Das Hochland von Boquete

Boquete, Chiriqui

Es war wie so immer ein schöner Tag in Panama, als ich von einem deutschen Urlauber über meine Homepage kontaktiert wurde. Anscheinend ist meine bzw. unsere Präsenz in Panama schon so unübersehbar, dass wir bereits vor der Hosteleröffnung Gäste anziehen. Da wir im Mietshaus sogar ein Zimmer frei haben, luden wir den Überraschungsgast gleich zum Abendessen und Übernachten ein.

Wie sich herausstellte spielt Klaus auch mit dem Gedanken Europa hinter sich zu lassen, und war in Panama auf der Suche nach einem neuen zu Hause. Genauso überraschend wie sein Besuch war dann auch das Angebot, mich für ein paar Tage Richtung Westen mitzunehmen. So fast ohne Verpflichtungen war ich auch spontan und frei genug, dieses Angebot anzunehmen.

Und so packte ich einige Tage später meine sieben Sachen und stieg in einen weißen Kia. Dies nur für den Fall, dass ich nie mehr gesehen werde. Die ersten Kilometer waren noch altbekannt, doch schon ab Santiago ging es auf für mich unbekannte Straßen. Weiter westlich war ich bisher nicht vorgedrungen. Der Panamerican Highway Richtung David ist vierspurig ausgebaut und der Verkehr am Sonntagnachmittag war äußerst entspannt.

Hauptstraße in Bajo Boquete, Chiriqui

Wir waren fast vollkommen alleine auf der Straße und schafften das erste Stück in Rekordzeit, bis hinter der nächsten Kurve wie aus dem nichts ein Stau auftauchte. Wegen einer Kontrollstation verloren wir mehr als eine halbe Stunde, die Beamten hatten aber nichts zu beanstanden und ließen uns anstandslos passieren. Ja das ist seltsam, obwohl an dieser Stelle keine Grenze ist und auch sonst kein besonderer Anlass erkennbar war, gibt es in Panama auch im Landesinneren immer wieder intensive Visa- und Ausweiskontrollen.

Gibt es im 21. Jahrhundert doch tatsächlich noch Länder, die ihre innere Sicherheit halbwegs ernst nehmen? Personen ohne Aufenthaltsgenehmigung oder gar ohne Papiere bekommen hier übrigens kein Formular zur Beantragung der Mindestsicherung, sondern landen in Abschiebehaft. Meine einzige Erklärung: Panama muss wohl voll von Nazis sein. Und wir kommen ab vom Thema.

Wenig später waren wir auch schon in David angekommen, tankten kurz das Auto voll und fuhren dann Richtung Norden hoch hinauf in die Berge. Das Hochland in der Provinz Chiriquí ist vulkanischen Ursprungs und erreicht Höhen von bis zu 3000 Metern. Der Distrikt Boquete und der gleichnamige Ort sind bekannt für ihr kaltes Klima, das gerne als ewiger Frühling beschrieben wird.

Boquete, Chiriqui

Bis in die frühen 2000er Jahre war Boquete ein verschlafenes, fast vollkommen unbekanntes Bergdorf. Das änderte sich rapide, als einige Gringos die Gegend für sich entdeckten und damit begannen, große Infrastruktur- und Siedlungsprojekte zu starten. Das Klima und die hübsche Natur taten den Rest. Heute leben über 20.000 Menschen in Boquete, ein großer Teil davon Amerikaner. Die Stadt zählt zu den bekanntesten Destinationen für Expats in Nordamerika.

Das alles kann, abhängig von dem was man mag, nun gut oder schlecht sein. Ihr kennt mich und meine Einstellung, also glasklar: Boquete ist ein Ami verseuchtes Rattennest, in dem ich nicht mal für viel Geld leben wollen würde. Die Panamesen haben übrigens eine ähnliche Einstellung. Ein Amerikaner rangiert in seiner Beliebtheit irgendwo zwischen Pest und Cholera.

Kaffee ist einer der Exportschlager aus Boquete

Den Einwohnern entsprechend sieht auch die Stadt aus. Von Panama ist nicht mehr viel zu sehen, und würden nicht die ein oder anderen Indios mit ihren bunten Kleidern durch die Straßen laufen, könnte man meinen man sei irgendwo in den USA. Big Daddy’s Grill reiht sich an Morton’s Bakehouse und übernachtet wird im Central Boquete oder Gardin Inn. Ja man ahnt es schon, auch Spanisch braucht man hier nicht wirklich zu können. Tja, jedem das seine.

Wasserfall in Boquete, Chiriqui

Klaus war recht ähnlicher Meinung wie ich. Die Gegend war schön, aber die Stadt und deren Einwohner absolut nicht. Boquete ist neben Heimat für Amis auch eines der touristischen Zentren Panamas. Hier gibt es alles und hier kann man alles machen. Von Whitewater Rafting bis Pferdereiten, Kaffee Plantagen besichtigen oder auf den Vulkan wandern, heiße Quellen, Felsklettern, ja sogar Golf.

Wir beschränkten uns auf eine kleine Foto-Tour mit dem Auto durch die Berge bis zum Eingang des Nationalparks, machten ein paar Fotos von Basaltgestein, Flüssen und Wasserfällen. Dann war es auch schon Zeit, Kurs auf die nächste Destination zu nehmen. Mehr dazu im nächsten Beitrag!

 

 

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3 Antworten

  1. Patrick sagt:

    i oh.

    lg Patrick

  2. Martina sagt:

    Hey Simon!

    Das sieht alles äußerst interessant aus Gib Gas mit deinem Hostel, ich wäre urlaubsreif!!

    Liebe Grüße ausm grauen Ländle,
    Martina

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