Brisas Rio Onda: Brücke zum Himmel und Weg zum Fluss

Reinos dicker Generator dreht auf Hochtouren, die Kabel glühen, die Funken spritzen. Es wird geschweißt auf Rio Onda. Für unser Pilotprojekt „Brisas Rio Onda“ haben wir uns nämlich ein ganz besonderes Gimmick für den Außenbereich einfallen lassen. Auch einen komfortablen Weg zum Fluss wollen wir anlegen, wofür ich diesmal eine neue Lösung erarbeitet habe. Dies und noch mehr erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Tja, das Wetter dieses Jahr ist irgendwie komisch. Der Sommer nur gefühlte zwei Wochen lang, geht irgendwie schon wieder dem Ende zu. Jedenfalls war es in letzter Zeit ziemlich bewölkt und eigentlich sehr angenehm für Arbeiten im Freien. Perfekt, denn als i-Tüpfelchen im Außenbereich hatten wir eine etwas verrückte Idee.

Auf einem großen Felsen am Hang vor dem Haus wollten wir nämlich einen Aussichtspunkt anlegen. Und nicht nur dass, sondern natürlich brauchte der auch eine passende Seilbrücke. Darauf haben Reino und ich uns nach reiflicher Überlegung geeinigt. Die Alternative wäre gewesen einen Pool in den Felsen zu fräsen. Naja, irgendwas müssen wir uns ja noch für zukünftige Projekte übriglassen.

Unser Plan hier und jetzt war aber soweit klar und wir begannen direkt mit der Umsetzung. Um die Terrasse überhaupt auf dem Felsen befestigen zu können, musste Isais erst ein paar Stunden mit Reinos großem Bohrhammer spielen und ein gutes Dutzend Löcher bohren. Dann ging der Chef persönlich ans Werk und konstruierte den stählernen Rahmen, der schlussendlich in den Löchern verankert wurde.

So hatten wir eine stabile Basis, an die im nächsten Schritt ein Handlauf und ein Geländer befestigt werden konnte. Dabei war wieder einmal Schweißmeister Sven im Einsatz, der derzeit fast ausschließlich bei Markus auf der Baustelle verputzt. Da kam ihm ein bisschen Abwechslung grade recht. So schön wie bei diesem Projekt ist die Aussicht bei der Arbeit nämlich normalerweise nicht.

Und um diese Aussicht möglichst randlos zu genießen, wollte ich ja eigentlich ein randloses Geländer aus Glas, ganz so wie am Karren in Dornbirn. Unser Budget gab dann doch nur ein einfaches Geländer aus schwarz lackiertem Stahl her. Zweckmäßig ist es allemal und vom Stil her passt es sowieso besser rein. Und während ich die Schweißarbeiten hauptsächlich anderen überließ, kümmerte ich mich wieder ums Holz.

Natürlich nicht irgendein Holz, sondern Teakholz aus lokalem Anbau in Santa Fe. Da uns derzeit noch die Kapazität und das Kapital fehlt um eigene Holzvorräte anzulegen und diese zu trocknen, kaufe ich aktuell noch fertig getrocknete und grob vorgeschnittene Holzblöcke in verschiedenen Größen. Der Verkäufer ist gleich hier in der Nachbarschaft und liefert mir das Holz auch mit seinem Auto.

Dabei brauchten wir eine ganze Menge. Das Sägewerk war jedenfalls fleißig im Einsatz und machte sich schon richtig bezahlt. Anstatt jetzt in Santiago nach krummen und überteuerten Brettern zu suchen, sägte ich die einfach direkt selber und nach Bedarf. Das Teakholz war zwar von bester Qualität, jedoch aufgrund der oft mühsamen manuellen Arbeit in den Bergen in sehr kurze Stücke geschnitten.

Da wir die komplette Breite der Terrasse an einem Stück haben wollten, musste ich dazu die längsten Holzblöcke finden. Aufgrund eines Planungsfehlers sägte ich dann auch noch die falschen Maße und am Ende fehlen mir jetzt immer noch zwei Bretter um die Terrasse zu vollenden. Doch mein Holzbedarf war ja noch größer, denn auch die Brücke sollte aus Holz gefertigt sein.

Oder zumindest Großteils. Das Herz der rund vier Meter langen Seilbrücke waren nämlich zwei ¼“ Stahlseile, durch die ich die einzelnen Holzstücke mit Abstandshaltern dazwischen auffädeln wollte. Die Idee kennt man am ehesten vom Kinderspielplatz, wo auf diese Weise unkompliziert kurze Seilbrücken entstehen. Für unseren Einsatzzweck war es geradezu ideal und so begann ich erst mit dem Sägewerk und dann mit der Kappsäge die passende Holzstücke zurechtzuschneiden.

Im Anschluss verpasste ich ihnen zwei 10mm dicke Löcher. Ganze 48 Holzstücke sollten es am Ende werden. Dementsprechend brauchten wir 96 Abstandshalter, die ich einfach aus schwarz lackierten Stückchen Stahlrohr fertigte. Mit massiven Bolzen verankerten wir erst das Stahlseil im Felsen und dann ging es auf ans munter auffädeln. Das war wesentlich zäher als angenommen und provozierte mir einen üblen Muskelkater. Eine sehr ungewohnte Bewegung war es halt dazu auch noch.

Um einen netten optischen Effekt zu erzeugen, fertigte ich die ersten bzw. letzten Bretter stufenweise breiter. Sie sieht jetzt irgendwie aus wie eine Brücke in den Himmel. Mit jedem Brett wurde die ganze Konstruktion jedoch immer schwerer und wir mussten sie in der Mitte abstützen, während wir zu dritt die Stahlseile auf der anderen Seite verankerten. All die Mühen waren es wert, denn der Anblick der noch unfertigen Brücke mit der noch unfertigen Terrasse im Hintergrund war eigentlich schon genug.

Was noch fehlte war ein bisschen den Garten anzulegen und vor allem einen Weg zum Flussufer zu schaffen. So mussten wir erst dem Unkraut Herr werden und dann größere Objekte wie Felsbrocken und Baumstümpfe aus dem Weg schaffen. Auch war ein großer morscher Baum im Wind umgekippt und hat uns kubikmeterweise Abfallholz hinterlassen, welches wir auch aufräumen mussten.

Dann konnte man mit entsprechendem Schuhwerk durch den gezähmten Busch laufen und tatsächlich zum Fluss gelangen. Doch von einem komfortablen Spaziergang war das weit entfernt. Auf unserer Finca ein paar hundert Meter entfernt haben wir ja damals einen großzügigen serpentinenförmigen Weg angelegt.

An dieser Stelle wollten wir jedoch einen schmaleren Weg anlegen, den wir dieses Mal mit Rasengittersteinen realisierten. Auch nicht direkt aneinandergereiht, sondern mit kleinem Abstand dazwischen, fungieren diese massiven Betonsteine einmal als Gehweg in ebenen Bereichen und einmal als einzelne Treppenstufen in etwas abschüssigeren Abschnitten.

Mal abgesehen davon dass man immer noch einen Hügel rauf- und runterlaufen muss, ist der Weg zum Fluss nun jedoch komfortabel zu gehen. Ziel erreicht würde ich sagen. Den Garten rund ums Haus werden wir in Bälde anlegen. Doch auch bei der Inneneinrichtung ist noch eine Menge zu tun, wovon ich euch im nächsten Beitrag berichten werde. Bis dann!

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