Tierische Geschichten: Milch rein, Milch raus, unsere ersten Ziegenbabys!
Tja, wie der Titel schon andeutet haben sich unsere Ziegen in der Zwischenzeit prächtig entwickelt, um nicht zu sagen multipliziert. Doch wie vermehren sich zwei Weibchen? Und wie verläuft eine Geburt bei Ziegen? Und vor allem was machen wir mit den ganzen Ziegen? All das und noch mehr werde ich euch in den nächsten Zeilen näherbringen.
Beginnen wir wie immer am Anfang, was wohl irgendwann im August vergangenen Jahres gewesen sein muss. Aufgrund der bevorstehenden Paarungssaison, habe ich mich in Santiago mit dem ehemaligen Besitzer unserer Ziegen getroffen und die Optionen besprochen. Er selbst befruchtet seine Ziegen mit der Spritze, sein reinrassiger Saanen Ziegenbock darf nicht mal persönlich ran.
Unsere beiden Ziegenmädels hätte er auf die gleiche Art befruchten können, was aber eine gute Koordination erfordert hätte. Schließlich sind Ziegen während der Brunst nur 2-3 Tage empfängnisbereit. Nicht nur die räumliche Trennung war problematisch, sondern auch die Rasse. Eine Kombination von Saanen und Alpino wäre für unser Klima in Santa Fe nämlich ideal.
Und wie es der Zufall so wollte, konnte ich direkt hier um die Ecke einen kleinen Alpino Bock ausfindig machen und seinen Besitzer überzeugen, ihn mir zu verkaufen. Mitte August war es schon so weit und wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben machten unsere beiden brünstigen Ziegen Bekanntschaft mit einem Bock.



Doch der war noch recht jung, eher ein Böckchen und musste sich hüten, von den deutlich größeren Mädels nicht eins aufs Dach zu bekommen. Um den Größenunterschied auszugleichen hatte er dafür noch sein Horn. Er sah trotzdem recht verloren aus und wir machten uns noch über ihn lustig, ob er denn überhaupt die erforderliche Größe hat, um die Mädels zu besteigen.
Mit der Zeit wurde es immer ruhiger und nach ein paar Tagen bewohnten die drei gemeinsam ihren Stall, als ob es nie anders gewesen wäre. Rund einen Monat lang durften sie sich dann vergnügen, wobei wir nie unmittelbare Zeugen des Aktes wurden. Doch vier Wochen sind wohl mehr als ausreichend für mehrere Versuche und so verkaufte ich den Bock direkt wieder.
Unsere beiden Mädels verspeisten weiter ihre Getreiderationen, gaben dabei fleißig Milch und legten ordentlich an Gewicht zu. Die Ältere der beiden wurde im Laufe des Oktobers von selber trocken, während die Jüngere noch fleißig weiter Milch gab. Dabei fraßen und fraßen sie sich durch alle Blätter die ich anschleppte und wurden dabei immer dicker und runder. Erst fünf Wochen vor dem ungefähren Geburtstermin beendete ich auch das Melken bei der jüngeren Ziege.
Es folgte der Jahreswechsel und gegen Mitte Januar wurde die Situation immer bedrohlicher. Die Ziegen sahen aus als würden sie jeden Moment explodieren. Zufällig war noch unser Tierarzt aus Santiago in der Gegend und verabreichte ihnen eine Dosis Vitamine und Kalzium. Das Kalzium ist unmittelbar vor der Geburt wichtig, wenn der Körper der Ziege auf Milchproduktion umschaltet und besonders viel davon benötigt.
Die Euter sahen jedenfalls prall gefüllt aus. Lange konnte es nicht mehr dauern. Und das tat es auch nicht. Als ich schließlich eines morgens wie immer mit dem Getreidenapf in den Stall kam und die ältere der beiden Ziegen so überhaupt gar kein Interesse am Futter zeigte, war die Lage klar. Der große Tag war endlich gekommen.
Das war ihr wohl auch klar, denn sie stand in einer Ecke des Stalls, starrte gegen die Wand und meckerte leise vor sich her. Ich wollte noch unseren Nachbaren verständigen, der erfahrener Landwirt ist und einmal drüber schauen hätte sollen. Doch bevor der sich seine Gummistiefel anziehen konnte war es schon vorbei. Im Abstand von 30 Sekunden kamen zwei gesunde Zicklein auf die Welt bzw. purzelten auf den Stallboden.




Wie paniert mit einer Mischung aus Schleim, Blut und Sägespänen taumelten sie durch die Gegend und suchten nach den Zitzen ihrer Mutter. Die war sichtlich erleichtert und knabberte ein bisschen Stroh. Nach rund einer halben Stunde fing sie jedoch wieder mit den seltsamen Bewegungen an und wir rechneten eigentlich mit dem Ausscheiden der Plazenta.
Zu unserer großen Überraschung war es jedoch ein drittes Zicklein! Ja und in den ersten Tagen lief auch alles prima. Die Mutterziege hatte dicke Euter und gab kräftig Milch, die kleinen bei bester Gesundheit und die andere Ziege noch hochschwanger am Blätter kauen. Rund eine Woche später war auch sie an der Reihe. Das geschah jedoch nachts und ohne Zeugen.
Plötzlich hörten wir um 4 Uhr morgens laute Schreie aus dem Ziegenstall. Ich dachte noch eines der drei kleinen hätte ein Problem und ging nachschauen. Und es war wieder eine Überraschung, denn plötzlich standen nicht drei, sondern gleich fünf Ziegenbabys vor mir. Insgesamt drei Weibchen und zwei Männchen sind es geworden.
Ja, und eines der Neugeborenen offensichtlich mit großem Hunger lautstark schreiend. Natürlich ein Weibchen. In den folgenden Tagen hatten wir alle Hände voll zu tun, denn der Zustand der dreifachen Mutter verschlechterte sich plötzlich und ohne Vorankündigung rapide. Von einem Tag auf den anderen war der Euter steinhart geworden und es kam kein Tröpfchen Milch mehr aus den Zitzen. Alle Warnzeichen an: Mastitis!




Ein leider sehr verbreitetes Problem bei Ziegen. Mit Schmerzmitteln und Vitaminen konnten wir erst für kurzzeitige Linderung sorgen, doch am Ende mussten wir doch Antibiotika verabreichen. Die Ziege hat überlebt, auch allen Zicklein ging es gut, doch der Totalausfall der Milchproduktion für dieses Jahr war sicher. Aber mir fehlte nicht nur Milch für den Verkauf, sondern natürlich auch für die Zicklein selbst.
Mit speziellem Milchpulver rührten wir also Ersatzmilch an und verfütterten diese bis zu fünf Mal täglich an die Viecher. Als ob wir sonst nix zu tun hätten. Glücklicherweise bekamen wir aber genau zur richtigen Zeit Verstärkung aus Österreich. Doch von der kleinen Ziegenflüsterin werde ich euch in einem anderen Beitrag berichten. Bis dann!

