Brisas Rio Onda: Abwasser bis Regenwasser
Hallo und willkommen zurück auf der Baustelle unseres Pilotprojekts „Brisas Rio Onda“. Wie ihr euch vielleicht erinnern könnt, bauen wir dieses Haus zugleich als Test und Referenz für hoffentlich viele weitere zukünftige Projekte. Dabei gilt es nicht nur die Kostenseite genauer zu beleuchten, sondern auch die Stärken und Schwächen unserer vielen lokalen Handwerker herauszufinden.
Dieses Haus lassen wir nämlich als erstes überhaupt nahezu komplett von verschiedenen Auftragnehmern bauen. Ich kümmere mich dabei unter anderem um die Koordination und Überwachung der verschiedenen Arbeiten. Im Hintergrund ist immer auch Reino, der die Dinge von der fachlich fundierten Seite betrachtet und mir entsprechende Tipps gibt.
Baufachmann bin ich nämlich sicher keiner. Elektriker auch nicht und Klempner noch viel weniger. Doch manchmal muss man nicht vom Fach sein, um offensichtliche Fehler in der Arbeit anderer zu entdecken. Und während unsere Leute die Beton- und Maurerarbeiten recht gut gemacht haben, gab es besonders beim Abwasser so einiges zu korrigieren.



Kurz gesagt sah es aus, als hätte man einen 6-Jährigen mit Plastikrohren und Kleber spielen lassen. Sämtliche Einleitungen in die Hauptabwasserleitung waren nämlich mit sogenannten T-Stücken, also 90 Grad Winkeln, ausgeführt. Ja, auch die Toiletten. Das rund 12 Meter lange Rohr war noch dazu überhaupt nicht im Wasser und hatte kein durchgehendes Gefälle.
Tja, sicher war da nur eines: Die gesamte Konstruktion hätte sich binnen kürzester Zeit verstopft. Diese Erfahrung haben die Erbauer der Glanzleistung davor wohl schon öfters gemacht und deshalb alle zwei Meter einen Wartungszugang eingebaut, von wo aus man die regelmäßigen Verstopfungen dann wieder beseitigen hätte sollen.
Ich wurde also selber zum Klempner, riss den ganzen Blödsinn wieder auseinander und begann von vorne. Die T-Stücke ersetzte ich durch Y-Stücke, die 90° Kurven wurden zu 45° Kurven und die Hauptleitung bekam ein durchgehendes Gefälle. So sah das doch schon besser aus. Zusätzlich entschlossen wir uns dazu, die am weitesten entferntesten Abwässer getrennt zu behandeln.
Dem Abwasser aus der Küche und der Waschküche verpassten wir erst eine Fettfalle und leiteten das ganze dann in eine eigene Sickergrube an der Rückseite des Hauses, wo es getrennt vom Rest den Garten bewässern und düngen darf. Und zusammen mit den anderen Umbauten dem zukünftigen Besitzer des schönen Hauses wohl eine Menge Ärger ersparen wird.



Und schon war es Zeit für die nächste Arbeit, denn für die Kläranlage der übrigen Abwässer brauchten wir einen großen Tank. Der sollte mehr an die andere Seite des Hauses an der Ecke zur Einfahrt, von wo aus er später einfach gereinigt und abgepumpt werden kann. Dank unserem eigenen Bagger war ich damit super flexibel und konnte die Erdarbeiten direkt und bequem selber durchführen.
Bequem in der Tat, nämlich sozusagen mit einigen Fingerbewegungen. Doch dabei blieb es freilich nicht. Denn das viele rumstehen bei tropischen Temperaturen mit fast leerem Tank hat sich durch jede Menge Kondenswasser im Diesel bemerkbar gemacht. Oder eigentlich nicht, denn ich merkte es erst dann, als der Motor einfach so ausging und dann nicht mehr angehen wollte.
Durch einen Blick auf den Wasserabscheider war das Problem jedoch einfach zu sehen und durch simples reinigen des Abscheiders auch genauso einfach zu lösen. So dachte ich zumindest. Beim ersten Mal war das auch genauso, doch am nächsten Tag als sich das Spiel wiederholte, wollte der Dieselmotor einfach nicht mehr anspringen.
Nachdem ich erst dachte die Kraftstoffpumpe wäre kaputt, ließ sich das Problem aber doch wieder ganz einfach durch simples entlüften an den Einspritzdüsen lösen. Von nun an werde ich halt stündlich den Wasserabscheider kontrollieren und ggf. das Wasser ablassen müssen. Und irgendwann könnten wir ja mal den Tank ablassen und reinigen?
Nein im Moment nicht, denn wir waren ja voll und ganz auf die eigentliche Arbeit konzentriert. Den Septiktank hatten wir dann aber recht schnell eingegraben. Es folgte die Sickergrube, wo das Abwasser dann schlussendlich im Boden versickert wird. Diese Grube war mit 2x2x2 Metern recht groß und musste natürlich auch mittels eines Grabens mit dem Septiktank verbunden werden.
Die verschiedenen Erdarbeiten erledigte ich dabei mit den passenden Baggerschaufeln. Neben der „normalen“ Schaufel haben wir uns nämlich noch eine extra schmale Schaufel zum Anlegen von Gräben sowie eine extra breite Schaufel zum effizienten bewegen von Erde zugelegt. Ein einfacher manueller Schnellwechsler hilft dabei. Alles in allem sehr praktisch.
So konnte ich auch große Schaufelladungen von Steinen in die Sickergrube kippen. Isais konnte sich etwas erholen und musste nur noch einen kleinen Teil händisch herankarren. Und als die rund 8m³ mit Steinen gefüllt waren, versiegelten wir die Grube mit einer Schicht Beton darüber. Auch der Septiktank bekam eine kleine Einfassung und einen Betondeckel verpasst.




Bei der Kläranlage war allerdings noch lange nicht Schluss, mussten wir doch auch an die sichere Ableitung des Regenwassers denken. Dazu bekam unser hübsches Pilot Haus umlaufende Regenrinnen aus Metall spendiert, die über insgesamt fünf Abläufe das Regenwasser abführen werden. Dazu waren nochmal zusätzliche Gräben und jede Menge Rohre erforderlich.
Zu guter Letzt fehlte uns noch das Trinkwasser, welches wir aus dem Brunnen des Nachbarn beziehen. Der letzte Graben musste also die Einfahrt kreuzen, wo wir dann die Rohre in Richtung Wassertank verlegen können. Diesen Graben habe ich soeben fertiggestellt und Isais müsste bereits dabei sein, die Rohre zu verlegen.
Neben all diesen Erdarbeiten waren wir auch schon fleißig beim Bau der Terrasse und beim Anlegen eines Weges zum Fluss. Die letzten Wochen der Trockenzeit möchte ich noch so viel wie möglich draußen arbeiten. Doch dazu mehr im nächsten Beitrag, bis dann!



