig war ein ca. 1 Meter langer Napoleon-Lippfisch, der wie ein Mini-U-Boot auf uns zugesteuert kam und erst im letzten Moment abdrehte.

napoleon

Nach ungefähr 45 Minuten hatten wir die Südspitze erreicht, schauten uns noch ein wenig um und wurden dann per Zodiac zurück zum Boot gebracht. Es wartete schon lecker Frühstück und eine halbe Stunde später legte ich mich vollgefressen aufs Oberdeck. Tja, so ist das auf einer Tauchsafari. Außer essen, schlafen und tauchen tut man da nicht viel 🙂

Bei den anderen beiden Tauchgängen konzentrierten wir uns mehr auf die Ost- und Südseite und gingen erneut auf Hai Suche. Besonders an der Südspitze soll es eine große Chance auf Begegnungen mit z.b. Hammer- oder Fuchshaien geben. Ich glaube so ziemlich jeder auf dem Schiff hat an diesem Tag mehrmals Haie gesehen – außer ich. Naja wer weiß, vielleicht haben sie einfach Angst davor, hier auf Simons-World zu landen. Die vielen Weichkorallen und Gorgonien gepaart mit bunten Fischschwärmen konnten sich dagegen nicht wehren.

Ich bin mir jetzt nicht mehr sicher bei welchem Tauchgang das war, aber ich kann mich noch erinnern wie ich auf meinen Tauchcomputer geschaut habe, und er mir 42 Meter Tiefe anzeigte. Das beunruhigende an der Situation war, das weit unter mir an der Steilwand, kaum noch in Sichtweite, eine Gruppe Taucher zu sehen war, die wohl augenscheinlich unserem Boot zuzuordnen war. Wohlgemerkt gilt auf dem Roten Meer für Sporttaucher üblicherweise eine Tiefenbeschränkung von 40 Metern und auch unsere Tauchguides fanden das gar nicht komisch.

Wir sich später herausstellte waren die Jungs teilweise auf über 70 Metern, was ihnen im Nachhinein wohl selber Angst einjagte. Hier sind wir halt nun mal eine ganze Weile vom Festland entfernt und Hilfe gibt es im Notfall erst ziemlich weit entfernt. Ein unguter Ort für einen Tauchunfall also. Wie es genau dazu kam hab ich nicht mitbekommen, aber geplant war das wohl keinesfalls. Tja, passiert ist nichts und sie werden wohl alle mit einer coolen Story im Gepäck zurück nach Deutschland fliegen 😉

 

 

12. März 2013 – Big Brother

„Neuer Tag, neues Glück“ dachte ich mir, als es am nächsten Tag am knapp 2 km entfernten Big Brother unter Wasser ging. Auch hier soll es viele Haie geben und auch hier wurden einige gesichtet – jedoch wieder nicht von mir. Dafür besichtigte ich die Wracks der Numida und Aida an der südwestlichen Steilwand. Irgendwo da draußen im Blau haben sich auch die Haie versteckt, jedoch nahm ich Abstand davon, zu weit weg von der Riffwand zu schwimmen. Das kann böse ausgehen, denn die Strömungen können einen ziemlich schnell und ziemlich weit davon tragen.

Nah dran war es sowieso viel interessanter, denn zwischen den vielen Korallen versteckten sich zahlreiche verschiedene Fische. Leider bin ich kein Meeresbiologe und kann euch jetzt nicht 20 Namen aufzählen, aber dafür sind weiter unten ganz viele Bilder. Es war jedenfalls sehr schön, vielfältig und bunt. Genau deswegen bin ich tauchen gegangen.

fahne-brother-islands

Aber auch über der Wasseroberfläche war es wunderbar. Blauer Himmel, Sonnenschein, ein mildes Lüftchen. Die ägyptische Flagge wehte im Wind und im Hintergrund der Leuchtturm auf dem großen Bruder. Die Idylle war aber trügerisch, denn auch hier herrschten starke Strömungen und man musste sich immer nah am Riff halten, um nicht abgetrieben zu werden. Dadurch kommen aber auch sehr viel Plankton und andere Nährstoffe zum Riff, was eben zu enormem Fischreichtum und großer Korallenvielfalt führt.

Nach drei „tauchen-essen-schlafen“ Einheiten war unser letztes Abendessen auf hoher See angesagt und die Crew hatte etwas ganz Besonderes vorbereitet. Mit Kerzenlicht beleuchtete Tische, ein nobel gekleideter Koch, kreative Dekorationen und ein riesen Festmahl mit Riesenvogel (Truthahn?) erwarteten uns im Salon. Nach dem Gaumenschmaus setzten wir uns aufs Mitteldeck und bekamen noch einen ägyptischen Kuchen mit 200% Zucker serviert. Viele kramten danach ihre im Duty Free Shop erworbenen hochprozentigen Getränke aus. Ich beschränkte mich auf ein kleines Schlückchen Vodka und zwei Bierchen, denn saufen und tauchen sollte man nicht unbedingt kombinieren.

Mittlerweile sind die Brother Islands schon lange am Horizont verschwunden und wir bewegen uns wieder nördlich zurück Richtung Hurghada. Morgen wird es noch zwei kleine Tauchgänge geben, bevor die Safari dann endgültig vorbei ist. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

 

 

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2 Antworten

  1. Gerald sagt:

    Hallo Simon schöner Bericht über die Tauchsafari erinnere mich gerne zurück an die schönen
    Tage in Ägypten LG Gerald

  2. Michael Hinterauer sagt:

    Wie üblich sehr schön !

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